#39 Pennine Way, ein Weg der dich verändert

Prolog und Tage 1-5

03.05.19 12h00. Wir starten unsere nächsten Abenteuer. Übrig in unserem Haushalt bleiben zwei Stühle ein Tisch und zwei Rucksäcke.

Frühmorgens und recht kalter Witterung erreichen wir von Manchester aus kommend mit dem Zug Edale. Hier befindet sich der Startpunkt des Pennine Way.
Hier habe ich auch tiefgreifende Erfahrungen und Erlebnisse während meiner drei Teilnahmen am Spine Race 2013 – 2015 machen dürfen. Erinnerungen und Emotionen werden wach. Vor meinem geistigen Auge sehe ich wie wir jeweils Anfang Jahr bei Schneesturm los rannten um die 430 km des Pennine Way in schnellstmöglicher Zeit hinter uns zu bringen.
Jetzt geht es hingegen darum, gemeinsam mit Rita diesen Weg etwas langsamer zu begehen und vor allem alles auch bei Tageslicht zu sehen. Im Januar ist es im Norden Englands nur acht Stunden hell.

Im Café gibt’s noch schnell einen Kaffee, die warst du schlafen werden ausgefüllt und vor dem ersten Gatter knipsen wir unser Stadtbild.

Schon sind wir mittendrin, vor uns erheben sich die ersten Hochmoore und in ein paar Kilometer lange ist bereits die Jacobs Leiter auszumachen.
Die Sonne scheint, ein kühler Wind weht uns am Kinder Scout um die Ohren. Viele Spaziergänger sind hier unterwegs. Doch bald lassen wir diese hinter uns. Uns drängt es vorwärts, vorwärts in Richtung Norden.
Vor uns breitet sich in leichten Wellen das erste Hochmoor aus, der Wanderweg führt in Schlangenlinien einem Grat entlang. Er ist über Kilometer gefüllt mit bruchsteinen und Geröll. Noch das Wandern ungewohnt fordert uns das Beine heben und das dauernde schauen wo man sich hier aufstehen kann sehr stark. Misstritte sind quasi vorprogrammiert.

Kurz vor Black Chew Head finden wir ein kleines Fleckchen Gras auf welchen wir unser Zelt aufstellen und übernachten.

Entlang von Hochmooren und wieder hinunter ins Grüne Tiefland zieht sich der Weg in Richtung Norden. die Blackstone’s habe ich bis jetzt nur bei Nacht erlebt. Orientierungslos stolperte ich damals über dieses Geröllfeld. Heute um Kurven wir locken die geröllhalde und genießen denn Fernblick.

Das White House Pup liegt nicht um weit davon entfernt. Hier laden wir mit deinem fettigen Hamburger und einer Quiche unsere ausgelutschten Energiespeicher wieder auf..
Die Handy Akkus werden geladen, so bekommen unsere Füße 2 Stunden Ruhe und gegen 18h30 machen wir uns dann auf den Weg, um einen schönen Schlafplatz zu finden.

Über weite Strecken durchqueren wir Hochmoore. die Aussicht und die Landschaft ist für uns nach vor ungewöhnlich, sind wir uns doch sehr an die Berge gewöhnt.
Die Hügellandschaften hier erzeugen Weite und das Gefühl von Unendlichkeit.
Trotzdem dass wir uns über mangelnde Kondition nicht beklagen können, sind unsere süße das zusätzliche Gewicht vom Rucksack bloß die vielen Stunden und die vielen Schritte nicht gewohnt. Die Wege sind voll Steine so dass man jeden Schritt sauber aufsetzen muss. Bereits haben wir beide einen oder zwei nicht richtig gemacht. Mein rechter Knöchel ist geschwollen.
Wer singt happy hier zu sein und heute morgen früh habe ich ein für mich eher seltenes Glücksgefühl erlebt.

Die Erfahrung jeden Schritt ob aufwärts oder abwärts machen zu müssen ist ganz anderes, als auf dem Fahrrad zu fahren, wo du gelegentlich nicht mehr treten musst und das Fahrrad unter Umständen auch 50km von selber rollt.

Unsere nächstes Ziel ist Melham Tan, ein idyllisch gelegene Bergsee umgrenzt von Bergen und Hügeln. Doch zuvor gilt es Melham Cove zu besteigen, eine einzigartiger Kalksteinformation welcher sich über ein paar Dutzend Höhenmeter uns in den Weg stellt.

In Melham Tan finden wir für die eher kühl feuchte Nacht in einer Wildvögel – Beobachtungshütte eine trockene Unterkunft.

Hart und kalt peitscht der pfeiffende Wind seitlich ins Gesicht. Regentropfen fühlen sich an wie Nadelstiche auf der Haut als wir die langen Treppenstufen in Richtung Pen y Ghent aufsteigen. Der Wind zerrt an unseren Kleidern und Rucksäcken so dass wir immer wieder aus dem Gleichgewicht gebracht werden und uns mit unseren Stöcken und Händen abstützen müssen.
Etwas Sorgen bereiten mich die letzten vier Höhenmeter vor dem Gipfel an welchen Mann zum Überwinden der Felsstufen auch beide Hände benötigt. Rita mag solche Passagen gar nicht.
Minuten später und mit einer großen Zitterpartie belebt stehen wir auf dem Pen y Ghent! Wir haben eine der Schlüsselstellen des Pennine Way geschafft!

Am Start
Vom Start weg geht’s gleich hoch!
Gute Fernsicht
Kanalwandern
Übernachten in Vogelbeobachtungshütte
Bei Sturmwind Aufstieg zu Pen y Ghent
Hochmoorfeeleing
Alles nass, jetzt einen Kaffee
Kaffee am High Cup Nick
Camping buy High Cup Nick
Alle 2 bis 300 Meter gibt es eine Mauer oder ein Gatter. Also ca. 630 Mauern

Wir stecken in der ersten Woche unserer Fernwanderodyssee durch Europa. die letzten Tage führten immer wieder über windgepeitschte Hochmoore, um uns wieder hinunter zu führen in grünes saftiges Land. Steinmauern begrenzen die Ländereien. Schafe mit ihren Neugeborenen im Windschatten liegend blöken vor sich hin.
Zur Zeit sind noch wenig Fernwanderer auf dem wohl anspruchsvollsten Fernwanderweg Großbritanniens unterwegs. Stundenlang sind wir alleine unterwegs und mit uns selber beschäftigt.

Unser rund zehn Kilogramm schweres Reisegepäck stundenlang zu tragen und gleichzeitig auf anspruchsvollen Bergwanderwegen zu gehen belastent unsere noch untrainierten Muskeln und Sehnen. Der Hüft- und die Schultergurte ziehen an unseren Muskeln. Die Rückenmuskulatur schmerzt.

Die nächsten Stunden versprechen keine Entlastung. Knappe dreissig Kilometer und viele Höhenmeter über einsame Hochmoore sind bis Hawes noch zu bewältigen.

Der Wind wird stärker, der Regen lässt etwas nach. Der kalte Wind setzt alles daran uns zu unterkühlen und uns immer wieder aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Pausen sind nur sehr kurz möglich. Innerhalb von Minuten würde der Körper unterkühlen.

Wir verpflegen uns mit Gummibärchen, Schokoriegeln und etwas Käse und Nüssen. Kaltes Wasser aus der Flasche ersetzt die verlorene Flüssigkeit.

Weit, ewig weit zieht sich der lange Aufstieg in Richtung Tenn End. Melancholische Emotionen ziehen durch meine Geisteswelt. Am liebsten würde ich mich irgendwo hinsetzen und heulen! Einfach nur heulen und da sitzen bleiben.
Hinter mir staksen Ritas Wanderstöcken ihr eigenes Lied vom wandern. An meinen Füßen singen die ersten Blasen einen ganz anderen Song.

Irgendwann blicken wir vom Hochmoor hinunter nach Hawes. Wir stolpern mehr hinunter, als dass wir wandern. Nasses Sumpfgras und Wasserlachen füllen unsere Schuhe mit kaltem Wasser. Lustig spritzt bei jedem Schritt das Wasser aus den Schuhen.

In der Jugendherberge haben wir ein Bett für zwei Nächte reserviert.

Tage 7 – 18

Das Great Shunner Fell zeigt sich sonnig und leicht windig. Recht lockender steigen wir ihn auf und genießen die weite Aussicht über die Ebenen. Danach steil unten und wieder hinauf. Dann zu dessen Schmerzen die Füße sodass wir beschließen am Campingplatz am Fuß vor dem Aufstieg nach tanhel zu Übernachten.

Schon um 7 Uhr sind wir auf den Beinen und klettern die lange Rampe nach tanhel hinauf. Auf Tann Hill liegt das höchstgelegene curbed von England. Dort treffen wir auf Text Wanderer welche auch den Pennine Way durchwandern. wollen. Diese werden wir während unsere Zeit auf dem Pennine Way immer wieder antreffen.

Bereits sind wir knappe 2 Stunden unterwegs als wir tanhel verlassen und in die Moorlandschaft hineinsteigen. wir stolpern über morgens springen über sumpfiges Gelände versenken unsere Flüsse in tiefes Wasser und ziehen Moorwasser in unsere Socken auf. Die Sonne scheint und in der Ferne sind bereits die langen Wellen über verschiedene Hochmoore welches zu überqueren gibt zu sehen.

Während Stunden wandern und genießen wir die hochmooren um gelegentlich in etwas tiefer gelegene grüne Landschaften einzutauchen. Umgehend geht’s wieder hoch auf das nächste Moorland. In einer Hütte kochen wir heißen Kaffee und erholen uns etwas von den Strapazen.
Am späten Nachmittag gilt es noch einmal einen Hügel zu erklimmen um danach die Aussicht nach Middleton in Teasdale genießen zu können.
Noch ein paar Schritte und wir sind auf dem Campingplatz. Wir genießen Couscous mit circa 200g geschmolzenen Cedarkäseund dazu gemischt Champignonsuppe. Als Dessert gibt es Schokolade und ein paar Gummibärchen.

Überdachten geht es im leichten auf und ab in Richtung Cauldron Snout Wasserfall. Dieser stürzt sich durch welches Gestein in ein idyllisches Tal. Der Pennine Way führt dem Wasserfall entlang übergroße Steinblöcke nach oben. Rita schimpft lauthals und verflucht den ganzen Weg. Wie zuvor schon am Pen y Ghent mag sie es gar nicht wenn einfache Klettereien gefragt sind.
Schon bald ziert ein lachen ihr Gesicht als sie zurückblickt und ihre Leistung würdigt.
High Cup Nick der Ort an welchen wir heute übernachten wollen liegt noch in weiter Ferne. Die Sonne brennt mir in den Nacken, der Wind bläst kühl über das Hochmoor. Vor Sonnenuntergang steht unser Zelt an diesem wunderschönen Ort. Mit einem Kaffee in der Hand und die Sonne im Gesicht genießen wir den warmen Abend. Die Tagesausflügler sind schon seit Stunden wieder ins Tal gewandert.
Die warmen Sonnenstrahlen holen uns aus unserem Tiefschlaf. Bereits um 7 Uhr sind wir unterwegs und legen die paar Kilometer in unten nach halsten recht schnell zurück. Auf dem Zeltplatz verbringen wir einen gemütlichen Tag.

Der Aufstieg zum Cross Fell fordert uns einiges ab. Zuvor sind drei Hügel zu überqueren bevor wir auf dem großfeld einen Mittagspause machen. Die Sonne brennt, unterdessen laufe ich in kurzen Hosen und T-Shirt.
Sehr lang ziehen sich die zwölf Kilometer hin und nach Garrigill. Auf dem Zeltplatz gibt’s wieder heißen Kaffee. Bald trudeln weitere panaway wandere ein. In einer größeren Gruppe verbringen wir einen lustigen Abend.

Der Weg nach Greenhead folgt einem langgezogenen Tal. Immer wieder zweigt der trail auf die Hügel und hochmooren ab um sich wieder ins Tal hinunter zu bewegen. In greenhead werden wir auf den Hadrians Wall stossen. Im kleinen Dörfchen finden wir einen für Wanderer bereit gestellten Campingplatz in einem Hintergarten. da wir ein paar Tage ohne Einkaufsmöglichkeiten unterwegs sind schleppen wir Verpflegung mit. So gibt es an diesem Abend Couscous an einer Pilzcremesuppe mit ca 300g geschmolzenen Käse vermischt.

Sonnenschein. Lang und wunderschön gewählt zieht sich der Hadrians Wall von Ost nach West und umgekehrt. Diese geschichtsträchtige Gegend in welcher ein natürlicher Wall gebildet hat bewegt uns nicht nur körperlich sondern auch geistig. Hier standen sich die einheimischen Schotten einen übermäßigen Eindringling, den Römern gegenüber.

Weiter geht es zum „forest of the nightmares“. diesen Ort habe ich so nach meinen einschlägigen Erlebnissen während dem Spine race genannt. Hier treffen wir auf lange Strecken mit sehr nassem und tiefem Moor und Gras. Daneben stehen hohe dunkle Tannen welcher ihre Schatten über uns werfen. die Kombination aus Anstrengung und des sich verloren fühlen in diesem Wald führen zu faszinierenden Bildern und Vorstellungen.
irgendwo auf einer grünen Wiese umgeben von blühenden Schafen bauen wir unser Zelt auf und genießen den Abend.

am nächsten Tag geht es über gemütliche 10 Kilometer bis nach Bellingham wo wir mitten im Städtchen einen gemütlichen Zeltplatz finden. wiederum kaufen wir für die nächsten drei Wandertage das nötige Proviant ein.

Kurz nach 7 Uhr geht’s schon los. Tiefhängende Wolken wabern über dem Hochmoor. Noch ist es trocken. Bald verlassen wir die asphaltstraße und ein wunderschöner Singletrail führt uns in langen Schleifen über verschiedene Hügelgipfel in Richtung Norden.

Der Weg wird matschig. was ist spritzt und kurzum sind unsere Schuhe voll Wasser. Macht nichts, wir haben uns daran gewöhnt und wissen dass die Schuhe bald wieder trocken sind.
Immer wieder gilt es einen weiteren Hügel zu besteigen. Dort angekommen lässt sich unsere Wanderweg in der Ferne erkennen wie er sich auf den nächsten Hügel erhebt um sich danach in der Ferne zu verlieren.

Irgendwann erreichen wir die Forststraße welche sich langgezogen bis nach Byrnes hinunterzieht.

Byrness erreichen wir schon kurz nach Mittag und Quartieren uns da auf dem Zeltplatz ein. den Tag verbringen wir im Empfang und auf der Toilette beim Trocknen unsere nassen Socken und anderer Ausrüstungsgegenstände. Erst am Abend bauen wir während einer großen Regenpause unser Zelt auf. Schwups sind wir im Zelt. jemand ruft nach uns und als wären hinausschauen steht eine Frau neben unserem Zelt und reichte uns zwei Gläser Wein mit einem Guezli. Sie sei begeistert von dem was wir tun. wenn wir unterwegs Probleme hätten sollen wir uns doch bei ihr melden sie würde uns umgehend beistehen. Überrascht und bewegt von der Freundlichkeit schauen Rita und ich uns in die Augen.

Cross Fell
Steile Aufstiege
Kleider trocknen auf dem WC
Ein Glas Wein im Zelt
Von den Cheviots ein Blick zurück auf den Hadrian’s Wall.
Moorlands
Booty. Bergnothütte
Booty Romantik
Gatter
The Schill, der letzte Berg
Im Ziel

Alle Kleider wieder sauber

Als wir aufstehen lässt sich erkennen dass auf den Cheviots bald die Sonne scheinen wird. Schnell packen wir alles zusammen und machen uns auf den Weg.
Heute erfolgt die zweitletzte Etappe über die Cheviots, mit Übernachtung im Booty (eine offene Hütte) 11km vor Kirk Yetholm.
Zuvor gehts über Lamb Hill, Windy Gale und Kings Seat einem genialen Grat entlang der Grenze von England und Schottland folgend. Unterwegs gibt es kein Wasser, so dass wir das Wasser für eineinhalb Tage mitschleppen.
Sonnenschein und tief hängenden Wolken, Single Trails und Steinplattenwege über langgezogene Hochmoore haben noch mal die Schönheit des Pennine Way zum Ausdruck gebracht.

Die letzte Nacht auf der Strecke verbringen wir in der Hütte 11 km vor Kirk Yetholm. als wir bereits eingeschlafen sind es ist kurz nach 9 Uhr abends geht die Tür auf und die uns bereits bekannten drei Australier stürzen erschöpft in die Hütte.
Mit großen und Erstaunen Augen stellen die drei Jungs fest dass die leere geglaubt der Hütte bereits von uns belegt ist. Sie müssen wohl oder übel draußen noch das Zelt aufstellen und dort nächtigen.

Kurz vor 6 Uhr am Morgen raucht der Gaskochet bereits und bald darauf halte ich eine heiße Tasse Kaffee in der Hand. Minuten später stehen wir bereits auf dem Trail und nehmen die letzten Meilen unter die Füße. Die Trails sind feucht, die Füße bald nass und der Aufstieg zum the Schill geht fluffig vorüber.
Ein Abstieg mit kurzem Gegenanstieg und von da an geht’s nur noch aubwärts um am Schluss mit einem Hügel unseren Schwung noch mal runter zu bremsen nach Kirk Yetholm. The Border Pub bildet das Ziel des ersten Teils unserer Wanderung.
18 Tage waren wir unterwegs und haben dabei und 430 km mit 11000 Höhenmeter zurückgelegt.
Leider ist das Pub geschlossen, so dass wir auf den kurzum ankommenden Bus springen und nach Glasgow reisen. Unterwegs stürzen wir uns in ein Shoppingcenter wo wir gierig ein Sandwich kaufen und mit verhungert drein blickenden Augen in uns reinschieben.


One Comments

  • Stefanie Arendt

    6. August 2019

    Erinnerungen kommen hoch … wir sind den wunderbaren Weg als Teilstück auf unserem langen Marsch durch England gewandert. Der pennine Way ist dabei unser Lieblingsweg!
    Vielen Dank für den schönen Artikel!
    Grüße aus Geislingen/Steige
    Steffi (lecw.blog)

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