#43 mit dem Fahrrad durch die Nullarbor Plains

Eine besondere Herausforderung

Je nachdem wie man es anschaut, sind es 1400km von Esperance aus, oder 1200 km von Norseman, beide Orte im Westen Australiens liegend,  welche durch die im Süden von Australien liegende Nullarbor Ebene mit Ceduna im Osten verbunden sind. 

In der Nullarbor Ebene findest du auch die längste geradeaus Strecke der Welt, sie beträgt knappe 150 km, ohne Kurve.

Wie auch immer, im Leben eines Fernradreisenden stellt die Nullarbor Ebene ein besonderes Highlight dar, in etwa gleichbedeutend wie das Durchfahren des Pamir Highway das Queren von Osttibet, das Befahren der Anden oder der Carretera Astral.

Hier findest du ein paar wertvolle Tipps und Anregungen für die Planung deiner Fahrt durch die Nullarbor. Diese Tipps sind geprägt von unseren eigenen Erfahrungen und unserer Art zu reisen.

Bei detaillierten Fragen sende uns doch eine E-Mail oder nimm per Facebook Messenger Kontakt auf.

Nullarbor bedeutet: keine Bäume. Und ja es gibt lange Streckenabschnitte wo kein Baum auszumachen ist. Gebüsch Grasbüschel und unendliche Weiten prägen dann das Landschaftsbild.

Während der Fahrt kommst du auch ein paar hundert Meter an die Küstenlinie Südaustraliens heran. Dort kannst du ein paar Mal abbiegen und die äusserst beeindruckenden Steilküsten besichtigen. Eventuell siehst du auch Walfische draußen durchs Meer gleiten.

Dennoch werden die Nullarbor Plains von Aufofahrern gemeinhin als sehr langweilig gleichförmig bezeichnet. Was wir gar nicht verstehen können. Motorbetriebene Fahrzeugfahrer erleben diese Strecke wohl ganz anderes als wir Radreisende.

Für Radfahrer sind in dieser Gegend die starken Winde, vor allem die Gegenwinde und die große Hitze gefürchtet, welche der Fahrt immer wieder eine zusätzliche Challenge geben, sowie manchmal auch zu einer totalen Herausforderungen werden können.

Dazu kommen Distanzen bis zu 200 km welche autark, ohne Wasserbezugsmöglichkeit durchfahren werden müssen. Natürlich kann man am Straßenrand stehend jederzeit einen der vielen Reisenden mit Wohnwagen anhalten um Wasser zu bekommen. Man ist also nie verloren.

Rund 10 Roadhouses bieten zwischen Norseman und Ceduna die Möglichkeit Wasser zu tanken, etwas in einem Restaurant zu essen, in einem Bett zu schlafen und gekühlte Getränke zu bekommen. Alles Wasser kann in den Toilettenräumen getrunken werden, auch wenn dies aus Sicherheitsgründen nicht so angeschrieben ist.

Seit bald 20 Jahren habe ich davon geträumt einmal in meinem Leben mit dem Fahrrad die Nullarbor Plains zu durchfahren. Nun war es endlich soweit.

Dadurch, dass die Strecke äußerst flach ist und nur am Anfang und gegen Ende ein paar Hügel aufweist fährt sie sich sehr rhythmisch und gleichförmig. Die Asphaltstraße ist recht gut gebaut. Es hat keine Schlaglöcher und auf einem Großteil der Strecke besteht ein genügend breiter Seitenstreifen um den Roadtrains auszuweichen.

Wer wegen der Winde nachts fahren will sollte sehr gut beleuchtet sein.  Denn die Roadtrains werden nicht stoppen, vor allem wenn zwei Roadtrains sich kreuzen wollen wird es lebensgefährlich.

Also Augen und Ohren auf! Einige Radreisende schwören auf Seitenspiegel. Wir nutzen keine Spiegel. Wir sind immer sehr konzentriert unterwegs die Ohren immer aktiv offen.

Wie beschrieben die Roadtrains bremsen nicht oder wenig und weichen nur aus, wenn kein Fahrzeug entgegenkommt.

Die Folgen dieser Denkart und Wertehaltung führt auch zur Schattenseite welche du bei der durchfahrt dieser faszinierenden Landschaft erleben wirst. Du wirst am frühen Morgen dutzende bis hunderte frisch überfahrene Kängurus und Wombats antreffen.

Wir schätzen das auf den gesamthaft 1200 km mindestens alle 50 m ein totes Känguru oder dessen Skelett auf jeder Straßemseite liegt.

Wir haben auch einen kaputten LKW angetroffen der ein paar Kilometer zuvor 4 Kamele auf einen Streich umgefahren hat. Die Kamelkörper waren zerrissen und bluteten auf der Straße aus. Selbst Kühe werden gnadenlos zur zu Tode gefahren. Dazu kommen hunderte bis tausende Echsen welche du während der Fahrt als plattgefahrener Strassenbelag ausmachen kannst.

Wenn du Gegenwind hast wirst du denn süß-säuerlichen Verwesungsgeruch den ganzen Tag in deiner Nase haben. Neben dir fahren die graue Nomaden mit ihren großen Wohnwagen vorbei. Dir ist bewusst, dass diese in ihren klimatisierten Fahrzeugen gefilterte Luft atmen und vom Horror der Tiere auf der Straße wenig mitbekommen. 

Du wirst auch viele lebende Kängurus antreffen und Kurzschwanz – Echsen, sowie hoffentlich auch lebende Wombats sehen und ein paar Dingos in der Steppe ausmachen können.

Nachts strahlt die Milchstraße und die Sterne glühen am Himmelszelt in einer unglaublichen Helligkeit welche wir noch nie so erlebt haben. Vogelgezwitscher begleitet dich durch den Tag und weckt dich am frühen Morgen aus dem tiefen Schlaf in deinem Zelt.

Jetzt sitzen wir in Ceduna und regenerieren uns von der neun tägigen Fahrt durch diese faszinierende Ebene. Wir sind begeistert bewegt und unsere Sicht auf die Welt hat sich einmal mehr verändert und tiefgreifende emotionale Spuren hinterlassen.

Welches sind die wichtigsten Dinge die du beim Planen einer Fahrt durch die Nullarbor Ebene beachten solltest:

Jahreszeit:

Generell ist es so dass bis Anfangs November der Wind mehrheitlich von West nach Ost bläst. Ab Mitte November dreht die Windrichtung und der Wind bläst von Ost nach West. Plane also weise in welcher Richtung du fahren willst oder in welcher Jahreszeit du in die entsprechende Richtung fährst. Wir sind Mitte Oktober von West nach Ost gefahren und erlebten zwei sehr intensive Gegenwindtage. Wir genossen auch zwei Tage mit sehr gutem Rückenwind und konnten so, quasi fliegend, große Etappen zurücklegen.

Wasser:

Wasser bekommt man in jedem Roadhoust auf den Toiletten. Das Wasser ist sauber und sehr gut trinkbar, auch wenn es so nicht angeschrieben steht. Obwohl es nicht überall gerne gesehen wird, dass man Wasser mitnimmt, ist es doch sehr einfach möglich Waser um zu tanken.

Wir transportierten jeweils je 10 Liter Wasser, was sehr gut ausreichte um die 200 km zurückzulegen und dabei jeweils eine Nacht im Busch zu verbringen. Am Ende waren immer noch rund 4 Liter übrig. Wäre der Gegenwind massiv und lang andauernd gewesen, hätten wir die vier Litern dringendst benötigt.

Verpflegung:

Für 2 Personen ca 600gr/Tag

Wir haben für zehn Tage Essen eingekauft. Dies waren rund 2300 Kilokalorien / Tag oder 500 – 600 gr/tg.

Am Ende hatten wir noch Nahrungsmittel übrig, welche wir anderen Radfahrern, welche in Gegenrichtung unterwegs waren geschenkt haben. Übrig hatten wir Nahrungsmittel deshalb, weil wir ein paar Mal in einem Roadhouse etwas gegessen haben und der Wind uns keinen grossen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Übernachten:

Wir haben gezeltet und zweimal in einem Motel übernachtet. So konnten wir unsere schmutzige Wäsche waschen und genossen auch die Momente welche wir in einem Bett liegen konnten.

Wir haben unsere Strecken jeweils so geplant, dass wir gegen Mittag, bevor die große Tageshitze entstand an einem Roadhose ankamen. Als erstes wurden die Wasserflaschen aufgefüllt und danach genossen wird ein kühles Getränk oder auch einen ferttigen Burger. Je nach Streckenplan verließen wir drei bis vier Stunden vor Sonnenuntergang das Roadhouse und fuhren noch ein paar Dutzend Kilometer bis wir im Busch oder auf einem der vielen recht schönen Rastplätzen mit schattenspendenden Bäumen unseren Übernachtungsplatz erreichten.

Apps für die Nullarbor:

Meteoblue, Wetterapp :

Auf Meteoblue bekommst du stündlich für einen Ort die genauen Windstärken sowie Temperaturangaben, so dass du den ganzen Tag sehr gut planen kannst.

Windyapp:

Windyapp bietet dir einen sehr guten Überblick auf die Windrichtungen zu jeder Tageszeit sowie die zu erwarteten Temperaturen.

Maps.me App:

Maps.me bietet kostenlos sehr gute offline Karten wo du auch sehr viele Campingplätze oder Schlafmöglichkeiten finden kannst.

SIM- Karte:

Wir haben uns für zwei australische Dollar eine boost SIM-Karte gekauft. Fünf GB Daten sowie kostenloses Telefonieren in Australien kostet 20 australische Dollar für einen Monat.

Von Europa / Amerika aus anreisen?

Natürlich macht es in meinen Augen ökologisch und in Sachen Nachhaltigkeit wenig Sinn mal schnell für 3-4 Wochen aus Europa oder einem anderen Kontinent nach Australien zu fliegen, um die Nullarbor Plains zu durchqueren.

Plane idealerweise mindestens ein halbes Jahr ein um dieses faszinierende riesige Land etwas zu befahren, vor allem aber es zu er-fahren.


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