#27 China, Osttibet, Radreise bis 4630 MüM

26. Juni 2018 Dienstag 09:50

Hongya, Meishan, Sichuan, China | 23°C

Gestern, nach 60 km bei schwülsehrwarmem Wetter war ich völlig ausgelaugt. Es war feucht, mir lief der Schweiß aus den Poren wie aus einem Wasserhahn. Kaum stand ich herum bildete sich eine Lache um meine Füsse. Trinken, etwas Salz, kaltes trinken, nichts schien auf Dauer zu wirken. Mehrere Male legte ich mich hin. Nach 20 Minuten hatte ich mich soweit erholt,dass ich weitere 10km fahren könnte.

Irgenwann war ich so fertig, dass ich rumfragte für ein Hotel. Glück ist immer nah! 2,5 km entfert recht idyllisch an einem Stausee gelegenen finde ich eines! 💪💪🤘🤘

Ein Dörfchen, ein paar Shops und herzliche Menachen, lassen mich meine Erschöpfung fast vergessen. Selbst nach dem Duschen schwitze ich während über einer Stunde weiter.

Seesicht

Es regnet Bindfäden und zwar viele! Kurzerhand beschliesse ich einen weiteren Tag in diesem Dörfchen zu verbringen. Etwas lesen, im Städtchen rum schlendern und philosophieren sind angesagt.

 

28. Juni 2018 Donnerstag 14:44

Bifeng Valley | 31°C

Bifang Vally bei der Pandabase
Noch rund 50 Kilometer und 940 Höhenmeter erreiche ich Befeng Xi. hier gibt es eine Panda Station wo Pandas gezüchtet um dann wieder in die Natur ausgesetzt zu werden.

Panda
Extrem tiefenentspannt

Wie schon im Tal unten wo ich in einem kleinen Hotel zwei Tage verbrauchte regnete es heute ziemlich stark. Ich genoss die Fahrt durch Reisfelder und Teeplantagen. Das satte Grün in allen unterschiedlichen Tönen glänzt in der Natur und ist Balsam für den Geist.

Es ist gerade kühl genug, so dass ich mich richtig wohl fühle, beim kurbeln.

Später besuche ich die Panda Bär Base. Die Tiere sind wirklich toll ich und lustig, völlig tiefenentspannt liegen sie da und genießen ihre Mahlzeit.

30. Juni 2018 Samstag 16:46

Tianquan, Ya’an, Sichuan, China | 24°C

CHINA, AUF NACH TIBET, OSTTIBET

Nach langem inerlichem Zögern (Die rund 50’000 zu fahrenden Höhenmetern während der nächsten 2000 Kilometer jagen mir einen riesen Respekt ein) und langem hin und her, mache ich nicht endlich auf den Weg in die Berge in Richtung Shangri-La.

Als ich Bifeng Xi verlasse, ist es sehr feucht, es regnet jedoch (noch) nicht.
Tief hängen die Wolken und der Nebel in den Bergen. 90 % der Gegend ist mit Wald bedeckt.
Nebelschwaden und Wolkenfetzen ziehen durch die Gegend. Es ist feucht und es ist nass und ich bin mitten drin.

Bald beginnt die lange Steigung mit kurzen Gegenanstiegen.

In zwei bis drei Tagen werde ich einen Pass mit 4200müM befahren. Um mich akklimatisieren zu können, lasse ich mir etwas mehr Zeit als üblich.

Unterwegs treffe ich auf viele Wanderer welche nach Lhasa unterwegs sind. 2500km….. Und es sind auch viele Fahrrad Radreisende unterwegs.

Nach gut 100 Kilometer frage ich am Straßenrand ob ich übernachten kann. Zufällig handelt es sich um ein kleines Gästehaus wo ich ein kleines Zimmer bekomme.

Als ich das Zimmer sehe in seiner schlichten Einfachheit fühle ich nicht zurück versetzt ins Jahr 1989 als ich das erste Mal nach Südostasien gereist bin.

1. Juli 2018 Sonntag 18:23

Kangding, Garzê, Sichuan, China | 12°C

UNTERWEGS NACH OSTTIBET
Diese Fahrt heute war massiv schwieriger als ich es mir vorgestellt hatte.

Morgen lege ich einen Ruhetag ein. Es dient auch der Akklimatisierung. Nach den heutigen 104km und 3400 Höhenmetern bin ich doch etwas angezählt. Gestern warens auch 104km 1500hm…..

Dazu kam der Auto- und Lastwagenverkehr. So etwas habe ich bis heute noch nie erlebt. Eigentlich fling am Morgen alles ziemlich locker noch an, gegen Mittag als ich zum letzten Aufstieg über 26 Kilometer und 1100 Höhenmeter einbog, ging es richtig los.

Lastwagenkolonne, Militärlastwagen, Autos, ein riesen Verkehr im Aufstieg und im Abstieg,. teilweise entsteht Stau weil Lastwagen stehen bleiben oder einfach zu viel Verkehr besteht. die Abgase sind zum Teil schier unerträglich, dazu kommen die super Rauten schiffshörner der Lastwagen und Busse welche natürlich immer wieder und mehrmals hintereinander unbedingt und zwingend eingesetzt werden müssen. 💪💪😵😵

So habe ich mir die Fahrt über die Pässe nach Osttibet nicht vorgestellt. Anyway auch das gehört dazu.

Am Straßenrand die Radnomaden und die Pilgernomaden, unterwegs nach Lhasa.

Ein junger Mann schenkt mir ein Schlauchhalstuch und ein paar Velohandschuhe. Seit ich in China bin, ist eines meiner Halstücher und heute ist ein Handschuh sowie die Wasserflasche verschwunden 🤔🤔😵😵.

4. Juli 2018 Mittwoch 13:48

China, Sichuan Sheng, Ganzi Zangzuzizhizhou, Kangding Shi, 318 Guo Dao, 2914号公里处 | 19°C

Ich schalte einen Ruh- und Regenerationstag ein und besuche auf einem neue gelegenen Hügel die Gedenkstätte.
Beim Abstieg werde ich vom Mönch zum Mittagessen eingeladen. Reis mit Gemüse und Fisch sowie Bratkartoffeln mit Zwiebeln werden aufgetischt.

5. Juli 2018 Donnerstag 10:37

Yajiang, Garzê, Sichuan, China | 21°C

Osttibet.1600 Km 2 go 2 Lhasa für die Pilger

Pilger auf 2000km
Pilger

Alle 10 Schritte wirft sich dieser Mann zu Boden, richtet sich wieder auf, 10 Schritte und er wirft sich zu Boden, richtet sich wieder auf…. 2000km weit.

Ein Lächeln zieht sich über mein Gesicht wenn ich daran denke wie stolz ich manchmal über meine Leistungen bin 😂😂😂💪💪🤘🤘

Im Westen krönen wir uns zu Helden, wenn wir einen Marathon laufen, 100 Meilen laufen oder sogar 430 Kilometer durch den harten Winter Englands rennen. 😂😂😂

Wir holen uns T-Shirts und Medaillen sind super stolz auf unsere Leistung 😜😜😂😂🤘🤘

Dies immer mit der Sicherheit im Rücken dass wir genügend Geld haben oder auch Checkpoints oder was immer uns Sicherheit gibt.

Nimm dir doch 2 Minuten Zeit, um zu fühlen was dies für dich bedeuten könnte. Teilen deiner Reflexionen ist herzlich erwünscht. ❤️❤️

Weitere geht es dann ins Tal hinunter und gleich wieder den nächsten 4200m zupass in Angriff zu nehmen. Die Sonne wird wieder warm und ich finde ein kleines Hotel nach rund 14 km Aufstieg.

6. Juli 2018 Freitag 16:39

Yajiang, Garzê, Sichuan, China

Heute ging es früh los. 18 Kilometer und 800 Höhenmeter in Anstieg waren bis zum ersten Pass zu bewältigen. Die zwei Tage welche ich mir zur Akklimatisation gegönnt habe zeigten Wirkung. Ich kurbelte die ganze Strecke bis auf den Pass hoch. Zuletzt folgte noch ein unbeleuchteter 2, 5 Kilometer langer Tunnel.

Der größte Spaß heute waren alle anderen Radpilgerer nach Lhasa. Mindestens 50 wollte mit mir ein Selfie machen. Wäre lachen viel und hatten unheimlich Spaß dabei.

Passstrasse
Fernsicht auf 4300MüM

Auch sprach mich eine kleinwüchsige Frau, sie wolle mit mir ein Foto machen. Als ich mich neben sie Stelle mache ich mich klein. Entschieden dreht sich zu mir und gib mir zu verstehen das ich aufrecht stehen soll! Mir wird bewusst das du meine Handlung ich diese Frau klein gemacht habe.
jedenfalls lacht sie und ist happy.

Selfie mit Familie

Die Strecke führte über eine Art Panoramastraße, immer wieder geht es abwärts, um danach wieder mit eiin paar hundert Höhenmeter bis über die 4400 Meter hinauf zu führen.

Natürlich bin ich noch nicht ganz fit aber ich schaffe es alle ihr Pässe hoch zu kurbeln. Nach gut 80 km finde ich in einem kleinen Dorf ein Zimmer in einem traditionellen tibetischen Haus.

7. Juli 2018 Samstag 13:39

Ha Ge Jie, Litang Xian, Ganzi Zangzuzizhizhou, Sichuan Sheng, China, 627550 | 14°C

Heute fahre ich nur zwei Stunden und 430 Höhenmeter bis nach Litang.

Einfahrt Litang

Nach dem langen Tag gestern und den vielen Höhenmetern war ich mit den Nachmittag zu müde um bis hierher zu fahren. Nach den vielen Höhenmetern der vorderen Tage ging es gestern entlang Einrad Höhenstraße immer wieder mal 400 Meter hinauf und 400 Mädchen hinunter. Die Straße schlängelte sich entlang der hügeligen Berge in Richtung Westen.
Morgen werde ich gegen Süden in Richtung Shangri-La abbiegen.

8. Juli 2018 Sonntag 20:32

217 Sheng Dao, Daocheng Xian, Ganzi Zangzuzizhizhou, Sichuan Sheng, China | 13°C

Morgens um 6 Uhr stehe ich auf, um an einer Bestattung teilzunehmen. Dabei geht es darum, dass die jeweiligen Toten ihren Körper der Erde und den Tieren zur Verfügung stellen. Die Körper werden klein zerhackt und für das Ritual vorbereitet. Dann werden sie den bereits wartenden Vögeln zum fressen überreicht.

Es findet kein Ritual statt, so dass ich bereits um 7: 30 auf meinem Sattel saß und in Richtung Süden los fahre..

Mein Kurbellager knackt. Ich halte an und entferne das linke Lager, reinige dieses und setzte alles wieder zusammen. Es knackt weiterhin, irgendwie blöd. Ich bin froh liegt ein Ersatzkurbellager sowie das notwendige Werkzeug in meinen Taschen.

In einem kleinen Restaurant esse ich Nudelsuppe und bekomme so die notwendigen Kalorien für den Tag.

Ein kleiner Pass, liebliche Täler mit quirligen Bächlein, alles in sattem grün und die Hänge mit vielen Tannen bewachsen begleiten mich abwärts.

Vor dem nächsten Aufstieg halte ich für ein Foto an. Irgend etwas pfeift zart in meinem Ohr. Ist das entweichende Luft aus einem Reifen? Als ich aufsitzen will schaukelt mein Hinterrad extrem und tatsächlich, der Reifen ist platt!

Kurbellager und Rohloff wollen nicht
12km 4360MüM
Kein Hotel in Sicht

Also noch einmal alles demontieren, den Schlauch flicken und alles wieder zusammen bauen.

Nun geht ein langer, 25km Aufstieg richtig los. Haarnadeln und lange gerade Talauffahrten durch wunderschöne Hochebenen ziehen sich bergauf, um sich dann wieder in vielen langgezogenen Haarnadelkurven zu verlieren.

Die Steigungen sind moderat, nicht einmal steil. Die Luft wird ab 4200 MüM definitiv dünn 😜😜😜 so dass ich immer öfter absteige und mein Velo bergan schiebe. Nach vier Stunden erreiche ich endlich die Passhöhe auf 4610 m über Meer. Es ist bereits 15h30.

Meine App zeigt in sechs Kilometer Distanz ein kleines billiges Hotel an. Schwupps bin ich dort, doch leider ist kein Hotel da. 😱😂😂

In nicht allzu große Distanz beginnt es zu donnern. Die nachmittäglichen Gewitter kündigen sich an. 😬😬

Also gut, neue Planung ist angesagt die App zeigt weitere 270 Höhenmeter welche zu bewältigen sind und 50 km Strecke bis zur nächsten Unterkunft an.
„Scheisse, das wir hefig!“ Ich bin schon ziemlich angezählt. Ein halbes Snickers wandert in meinen Bauch.

Leichter Regen fällt es wird kalt. Damit meine wasserdichten Schuhe innen nicht auch nass werden ziehe ich die Sandalen an. Mit der Regenjacke bin ich oben gut vor den Regenschauern geschützt. Nass werden nur meine Oberschenkel und die Beine.

Die zwölf Kilometer bis zum höchsten Punkt ziehen sich lange dahin. trotz des Regens und der tief hängenden Wolken ist die Landschaft atemberaubend. Ein Meer aus Steinen und Bergseen sowie lichtem grün breitet sich links und rechts von mir aus. Am Horizont bilden die Berge bis über 5000 m die Kulisse und die Grenze zum Himmel.

Danach geht es in leichter Abfahrt und zuletzt auch in starkem Regen bis zur ganz kleinen Ortschaft wo ich eine Unterkunft bekomme.

Bevor ich mein Zimmer beziehen kann muss natürlich noch mein Pass kopiert werden. Dazu fahren wir ein paar hundert Meter weit zu jemanden, welcher einen Drucker und Kopiergeräte besitzt.

Ich habe kalte Füße und kalte Hände und bin gelinde gesagt nicht wirklich gut gelaunt. Eigentlich will ich endlich eine warme Dusche, warme Kleidung anziehen und essen!

Langsam bin ich auch hungrig! Zum z‘ Morge hatte ich 4 kleine Bananen gegessen dann benannte Nudelsuppe und später beim Aufstieg auf den Pass noch ein Snickers in mich rein geschoben. Dazu trinke ich ca. ein Liter Wasser sowie ein Liter Süssgetränk.

In einem kleinen Restaurant gibt es eine große Nudelsuppe. Jede Nudelsuppe ist anderes. Immer wieder genieße ich die unterschiedlichen Geschmacksnuancen.

Ich checke die Wetter-App und stelle fest, dass es morgen stark regnen soll. Der nächste Pass führt auf 4720 m oder so.

Ich verlängere meinen Aufenthalt im Dorf um eine weitere Nacht.

10. Juli 2018 Dienstag 18:10

Qagchêng, Garzê, Sichuan, China | 15°C

Um 6 Uhr weckt mich der Wecker. Ich bereite Kaffee und Nudelsuppe. Draußen fallen die letzten Regentropfen.

Gegen 7 Uhr setzte ich auf dem Velo und kurble los in Richtung Pass. Es ist kühl und die Straße trocknet langsam. Bald erreiche ich die ersten Haarnadelkurven und schlängle mich in Richtung Passhöhe.
2 oder 3 Kilometer vor der Passhöhe wechselt der Straßenbelag von Asphalt zu Schotterstraße.

Die Straße lässt sich recht gut befahren, selbst die Abfahrt geht recht flüssig. Alles in allem sind vielleicht 40% der Strecke eine Schotterpiste.

Um 14 Uhr erreiche ich mein erstes Hauptziel. Und beschließe dann weitere 21 km zu fahren wo ich in einem Hotel unterkomme. es handelt sich um ein typisches tibetisches Gebäude innen wunderschön in Holz ausgebaut mit riesigen hohen Räumen und großen Holzpfeilern.

ein wunderschön gestaltete Gebetsraum vielleicht 12 x 8 m groß und 7 m hoch. die Holzstützen sind geschmückt mit wunderschönen Drachenfiguren.

Als ich hier am diktieren bin, kann es der kleine Sohn nicht lassen dauernd neben mir zu stehen und laut schmatzend irgendetwas zu essen. Trotzdem, dass ich mich ein paar Mal in einen anderen Raum bewege folgt er mir und schmatzt weiter
Echt ärgerlich!

Morgen stehen rund 85 km sowie 2500 Höhenmeter an. das macht mir schon ein bisschen Angst keine Ahnung ob ich das schaffe. Der Pass ist über 4350 m hoch. Die Hochebene beträgt 20 km alles in Schotter und dabei sind weitere 300 bis 400 Höhenmeter zu bewältigen.

Piste Nebel Grün
Strassenbau
Reis- und Maisfelder

11. Juli 2018 Mittwoh 19:36

Shangri-La, Dêqên, Yunnan, China | 11°C

Als ich aufstehe regnet es wie vorausgesagt. Ich ziehe mich an und mache mich bereit um loszufahren. Um 7 Uhr sitze ich im Sattel. Gemütlich fahre ich zuerst auf einer Schotterpiste um später auf bestem schwarzen Asphalt zu treffen. Locker fahre ich die ersten 400 Höhenmeter und treffe dort dann auf ein kleines Restaurant, wo ich eine Fertigenudelsuppe esse. Die Gastgeberin reicht mir noch von ihrem Teig Brot welches sie essen und heißes Wasser.

Dann geht’s richtig los kaum einen Kilometer weiter biege ich rechts ab in Richtung Pass. Die Asphaltstraße verwandelt sich in eine Piste Steine, Sand und gut gepresster Erde. Alles abwechslungsweise oder zusammen zu geniessen.

Die Steigung ist moderat. Dennooch ist die Kurbelei anstrengend. Stunde um Stunde vergeht und langsam werden die noch zu fahrenden Höhenmeter weniger. Es hat wenig Verkehr. Gelegentlich hält ein Autofahren um ein Selfie zu machen. Ich bekomme ein Red Bull und eine Flasche Wasser.

Weiter geht’s. Es regnet und es ist kühl. Irgendwann erreiche ich den ersten Pass. Es geht leicht runter, dann wieder rauf, dann wieder runter, dann steil hinauf, dann wieder runter und irgendwann ewig lang bergan bis auf 4300. Dann geht’s nur noch bergab.

Diese Etappe entpuppt sich als wohl die herausfordernde Piste die ich je gefahren bin. Die Straße besteht mehr aus Geröll und Steinen denn aus Erde oder Sand. Es regnet immer noch und das nicht wenig, ich rüttle über Steine durch Pfützen und meine Bremsbeläge nutzen sich saftig ab. Mir ist kalt und ich weiß nicht wie lange ich noch fahren muss bis ich das kleine Guesthouse erreiche wo ich übernachten will.

Ich fluche und ein lauter Schrei entweicht meiner Seele um meinen Emotionen etwas Freiraum zu geben.

Ich glaube nach gut eineinhalb Stunden gerüttel, kalten Finger, Körper und Füssen entdecke ich endlich Asphalt vor mir.

Noch 6 Kilometer Abfahrt und dann erreiche ich das ganz kleine Guesthouse wo ich noch eine große Suppe bekomme und mich alsbald ins Bett lege.

Mann Mann Mann war das zäh heute.

60km Piste vom feinsten
Anstrengend 😜😜
Alles nass

12. Juli 2018 Donnerstag 15:49

291 Xian Dao, Xianggelila Shi, Diqing Zangzuzizhizhou, Yunnan Sheng, China | 16°C

Heute stand ich erst um ca 7 Uhr auf. Noch immer regnet es draußen. Meine Kleider sind alle noch sehr feucht und klamm, als ich mich in sie reinwurschtle.

Ich bekomme heißes Wasser und bereite mir eine fertige Nudelsuppe vor. Noch immer habe ich Hunger von der gestrigen Fahrt.

Irgendwie habe ich mich durchgerungen mich aufs Velo zu setzen und loszufahren. Nach sechs Kilometer geht es aufwärts. Wiederum sind 900 Höhenmeter zu bewältigen. Es regnet, es nieselt, es regnet stark, es nebelt und als ich nach vielen Stunden endlich den Paß auf 3900 MüM schleichend erreiche, regnet es richtig.

Die Straße windet sich durch wunderschöne Wälder und entlang aller Rrinnen und Kerben welche diese Berge ausmachen. Überall steigt Nebel auf. Er wabert durch die Gegend, um sich aufzulösen und sich neu zu formieren.

Da meine Gore Tex Schuhe innen und außen triefend nass sind, habe ich heute wieder die Sandalen angezogen. Die Füße sind kalt, die Hände sind kalt. Immerhin ist der Straßenbelag super asphaltiert, So dass ich relativ schnell und zügig ins Tal runter komme. Irgendwie bin ich hungrig und finde kein Restaurant. Also heißt es im Tal wieder bergan zu kurbeln. Ich fühle mich super schlapp, die gestrigen Höhenmeter und das dürftige Essen haben Spuren hinterlassen..

Endlich finde ich eine kleine Kneipe und kaufe mir eine Fertignudelsuppe und ein Liter Cola. Die Energie kommt zurück und mehr oder weniger locker fahre ich die letzten 12 km bergan bis zum Hotel.

Morgen sind noch ca 35 bis 40 km bis Shangri-La. Da gibt’s dann definitiv ein paar Tage Pause! 💪💪❤️❤️👍👍

13. Juli 2018 Freitag 14:13

Shangri-La | 9°C

Ich stehe um ca 7 Uhr auf und sitze um 8 Uhr auf dem Velo. Bald beginnt sich die Straße in leichtem Aufstieg in aufzuwenden auf den kleinen Pass, welchen es noch Shangri-La zu überwinden gilt.

Kurz vor der Passhöhe weitet sich das Tal und gibt wunderschöne kleine Hochebenen frei. Holzhäuser im Blockhaus Baustil prägen die Landschaft, idual rennen kleine und größere Schweine umher und genießen ihre Freiheit dorthin zu gehen wo es sie glücklich macht.

Ein Hirte läuft mit einer Gruppe von kleinen Schweinen auf der Straße zur Weidestelle.

Ich bin gerührt ob der Zärtlichkeit und Herzlichkeit der Menschen mit ihren Tieren. Es fühlt sich irgendwie natürlich an wie sie mit diesen umgehen. Keine aufgesetzte Tierliebe oder umgekehrt Erniedrigung des Tieres kann ich wahrnehmen. Die Tiere sind Teil ihres Lebens und auch Teil der Nahrung welche das Leben hier sicherstellt.

bald sind die 600 Höhenmeter geschafft und in leichter abwärts Fahrt erreiche ich noch gut zwei Stunden Shangri-La.

Ich finde ein preiswertes Hostel welches mir einen Facebook Freund angepriesen hat ganz nahe der Altstadt. Dieser ist natürlich nicht alt sondern für Touristen neu instand gestellt.

Anyway, ich bin glücklich hier zu sein und genieße jetzt ein paar Tage das Nichtstun.

Begegnungen
Hirte
Ich liebe diese Aussichten

15. Juli 2018 Sonntag 09:53

Shangri-La | 16°C

ALLEINE UNTERWEGS, WENN DU IN EINER BEZIEHUNG LEBST ODER VERHEIRATET BIST?

Etwas vom Besten, was du dir schenken kannst!

Am 8. Mai 2018 habe ich von meiner Frau in der Schweiz Abschied genommen,um während dem sie sich von ihrem schweren Fahrradunfall erholt, unsere gemeinsame Radreise vorerst alleine weiterzuführen.

Damals hatten wir nach langen und intensiven Diskussionen erkannt und gemeinsam beschlossen, dass unsere Liebe größer ist als die vermeintlichen Gefühle das echte Liebe nur diejenige ist, dass man die Umsetzung seiner Träume aufgibt wenn es dem Herzliebsten nicht so gut geht.

Wie geht es mir nun wenn ich nicht mit Rita unterwegs bin und sie sich alleine in der Schweiz vom Unfall erholt.

Das Gute vorneweg. Rita sitzt schon regelmäßig auf dem Fahrrad und kurvt herum. 💪💪❤️❤️ Wie sehr ich mich darüber für sie freue, kann ich nicht beschreiben.

Jeden Tag denke ich an sie, und fühle wie gerne ich sie wie fast immer wenn wir zu zusammen fahren, an meinem Hinterrad kurbeln fühlen und hören würde, wie gerne ich ihr Lächeln sehe wenn wir auf einem Pass ankommen, wie gerne ich ihre strahlenden Augen sehe wenn wir ungewöhnliche Landschaften durchqueren. Wie gerne ich nachts ihren Atem höre wenn sie neben mir liegt, wie gerne ich mir etwas Süsses in den Mund stopfe, was Rita ihrer Lenkertasche für mich mitgeschleppt hat.

Beinahe jeden Tag telefonieren wir dank Internet miteinander, und tauschen uns über den Stand der Dinge aus. Wir freuen uns über jeden Schritt den es mit Rita vorwärts geht! Und wir erkennen beide wie viel Gutes die Zeit hat während welcher wirr physisch nicht beieinander sind.

Viele Freunde haben sich während meiner Abwesenheit bei Rita gemeldet, sie besucht, sie unterstützt. So entstand auch ein Raum wo andere an meiner Stelle da sind. Dafür bin ich unendlich dankbar!

Alleine unterwegs sein bedeutet auch, dass niemand neben einem steht auf den man seine guten und weniger angenehmen Emotionen abwälzen kann. Ich bin alleine mit mir, mit meinen Emotionen und Gefühlen unterwegs. Wo immer ich bin ich darf alleine damit zurechtkommen. ❤️❤️❤️ Ungefiltert, direkt, rauh und nicht verhandelbar.

Mit Bedauern jedoch auch mit etwas Verständnis für mich erkenne ich wie oft ich meine Emotionen, während dem wir zusammen unterwegs sind, nicht für mich alleine behalte. Und dass ich diese dann auf meine Weggefährtin entlade. 😬😬

Ich erkenne auch wie sehr unser gegenseitiges Vertrauen während der letzten Jahre tiefer und tiefer wurde und das Band der Verbindung stärker wurde.
Ich weiß dass Rita mich nicht wegen ein paar heftigen Emotionen verlässt. Nein, auch sie mutet sich mir zu, mit ihrem ganzen Sein, so wie wir beide ist uns anlässlich unsere Trauung zugesichert haben. Ich liebe dies, lässt genau dies inneres Wachstum letztendlich zu.

Ich liebe es auch alleine unterwegs zu sein. Dabei bin ich alleine auf mein Fahrtempo, meinen Rhythmus, meine Essgewohnheiten und vor allem, alleine auf meine Emotionen, Gedanken und Träume zurückgeworfen. dies innerhalb einer Beziehung und einer Ehe erleben zu dürfen ist ein riesiges Geschenk. Dies bedingt einen Partner der ja sagt dazu. ❤️❤️

Ich bin unheimlich dankbar, habe ich einen solchen Menschen an meiner Seite. Unmöglich dieses Glück beschreiben zu können! ❤️❤️❤️

Bald, bald sind wir wieder zusammen! 👍❤️

16. Juli 2018 Montag 15:35

1 Ga Ma Xiang, Xianggelila Shi, Diqing Zangzuzizhizhou, Yunnan Sheng, China | 13°C

Ausruhen in Shangri-La, Osttibet

Ein Tag zum ankommen und 3 ganze Tage wollte ich in Shangri-La abhängen. Jetzt ist der Tag 3 und ich habe um einen vierten Tag verlängert. Immer noch schaffe ich es nicht, größere Runden in der Stadt zu drehen, geschweige denn das 6 km entfernte Kloster zu besichtigen. 😬😬😂😂👍👍❤️❤️

Nach den 4500 Kilometer seit meiner Abfahrt in Tokio, ist ein mittelgroßer Service am Fahrrad nötig. Ölwechsel an die Rohloff ist angesagt, der Antrieb mit Kette Ritzel und Kettenblatt wollen gereinigt und gepflegt werden, so wie müssen die Bremsbeläge ausgewechselt werden.
Während der regenreichen, langen Abfahrt über Geröll und Piste habe ich innerhalb einer Abfahrt, die Bremsbeläge wohl zu 30 bis 40% abgenutzt. 🙏🙏

Ich esse jeden Tag mindestens eine Pizza und Süßigkeiten wollen auch in meinen Bauch wandern. 😃😃🤘🤘

Morgen verbringe ich also den vierten Tag hier in Shangri-La und dann geht’s wieder weiter Richtung Süden.

Altstadt Shangri-La

 

Wächter
Grösste Gebietsmühle der Welt
Gläubige

 


2 Comments

  • Alois Zeinzinger

    31. Juli 2018

    Guido, Wahnsinn deine Mega-Leistung und dazu noch selbst der Radmechaniker, da kann ich mich meinen Eu-Werkzeug verstecken, was du für ein Ersatzteillager mitführst.
    Gratu. gewaltige respektvolle Glanzleistung. 🙂

    Reply
    • Guido

      1. August 2018

      Hallo Alois, herzlichen Dank für deine Zeilen. Es stimmt ich führe wohl etwas viel Gewicht an Werkszeug mit 😂😂. Wobei ich dann jedes Mal happy bin, wenn ich einen Schaden flicken kann und dann weiter fahren kann. GLG t

      Reply

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