# 37 Über Myanmar nach Thailand, Malaysia, in die grüne Hölle von Sumatra

Myanmar, ein berührendes Land, und ich komme wiederum an meine Grenzen

Rangon

Myanmar begrüßt uns farbenfroh mit lachenden, freundlichen Menschen. Die Natur scheint sich gegenüber Thailand leicht verändert zu haben. Überall stechen die Türme von Pagoden in die Höhe. Es fühlt sich so an als würde auf beinahe jedem Berg ein goldenes Glaubensdenkmal gesetzt.

Überrascht stellen wir fest, dass viele Menschen hier Englisch sprechen. Selbst irgendwo auf dem Land im kleinen Teehaus werden wir mit ein paar Worten Englisch angesprochen.

Bald mutiert die geniale seidenfeine Nationalstrasse Nr 1 zu einer, sagen wir mal so, zu einer in Europa äußerst selten benutzten Nebenstraße einer Nebenstraße. Dies natürlich ohne ihren Status der Nationalstraße Nr. 1 zu verändern.

Der Asphaltbelag gleicht einem Flickenteppich und wechselt ab mit gelegentlichen Schlaglöcherrn.

Das Fahren belastet nun auch die oberen Extremitäten und vor allem auch die Wachsamkeit. Der Blick wechselt von der Landschaft auf die Straße. Dauernd müssen leichte Schläge und Löcher kompensiert werden.

Der fordernde Zustand der Straße zieht sich den ganzen ersten Tag bis zu unserem Übernachtungsort hin. Mitten in der Stadt steht eine riesige goldene Pagode strahlend im Sonnenlicht.

Wiederum sind wir in einem neuen Land. Einmal mehr genießen wir eine andere Art das Essen zu würzen und zu präparieren. Wir sind happy.

Dennoch fühle ich mich etwas ausgelaugt, die ganze Kurbelei hat mir doch ziemlich zugesetzt.

Auch die nächsten zwei Tage vergehen ähnlich. Herzliche Menschen, viel Farben, Bagoden und für uns vieles Unverständliches kreuzt unseren Weg in Richtung Rangon.

Mir selber geht es immer schlechter. Ich schaffe es beinahe nicht mehr mich über Nacht zu regenerieren. Schon Morgens habe ich Herzrasen und null Motivation weiterzufahren. Meine Arsch ist auf Grund der Schweiss-Salzkombination Dauerbehandlung komplett wund. Mann Mann Mann! Wie soll ich so fahren? Rita kurbelt hinter mir, macht Fotos und sorgt sich um mich.

Unser Ziel ist es bis am Sonntag, innerhalb von 4 Tagen nach Rangon zukommen und dabei 440 Kilometer zu bewältigen. Für unsere Verhältnisse nichts Weltbewegendes.

In Rangon müssen wir sowieso fünf Tage auf das Indien Visa warten und bekommen dabei viele Ruhetage. Also wird gefahren.

Am Tag vier wird es ganz übel. Bereits nach weniger als 20 km, vor 8 Uhr morgens benötige ich dringend eine Pause. Der Schweiß läuft triefend. Irgendwie geht die Kurbelei weiter, gefühlt bringe ich noch 40 Prozent Leistung.

Wir wechseln auf die Nationalstrasse Nummer 2, was dazu führt das wir wiederum einer äußeres fordernden Straße begegnen. Es schüttelt und rüttelt.

Während der Einfahrt nach Rangon habe ich die Schnauze voll, mir ist übel, trinken widert mich an und es liegen noch 20 Kilometer vor uns.  Ein recht moderner Trolleybus kommt vorbei und ich rufe Rita zu, dass sie dort einsteigen soll, was sie auch tut.

Wie ein klitschnasser Lappen hänge ich auf einem Stuhl, neben mir mein Velo. Der Bus fährt uns mitten in die Stadt.

Mein körperlicher Zustand ist gelinde zu sagen katastrophal wenn nicht an der Grenze zu totalen Auslaugung. So kann ich nicht mehr weiter fahren. im Gegenteil ich habe das Gefühl die Reise vorübergehend abbrechen zu müssen. Oder bin ich einfach zu alt für solche Späße?

Ich steige die Treppe hoch ins Hostel und will dort ein Zimmer buchen. Mir wird schwindelig ich will mich setzen.

Einige, genau gesagt sechs Hände greifen nach mir! Was ist los, mein Schienbein schmerzt ein bisschen. Ich liege mit dem halben Oberkörper auf einem Tisch und gucke verwirrt herum. Mir fehlen drei Sekunden Bewusstsein.

Was ist geschehen.

Seit langem schon erzähle ich davon wie viel ich unterwegs schwitze. natürlich ist mir klar dass damit auch ein Calcium-Magnesium, allenfalls auch Vitaminverlust verbunden sein kann oder ist.

Nur hatte ich die letzten vier Tage keinen Zugang zu solchen Präparaten, und gleichzeitig wollten wir Rangon bis am Sonntag erreichen.

Nun sitzen wir hier im Hostel. Rita hat eingekauft, ich futtere Vitamine und Magnesium Präparate in mich hinein sowie allerlei Früchte, (herzlichen Dank an  Herbert Born für den Tipp) sowie Gemüse und Eiweiß. Heute, 48 Stunden später fühle ich mich wieder etwas besser.

Noch gehe ich davon aus dass ich nicht unter einem Kreislauferkraung oder Arterienverkalkung leide. Mal schauen wie es sich entwickelt.

Jedenfalls haben wir nun aufgrund dessen, dass die Visa Beantragung für Indien zwei Tage länger dauert, als geplant und meines Zustandes beschlossen von Rangon mit dem Bus nach Bagan zu fahren. So haben wir wesentlich mehr Zeit Sehenswürdigkeiten anzuschauen, und müssen nicht jeden Tag im Schnitt 60 km fahren um nach Indien zu gelangen.

Reisen wirft mich immer wieder auf mich selber zurück, mal physisch, mal mental, mal emotional und mal spirituell. Ich liebe diese Erfahrungen!

Thailand II

Spitalbesuch

Wir fliegen von Mandalay nach Bangkok. Auf der Fahrt zum Flughafen erkenne ich plötzlich dass wir zum falschen Flughafen gefahren sind. Völlig gestresst fluche ich herum und suche ein Taxi in welches unsere beiden Velos passen könnten.

Nach ein paar Minuten des Suchens verladen wir unsere Velos und fahren zu dritt vorne sitzend zum fünfundreissig Kilometer entfernten Mandalay Flughafen. Völlig verschwitzt und fast triefend nass stehe ich eine Stunde später vor den verpackten Velos und Fahrradtaschen. Rita und ich sind ziemlich am Anschlag und gestresst! Na ja hauptsächlich ich bin ziemlich gestresst und recht müde.

Nach einem ruhigen Flug erreichen wir Bangkok, wo wir wiederum mit viel Aufwand ein Taxi finden in welches unsere beiden Velos Platz finden. Endlich erreichen wir unser Hotel und fallen müde auf die Betten.

Schon für den nächsten Morgen habe ich einen Termin im internationalen Spital von Bangkok bekommen. Frühmorgens kommen wir dort an und bald ist klar, dass ich nicht zum Kardiologen muss, sondern zum Allgemeinarzt und vor allen meine Blutwerte testen muss. Mit einem EKG wird festgestellt das mit meinem Herzen alles in Ordnung ist.

Um 12 Uhr mittags bespreche ich die Bluttests mit dem Arzt und werde als komplett gesund kurzerhand entlassen. Für die ganze Untersuchung werden zweihundertachzig Franken fällig, welche ich sehr gerne bezahle. Gleich geht es mir besser und Rita und ich schlendern gemeinsam in Richtung Hotel.

In einem gigantischen Warenhaus bekomme ich Bluetooth Kopfhörer so wie ein kleines Pulsmessgerät ein MI Band 3, mit welchem ich meinen Puls und Aktivitäten etwas kontrollieren will.

Aufgrund meiner Schwierigkeiten bei Schwüle Velo zu fahren, beschliessen wir unsere Reise in Richtung Süden, in Richtung Malaysia fort zu setzen. mit einer Fähre werden wir nach Sumatra, Indonesien übersetzen und dort einige Wochen verbringen um danach nach Singapur aufs Festland zurück zu kommen.

Nachdem wir am Morgen unsere Hotel gewechselt haben und wiederum in das Eco Guesthouse gezügelt sind verbringen wir dort einen eher ruhigen Tag. Am späten Nachmittag spazieren wir gemütlich zur Khaosan Road wo wir zuerst durch den turbulenten mit vielen Touristen gefüllten Markt besuchen und später in einem kleinen Restaurant etwas essen. Auf dem Nachhauseweg springen wir beim Kanal in ein Schifftaxi und lassen uns in die Nähe unserer und Zukunft fahren.

Hua Hin

Die Reifen singen wieder!. Nach rund drei Wochen ohne richtiges Velofahren sitzen wir endlich wieder im Sattel. Raus aus Bangkok in Richtung Süden führt unsere Fahrt.

Die Reifen singen wieder das Lied der Freiheit, das Lied der Leidenschaft der Freude und vom Rhythmus des Lebens. Die Zeit verfliegt die Beine drehen und nach einem kurzen Stopp und einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir bereits unser Tagesziel. 80 km wovon die Fahrt hinaus aus Bangkok rund dreissig Kilometer beträgt.

Hier in Samut Songkhram befindet sich der legendäre Railway Market. Da der Markt sich auf dem Hauptgeleise der Zuglinie in Richtung Bangkok befindet müssen die Marktstände bei Einfahren des Zuges immer eingezogen werden. Viermal pro Tag findet dieses Ritual statt. Ein riesen Gaudi für alle die Touristen welche hier stehen und Fotos schiessen.

Dreieinhalb Tage verweilen wir in Khiri Khan. Langsam aber sicher haben wir genug von der schwülen Hitze und freuen uns regelrecht auf das kühle Wetter, welches wir wenn wir in der Schweiz zu Besuch sind, erfahren werden.

Von Kiri Khan nach Langkawi, Malaysia

Los gings heute um sechs Uhr fünfzehn. Kühle vierundzwanzig Grad begleiten uns. Gegen elf Uhr wird es saftig warm und feucht. Wir entdecken am Straßenrand ein kleines Schild welches wir als Wegweiser zu einem Resort zu identifizieren glauben. Direkt am Meer etwa 400 km südlich von Bangkok mieten wir ein kleines Bungalow. Jetzt gehe ich endlich einmal ins Meer zum schwimmen.

Wegen dem großen Sturm bei Ko Samui, werden wir aus unserem Hotel welches ein paar duzend Kilometer von Ko Samui auf dem Festland liegt evakuiert.Stundenlang werden am Fernseher Nachrichten gezeigt und über die Herausforderung der Situation an der Südostküste von Thailand debattiert.
In unserem Hotel erleben wir etwas Wind so fünfzig  Stundenkilometer und recht viel Regen. Also nichts besonderes. Wieder einmal frage ich mich warum aufgrund von etwas nicht dramatischem so eine riesen Geschichte aufgebaut wird.
Die Menschen haben Angst verkriechen sich in ihre Zimmer und warten ab. Auf Facebook und 20 Minuten werden so genannt dramatische Bilder von einem gewöhnlichen Sturm gezeigt. Die Menschen scheinen in einer Welt zu leben die völlig lebensbedrohlich ist. Langsam kann ich verstehen warum der einfache Ausflug in den Wald für viele Menschen das totale Abenteuer schlechthin ist. Diese Menschen haben ihren Bezug zur Natur und ihre ursprüngliche Natürlichkeit völlig verloren. Schlimm!

Rita meint: “ die letzten Tage welche wir unterwegs waren, waren langweilig!“ Ich bumme: ”Hmmmm…..!”.
Nach dem “Sturm” haben wir ein kleines Sightseeing zum Beach gemacht. Der zuvor noch saubere Strand wurde von menschlichem Müll zugemüllt. Gäste welche hierhin kommen sind nicht begeistert und reisen gleich wieder ab. Wir hingegen verbringen ein paar ruhige Tage in einem kleinen Guesthouse abseits vom Strand. Einmal mehr werden wir äußerst herzlich begrüßt und als Gäste willkommen geheißen.

Bis nach Malaysia sind noch einmal 350 km zu bewältigen. Die Fahrt führt durchs Hinterland recht guten Straßen. Der Sonnenaufgang ist tiefrot. Palmen, Gummibäume und viel Grün umrahmen die Szenerie. Immer wieder kurbeln wir durch kleine Dörfer wo die Menschen schon früh morgens um sechs Uhr dreissig Nudelsuppe anbieten oder einfach wichtige Arbeiten erledigen.

Nach zwei bis drei Stunden Fahrt gibt es die erste Pause. Wir setzen uns an den Straßenrand und schauen Menschen zu. Gemütlich fliesst das Leben in Thailand dahin. Jeder scheint einer Arbeit nachzugehen oder hat er etwas zu erledigen. Nirgends entdecken wir Hetze oder Eile.

Gegen zehn Uhr beginnt die Sonne zu brennen, der Schweiß läuft in Strömen und mein Körper beginnt sich zu überhitzen. So ist es unser Ziel gegen elf Uhr an unserem Zielort anzukommen. Meistens ist es ein vierundzwanzig Stunden Motel zu günstigem Preis.

Wir befinden uns kurz vor der malaysischen Grenze. Unsere Visa von Thailand läuft in zwei Tagen schon wieder aus. Viel zu schnell ist dieser Monat vergangen.

Malaysia I

Langkawi

Nach kurzweiligen 20 Minuten erreichen wir den Fährhafen von Langkawi. Ein Kaffee ein Gipfeli und kurze zwei Minuten an der Ticketkasse anstehen und schon haben wir unsere Fährtickets gekauft.
Die Fährfahrt führt uns durch eine traumhafte Insel Landschaft zum Inselhafen Kuah auf Lankawi, wo wir von Bord gehen.

Es ist bereits 10:30 Uhr und die Sonne beginnt ihre Wärme auszustrahlen, so das wäre auf unserem Fahrt zu unserem Guesthouse auf der anderen Insel Seite schon zünftig ins schwitzen kommen.
Nicht nur dass wir sind auch etwas mit der Kultur Malaysias überfordert. Die Insel ist eigentlich für Touristen vorbereitet präsentiert sich jedoch mehr oder weniger als fast menschenleere Landschaft. Nur die einheimischen fahren hin und her und geben dem ganzen etwas leben. Kuah fühlt sich energetisch leergesaugt an.
Viele Shops sind geschlossen daneben gelten eigentlich ein offener Laden. Alles scheint heruntergekommen oder zumindest nicht unterhalten.
Die Guesthouse sehen von außen vielleicht versifft aus, die Preise sind etwas höher als in Thailand, dafür bekommt man anstelle einer Klimaanlage einen brummenden Ventilator zur Verfügung gestellt. Der Schweiß läuft.

Langkawi verlassen wir auf der kürzest möglichen Fährstrecke nach Malaysia. Wie immer sind wir zu früh, dieses Mal eine ganze Stunde zu früh stehen wir am völlig leeren Fährhafen. Pünktlich öffnet der Schalter und schon bald erreichen wir mit dem sehr schnellen Fährboot das Festland von Malaysia.

Zügig rollen wir die paar hundert Kilometer nach Penang. Alles ist grün die Straße flach und in den Städten ruft der Muezzin. In Malaysia leben sehr viele Chinesen. Dies wird vor allem bei den Straßen Garküchen und Restaurants offensichtlich. Auch viele Gasthäuser werden von Chinesen geführt.
Interessant ist dabei zu beobachten wie die Zimmer Qualität und Preise sich gegenüber malaysisch geführten Hotels diametral verschiebt.

Jedenfalls erreichen wir Penang recht locker und sind recht überrascht über das Aussehen diese Stadt. viele Kolonialhäuser welche uns an den europäischen Baustil erineren, prägen das Stadtbild. Dies ist wohl der Hauptgrund, warum viele Touristen sich hier wohlfühlen. Tief verinnerlichte Emotionen gekoppelt an Konditionierungen zu bekannter Architektur weckt ein Gefühl des Wohlbefindens.

Indonesien

Ein paar turbulente Tage liegen hinter uns. Nachdem wir vorgestern zum internationalen Fährhafen gefahren sind mussten wir feststellen dass an diesem Ort keine Fähre nach Indonesien fährt.
Also leicht Soest reard sind wir wieder aufs Rad geklettert und weiter in Richtung Süden gefahren in Richtung Fährhafen Klang.
Zwischendrin schieben Rita und ich eine fundamentale Krise. Unser sprich vor allem meine Emotionen sind für Rita zurzeit nicht erträglich und schon garnicht lebensbejahend.
Irgendwie schaffen wir es am nächsten Tag die Kurve zu nehmen, unter reichen gegen Mittag Klang. wir holen wir uns gleich mal das Fährticket für die heutige Fahrt von Traun nach Tanjung Balai.
Die Fahrt zieht sich letzten Endes doch noch etwas, die Zollkontrolle jedoch ist schnell vorbei und wir sitzen umgehend vor einem ATM. T-Shirt verschluckt gleich mal meine Karte. Noch etwas hin und her und Unterstützung durch die Locals schaltet einer der Jungs mal das Gerät total aus und schon flutscht meine Karte aus dem Kartenschlitz hinaus.

weiter geht’s in die Stadt wo wir ein ziemlich heruntergekommenes Hotel finden. Der Moped Verkehr ist in eine neue Liga gestiegen. Wir erleben den ersten Moped Stau in der Stadt und wir sind mitten drin.

Es hat ein paar extra Tage gebraucht bis wir gestern Abend in Indonesien auf Sumatra angekommen sind. Die Zuverlässigkeit der Fährangaben und Auskünfte in Malaysia waren nicht brauchbar bezw. hatten nicht gestimmt. So sind wir 2 Tage weiter geradelt nach Klang. Von dort hat’s geklappt. Mit der Speedfähre über die Seestrasse von Malakka.

Tanjung Balai Hafenstadt, Indonesien. Wir ziehen uns hier in Tanjung Balai einen kleinen Kulturschock rein. Trotz der 80000 km auf Strassen der Welt und dem rund 80sten bereisten Land hat es mich wieder! Wieder eine andere Welt, eine andere Kultur, andere Sprache usw.
Am Zoll musste ich meine nakte Alufelge durch den Röntgenapparat schieben. Das Velo ging aussen rum. Gesetz ist Gesetz meinte der Beamte.

Wir waren zB auch an 6 Bankomaten bis wir Geld beziehen konnten. Überall kein Geld zur Verfügung, und an einem hat es mir die Visakarte eingezogen.
Zum Glück kam dann nach etwa 10 Minute ein cleverer junger Mann dazu unter den vielen lachenden Gaffner, hat kurz den ganzen Apparat vom Stromnetz ausgeschaltet und dabei hat es die Visakarte wieder ausgespuckt.

Das waren die ersten Eindrücke. Nach dem Ankommen in der chaotischen Stadt, etwas bummeln und dem Nachtessen in einem Strassenrestaurant gab’s dann in einem teuren Hotel in der Lobby für uns Internet.

Die Nacht in unserer Absteige haben wir überlebt. Jetzt wieder im teuren Hotel für Café und Internet. Wir müssen nochmals neu planen. Ja, so ist das Tourenrad- leben nie langweilig, oft sehr anmachend, aufregend und anstrengend, wir möchten es nicht missen.

Während der Dämmerung fahren wir los. Durch die Stadt und viele Kilometer lang werden wir von vielen Mopeds die wie ein Wespenschwarm um uns herum surren begleitet. Dazu gesellen sich recht viele Lastwagen und Autos.
Danach nimmt der Verkehr ab und auf der Straße wird es eher ruhig, dafür begleiten uns über rund 70 km Palmöl- und gelegentlich Gummibaumplantagen.
Zwischendurch schlängelt sich die Straße hinunter um einen Bach zu überqueren um dann wieder relativ steil auf die Ebene zu gelangen. Auf diesen Passagen begleitet uns naturbelassener Wald. In der Stadt finden wir ein preiswertes Hotel in einem neuen Angebotsstandard. Die Preise sind etwas höher als in Thailand dafür sind die Zimmer versifft.

Die grüne Hölle von Sumatra

„Mein hinterer Reifen ist wieder platt!“ höre ich Rita hinter mir keuchend rufen.
Verdammt, verdammt, verdammt! Das vierte Mal innerhalb von knapp zwei Tagen und wir stecken irgendwo mitten in der „GRÜNEN HÖLLE VON SUMATRA!“

Aber zuerst einmal alles von vorne:
Vor 2 Tagen befinden wir uns am Tobasee, den größten Kratersee der Erde. Von da aus planen wir gemeinsam unsere Weiterfahrt in Richtung Dumai, dem Fährhafen von Sumatra nach Malakka, Malaysia. Wir haben zwei Optionen entweder fahren wir über Hauptstraßen bis zum Sumatra Highway. Dies bedeutet ziemlich viel Verkehr sowie eine Fahrt von rund 520 km mit gut 3000 Höhenmetern bis nach Dumai.
Oder, wir nehmen die 420 km lange Abkürzung welche meine Komootapp anzeigt. Darin werden 37 Kilometer als Singletrail bezeichnet. Maps.me zeigt mir diese Straße als zweitklass Straße an, also theoretisch als gut fahrbar an. Da sind auch nur 2500 Höhenmeter zu bewältigen. Überhaupt, abgesehen von zwei Steigungen scheinen die 37 km recht gut fahrbar zu sein.
Nach etwas hin und her diskutieren entschließen wir uns die Abkürzung zu nehmen. Kurz vor der Abreise entdecken wir, dass Rita einen Plattfuss am Hinterrad hat. Mit etwas Suchen am Reifen und dem Entfernen eines Metallstückes glaube ich die Ursache das Blattfusses entfernt zu haben. Während dem Einbau bricht ein Reifenheber. Gut habe ich einen Reserve dabei!
Während der Abfahrt nach dem ersten Pässchen schaue ich nach hinten zu Rita und übersehe dabei, vorne auf der nassen Straße ein paar Schlaglöcher. Mein Vorderreifen bekommt einen Schlag und rutscht seitlich weg.

Meine Gedanken gehen rasend schnell: Schlagloch, scharfe Kante, nassser Boden, ich stürze, Hände nach vorne, abrollen über die Schulter, Kopf anziehen, wieder aufstehen, Körpercheck, verschrammtes Knie, kleine Wunde am kleinen Zeh, Sandale weggerissen. Das Velo sieht abgesehen von den wegen des Sturzes nach innen gedrehten Bremsgriffen gut aus.
Die Wunde wird ausgewaschen und mit Desinfizierungsmittel behandelt. Das rechte Handgelenk schmerzt etwas vom Aufschlag an der Steinkante. Der Bewegungscheck zeigt das voraussichtlich kein Knochenbruch vorliegt.
Weiter geht’s! Wozu hier auch einen Arzt suchen? Es gibt keinen.
Vor uns entfaltet sich eine wunderschöne Hochebene mit Reisplantagen, umrundet von hohen Bergen. Mehr oder weniger steil schlängelt sich die Asphaltstraße zum zweiten Pass. Unterwegs meldet Rita ein Schlingen an ihrem Hinterrad, der nächste Plattfuss. Okay, das Rad ausbauen, Flicken montieren, aufpumpen und weiter geht’s.
Die Temperaturen steigen und der Schweiß rinnt. Die Abfahrt auf der genial geteerten Straße genießen wir in vollen Zügen. Wir sind guter Dinge das Google Maps mit der Single Trail Strecke falsch liegt.
Unterdessen stellen sich uns trotz der Abfahrt immer wieder super steile Gegenanstiege in den Weg. Wir schieben und keuchen. Wieder meldet Rita einen Plattfuß. Verdammt ich kann diese Scheissmetallnadel nicht finden! Einen letzten Versuch noch! Nun bricht auch noch der zweite Reifenheber! Es ist zum verzweifeln! Scheisse! Scheisse Scheisse! Einen Reifenheber hab ich noch!

Irgendwann wird es absehbar, dass wir unser Tagesziel nicht mehr erreichen werden, und somit irgendwo im Regenwald kampieren müssen. Wir organisieren Wasser, in der Tasche liegen noch eine Büchse Thunfisch und zwei Päckchen Cräckers.

Wir fahren aus einer Kurve heraus und nun ist sie doch da, die Schotterpiste. Ein paar Kurven weiter stellt sich uns die steilste Steigung entgegen, welche wir seit Anbeginn unserer Radfahrten befahren dürfen.
Im Verhältnis dazu verkommt die Fahrt auf dem Pamirhighway zum „walk in the park“

Irgendwie schaffen wir es die circa hundert Höhenmeter zu bewältigen. Rita meint, dass wir jetzt einen Schlafplatz suchen sollen, sie sei fix und fertig. Wir queren noch einige kleine Dörfer. Die Kinder sind scheu und rennen kreischend davon, wenn wir kommen. Autos sind keine mehr unterwegs, nur noch ein paar Mofas kreuzen unseren Weg. Die Straße ist tatsächlich nur noch für vierrad getriebene Offroad Fahrzeuge befahrbar.

Hinter einer Kirche finden wir einen geeigneten Platz für unser Zelt. Todmüde und erschöpft legen wir uns hinein. Um uns herum Affengeschrei, Vogelgezwitscher und extrem lautes Insektengezirpe. Ich verfalle in eine traumlose Zwischenwelt aus Schlaf und Realität.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt auf jeden Fall!

Kurz vor 7 Uhr sitzen wir auf dem Velo und das Gerüttel geht weiter. Nein, im Vordergrund steht das Schieben auf einen Hügel und wiederum das Schieben vom Hügel hinunter in die nächste Kuhle. Dazwischen holpern wir auf kurzen fahrbaren Passagen und hoffen auf Besserung, bis sich nach wenigen Metern die nächste Wand vor uns auftürmt.

Ich keuche und schwitze, Alle 10 bis 15 Meter mache ich eine Pause um dann weiter zu schieben. Zwischen meinen Zehen quillt Schlamm hervor, mein Handgelenk schmerzt und mein lädiertes Knie blutet leicht vor sich hin. Rita ist hinter mir und scheint irgendwie fest zu stecken.
„Mein hinterer Reifen ist wieder platt!“
Verdammt, verdammt, verdammt! Das vierte Mal innerhalb von 2 Tagen und wir stecken irgendwo mitten in der grünen Hölle von Sumatra!

Die Nerven liegen blank, wir haben nicht nur knapp zu Essen dabei, die Strecke setzt uns zu und alles scheint irgendwie aussichtslos. Keine Mofas und kein Auto welche uns aus unserer emotionalen Misere retten könnten sind in Aussicht.

Aus den Tiefen meiner Packtaschen hole ich einen Ersatzreifen sowie einen Ersatzschlauch. Mit etwas Murksen schaffe ich es, trotz des schmerzenden Handgelenks und der damit verbundenen Schwäche, den Reifen von der Felge zu holen sowie den neuen Reifen aufzuziehen.
Noch sind weit über 20 km Piste zu befahren. Die Stunden ziehen daher, irgendwann akzeptieren wir die Situation.

Die Hoffnung ist gestorben!

An einem Häuschen frage ich nach heißem Wasser für unsere fertig Nudelsuppen. Wir bekommen unsere Trinkwasserflaschen aufgefüllt sowie einen großen Haufen Reis dazu. Wir lachen mit der Gastgeberin und erfreuen uns der Gastfreundschaft.

Auf einmal stellen wir fest dass die Straße etwas besser zu fahren ist und mehr Menschen entlang dieser Straße wohnen. Auch schmücken Satellitenantennen diese Häuser.
Unterdessen sind unsere durchgeschüttelten Körper dermaßen müde, dass wir unsere Velos jede Rampe hinauf schieben. Irgendwann ist sie da, die Asphaltstraße. Noch ist sie nicht beendet, die Anstrengung. Doch wir beide sind überglücklich diese Piste hinter uns zu lassen.

Rita entdeckt am Straßenrand ein Motel. Am zweiten Tag fahren wir knappe 60 km mit 750 Höhenmeter. Für die Fahrt auf der Piste von 30km und geschätzt 550 Höhenmeter benötigen wir sechs Stunden.


2 Comments

  • Ulrich Faust

    29. April 2019

    Ich finde es immer wieder sehr beeindruckend eure Erfahrungen hier nachlesen und ein Stück weit nachempfinden zu können. Danke für die Mühen des aufschreibens! Rita und Dir wünsche ich von Herzen alles Gute, ihr wisst wie ich es meine…..

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    • Guido

      29. April 2019

      Herzlichen Dank Ulrich. Wir freuen uns über deine Zeilen. Diese sind es welche uns darin bestärken und motivieren immer wieder zu schreiben, vor allem zu teilen. GLG Guido und Rita

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