#34 Wie weiter mit Ausgebuext, Kambodscha und wieder mit Rita vereint

Auf nach Kambodscha

Lang zieht sich die Fahrt von der Grenze bis nach Stung Treng. Ich habe völlig vergessen dass dieser Streckenabschnitt viel Schotterpiste beinhaltet. Der vom vielen Regen feuchte Sand und Kies lassen meine eher schmalen Reifen leicht einsinken, Die Kurbelei wird zu einem Kraftakt.

Rita fehlt mir, so will ich innerhalb von fünf Tagen nach Siem Reap gelangen. Unsere wieder Vereinigung wartet.

In einem preiswerten Guesthouse bekomme ich ein Zimmer mit Bett und Ventilator. Hier esse ich gierig zwei Hamburger. Danach muss ich noch Geld organisieren und besichtige noch etwas die Stadt.

Mekongriver Sunrise

 

City

 

Markt

Kurz nach 5 Uhr sitze ich im Sattel und relativ rund kurble ich bis zirka elf Uhr dreissig, wo ich meine einhundert Kilometer bereits im Sack habe. Unterwegs habe ich eine Nudelsuppe gegessen und zwei Liter Süssgetränke getrunken.
Die Strecke zeigt sich leicht coupiert. Am Straßenrand befinden sich viele Bauernhäuser, grünes Land, in der Ferne erheben sich wiederum einige Kalksteinberge aus der nassen und feuchten Ebene. Zwei bis drei Lastwagen pro Stunde und etwas mehr Autos überholen mich. Ich genieße das sanfte Auf und AB, das Grün der Natur, die riesigen Wasserflächen um mich herum, ich freue mich auch darauf bald in Siem Reap zu sein.

Als ich um elf Uhr wieder losfahre, entwickeln die sehr hohe Luftfeuchtigkeit und die zunehmende Temperatur über 28 Grad ihre maximale Wirkung. 40 Kilometer muss ich noch fahren. Bereits nach zehn Kilometern muss ich mich hinlegen, da der Körper nicht mehr runtergekühlt. Von da an gibt es nur noch Etappen um die sieben Kilometer bis ich endlich das Tagesziel erreiche.

Nach dem Einchecken im Guesthouse wird es Zeit meine Kohlenhydratspeicher und vor allem mein Wasserspeicher aufzufüllen.
Jetzt ist Gewitter angesagt. Donnergrollen erfüllt die Luft. Der Himmel öffnet seine schleusen.

Ich bin müde und fühle mich ziemlich ausgelaugt. Nachts schlaf jetzt schlecht, wälze mich im Bett hin und her. der Ventilator versucht die feuchte und warme Luft im Raum zu verteilen.

Kurz vor Sonnenaufgang sitze ich im Sattel. Es ist bewölkt, was mir sehr gefällt! Somit ist es auch nicht so warm wie bei blauem Himmel oder sogar Sonnenschein.
Ein paar Tropfen fallen vom Himmel, plötzlich öffnen sich die Schleusen wieder und es regnet wie wild. Ich halte irgendwo und lege mich etwas hin, trinke eine kalte Cola bis der Regen nachlässt und ich mich wieder aufs Rad schwinge. Kurz vor Mittag ist Schluss. Dich Feuchtigkeit setzt mir ein weiteres mal zu. Die restlichen 65 km fahre ich Morgen.

Rita ist gut in Bangkok angekommen! Ich freue mich sehr, dass sie wieder mit mir zusammen unterwegs sein können, und vor allem dass wir uns beide Wiedersehen! Das Wichtigste ist, dass sie schmerzfrei ist und ihr dreifacher Beckenbruch wieder sauber zusammengewachsen ist. Noch zwei Tage und wie wir sind wieder zusammen!

Kurz vor 5 Uhr wache ich auf, packe meine Sachen und bei dunklem Dämmerlicht fahre ich los. Es ist trocken. Ich freue mich, dass ich voraussichtlich trocken in Siem Reap ankomme.
Denkste! Nach rund zehn Minuten geht’s mit Gewitterregen wieder los. Während zwanzig Minuten schüttet es vom Himmel, dann ist der Spaß vorbei und ich bin wieder klatschnass. Tief hängen die Wolken am Himmel. Nebelschwaden wabern über die Ebene und klammern sich an den fernen Berghängen.

Siem Reap
14.09.18

Der Tag des Wiedersehens ist gekommen. Leicht nervös und mit Sehnsucht kann ich es kaum erwarten, dass es Nachmittag wird.

Mit dem Velo fahre ich zum Flughafen, wo ich Rita abhole. 128 Tage waren wir nicht zusammen, freuen uns total und haben je Erwartungen wie ein Wiedersehen ablaufen soll! Wie es so ist, wenn man große Erwartungen an sich selber hat, geht alles schief. Als ich vor der Ankunftshalle ankomme, steht Rita schon draussen und erwartet mich. Der Velokarton steht neben ihr.

Eine Umarmung und ein inniger Kuss. Irgendwie fühle ich mich kalt.

Velomontage in Siem Reap

Jedenfalls stehen wir umgehend bereit das Velo zusammenzubauen und danach gemeinsam nach Siem Reap zu fahren. Während dem Aufbau sehe ich am Ritters Velo das jemand die Kette und das Ritzel ersetzt hat. Umgehend werde ich nervös und spreche Rita ziemlich missmutig darauf an. Kurz gesagt die ganze Sache eskaliert und wieder einmal werde ich ziemlich laut.
Rita will umgehend einen Rückflug buchen, sie hat meine Emotionen satt, bezeichnet mich einen Choleriker. So haben wir während unserer Begrüssungspartiy eine super Stimmung. Keiner würde es glauben.

Irgendwie schaffen wir es die Kurve zu nehmen und sind nach einer guten Stunde dann zusammen unterwegs in Richtung Stadtzentrum.

Wie sehr ich mich darüber ärgere solche Emotionen nicht gewinnbringend nutzen zu können lässt sich kaum beschreiben. Es ist einfach nur frustrierend. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es besser wäre wenn ich alleine irgendwo leben würde.

Es ist so,  dass ich auf unsere Velos eine Art Anspruchshaltung habe. Kein Fremder darf ohne meine Erlaubnis diese anfassen, und schon gar nicht derjenige Mechaniker, welcher unsere Velos zusammengebaut hat und damit verantwortlich ist für einen Teil der Schwierigkeiten ist, welche wir seit dem Kauf mit einigen Anbauteilen haben. Da ich die Velos unterhalte und repariere will ich keine mir nicht sympatische Menschen an meinen Velos schrauben sehen.

Nach einigen Stunden legt sich unsere Wut und wir finden wieder einen Weg gemeinsam zu reden und uns auszurichten.

Abends kochen wir ein Fondue welches Rita für mich mitgenommen hat. Ich verschlinge gleich mal das Doppelpaket welches gemäß Angabe für acht Personen ausreichend sollte. Seit mehreren Monaten schon sehne ich mich gelegentlich nach Schweizer Menüs. Manchmal fehlt mir der Geruch der Geschmack und die Konsistenz unsere gewohnten Nahrung.

Regen auf dem Markt
Insights

 

Zusammen ein Fondue!

 

So beginnt also unsere gemeinsame dritte große Tour.

Nun sind wir, Rita und ich also nach 129 Tagen wieder vereint, hier in Kambodscha. Rita ist am Tag nach meiner Ankunft in Siem Reap angkommen. Siem Reap hat uns letztes Jahr sehr gefallen, wir blieben entgegen unserm Plan, während drei Wochen hier hängen.
So haben wir beschlossen unsere gemeinsame Reise von hier aus fortzusetzen, zuerst aber ein paar Wochen in Cambodia zu entspannen.

Die Zeit alleine unterwegs war für mich fantastisch! Alle Fragen und Probleme musst du selbst für dich beantworten und lösen. Hilfe holen kannst du im Außen, die Konsequenzen tragen musst du jeweils selber. Es ist niemand da, welcher dich zum Lachen bringt oder dich tröstet oder sich mit dir freut wenn du eine wunderschöne Landschaft vor Augen hast hast.
Nachts bist du mit dir alleine mit deinen Ängsten und Fragen. Schläfst manchmal ruhelos ein anderes Mal tief schlafend in irgendeinem Ort oder in deinem Zelt.
Alleine unterwegs sein liebe ich deshalb. ich habe die Freiheit zu tun was immer ich will und kann dahin gehen wohin ich will. Ich fühle mich äußerst selten einsam. Ich fühle mich meistens wohl und gut ohne Weggefährten.

Hier findest du eine Fotozusammenfassung:

Nun sind wir also wie du zusammen und teilen unsere gemeinsamen Freuden und Herausforderungen im Reisealltag wieder. Es nicht so, dass sich der Reise Alltag stark vom „normalen“ Alltag unterscheiden würde. Der wesentlichste Unterschied ist wohl dass wir quasi 24 Stunden Zeit zusammen verbringen, und aufgrund der regelmäßigen Ortswechsel sehr intensiv leben und unsere Bedürfnisse auf minimale Fragen reduzieren. Diese sind vor allem:
Wo werde ich heute Abend schlafen? Hier unsere Statistik.
Womit verpflege ich mich heute?
Wie halte ich mich warm oder kühl?
Was sind die nächsten Schritte wie Visa oder Grenzübertritte welche zu organisieren sind?
Zusätzlich kommt der Unterhalt der Ausrüstung und des Fahrrades. Hier findest du eine Liste mit allen Reparaturen und Unterhaltsarbeiten.
Basics also.

Die Reduktion des Lebens auf das Wesentliche lässt dich alles viel intensiver und direkter Erleben. dein Geist wird weniger beansprucht für banale Dinge welche keinen wirklichen Wert besitzen oder dir nicht wirklich dienlich sind für das Leben welches du führst. Jegliche Entscheide welche du fällst werden dich umgehend mit einer Antwort darauf fühlen lassen ob dieser Entscheid für dich und deine Leben förderlich oder weniger förderliche ist.

Was nun?

Sobald du lange unterwegs bist entstehen aufgrund neuer politischen Konstellationen immer wieder neue Möglichkeiten deine Reise fortzuführen. Einerseits musst du flexibel bleiben und gleichzeitig entschieden handeln um die anstehenden Schritte einzuleiten.
Sei dies, wie letztes Jahr als uns der Zutritt in die chinesische Botschaft (Astana, Kasachstan) aufgrund meines Bartes verweigert wurde, und wir statt nach China zu fahren kurzfristig entschieden mit dem Flugzeug nach Südostasien zu fliegen um dort knappe vier Monate zu reisen.
Oder, als Rita während unserem Aufenthalt in der Schweiz bei einer Sturz mit dem Rennrad einen dreifachen Beckenbruch erlitten hat und sich damit unsere Reisepläne für den Sommer 2018 innerhalb einer Sekunde ins Nichts aufgelöst haben.

Seit zweieinhalb Jahren sind wir bereits unterwegs und haben dabei knappe 40’000 Kilometer zurück gelegt. Gemäß unseren Kilometerzahlen sollten wir zur Zeit in Amerika Kilometer abspulen. Hinter uns sollte die Querung Australiens liegen und die Süd- und Nordinsel Neuseelands sollten wir auch befahren haben. So zumindest machen es viele von uns getroffenen Radreisenden uns vor.

Noch immer befahren wir Südostasien und Asien und haben unserer Herzen in diesen faszinierenden Länder mit ihren vielfältigen Kulturen und äusserst herzlichen Menschen verloren. Wir hängen hier fest! Asien ist einfach gigantisch. Da genügt das einfach durchqueren dieser Länder definitiv nicht.

Was also sollen wir tun?

Sollen wir auf kürzestem Weg in Richtung Süden fahren um den nächsten Kontinent zu bereisen?
Sollen wir gleich rüber fliegen nach Amerika?
Sollen wir einfach die Nase in den Wind stecken und planlos dort hinfahren wohin der Wind uns weht?

Rita und ich lieben beide Bergstraßen, Pässe und große Querungen. Besonderes angetan haben uns bis jetzt die großen europäischen Pässe, die georgischen und armenischen Passfahrten, der Pamirhighway, sowie die Fahrt durch Osttibet.

Als ich im Jahre zweitausenunddrei mit dem Velo in Richtung Indien losfuhr, war es mein Ziel Peking zu erreichen. Dabei hatte ich den Plan, in Indien nach Ladakh zu reisen und auch den Karakorum Highway zu befahren. Der Karakorum Highway verbindet Pakistan mit China. Damals bin ich aufgrund falsch verstandener Liebe und Coabhängigkeit in einer Beziehung von Indien wieder in die Schweiz gereist.

Hmmmm……..
Was nun? Sollen wir unseren Träumen folgen oder einfach die Erde direktmöglichst umrunden?

Eigentlich haben wir eine Openend Reise. Das einzige was uns gegenwärtig bremsen könnte wäre ein Unfall oder der eigene Todesfall.

Neue Pläne:

Vor wenigen Wochen habe ich gelesen dass Myanmar und Indien im August 2018 zwei Grenzübergänge für den Verkehr geöffnet haben.
Nun ist also die südliche Seidenstraße von Europa nach Singapur wieder offen, und eröffnet uns somit eine weitere Möglichkeit in Eurasien zu reisen. Wie geil ist das denn? Innerhalb von Sekunden kreieren unsere Gedankengänge neue Routen neue Fahrten vor allem neue Möglichkeiten und Abenteuer.

Google Maps wird zu Rate gezogen, Strecken werden geplant , berechnet und auf ihre jahreszeitliche Befahrbarkeit überprüft. Pläne werden verworfen, neu geplant und noch einmal überprüft.

Aus Ideen und während Gedankengängen entsteht langsam ein Gefühl für das was möglich wäre und für das was uns am meisten bereichern könnte. Sollten wir uns auf diese Idee einlassen werden wir wiederum zu 100% gefordert sein, sowohl in körperlichen wie auch in psychischer, mentaler und spiritueller Hinsicht.

Hier ist er also unser neuster Plan. Die geplante Strecke 2018 – März 19 siehst du hier auf der Karte.

Wir planen nun also die nächsten Monate in Richtung Kathmandu und später nach Neu-Delhi zu fahren. Beim Gedanken daran hüpfen unsere Herzen hoch und runter die Spannung in uns wächst beim Gedanken daran Myanmar zu durchreisen und spätere auch Indien zu besuchen.

Wir werden uns also mindestens zwei weitere Jahre, noch in Asien aufhalten. Zu sehr ist uns dieser Kontinent mit seinen Landschaften, den faszinierenden Menschen ans Herz gewachsen.

Rita hat schon in jungen Jahren Nepal besucht und das Annapurnamassiv wandernd umrundet. Ich selber kenne Nepal nur vom Hörensagen und freue mich sehr darauf mit Rita die Straßen dieses Landes zu erkunden.

Zuerst aber gilt es gemeinsam wieder unseren Rhythmus zu finden. Dies werden wir im Land des Lächelns in Thailand sehr gut erreichen können.


4 Comments

  • Santiago

    27. September 2018

    Schöner Bericht. Freue mich echt mal Euch persönlich kennen zu lernen.

    Liebe Grüsse

    Santiago aka Ridefast

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    • Guido

      28. September 2018

      Danke Santiago. Wir sind ab März kurz in der CH. Wäre cool wenns klappen würde. LG Guido

      Reply
  • Dagmar

    21. September 2018

    Ich wünsche euch eine stressfreie weiterreise und hoffe auf weitere tolle Berichte 🚲🚲

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    • Guido

      22. September 2018

      Hallo Dagmar. Herzlichen Dank für deine Zeilen. Wir freuen uns wenn dir die Blogbeiträge zu sagen. 💓🤘 GLG Guido und Rita

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