Iran, Emotionen und wie weiter…….

Unsere Emotionen während unserer Reise durch Georgien, Armenien und nun im Iran sind wie die Landschaft der Länder selber. Eine anspruchsvolle Berg- und Talfahrt mit vielen hohen und dramatisch wirkenden Ausblicken auf faszinierende Landschaften, jahrtausende alter Kulturen und tiefen Einsichten in die eigenen Vorurteile, geprägt durch unsere Sozialisation, durch die Medien, der Politik und der Gesellschaft.

Wie sehr unser Wesen von diesen Vorurteilen durchtränkt ist,

ja überflutet ist erschreckt uns. Es lässt uns zweifeln an unserem Tun, zweifeln an der Art wie wir im Westen mit unseren Nachbarn umgehen, wie wir unsere Nachbarn in Schubladen schieben. Sind wir im Westen wirklich der Nabel, haben wir wirklich das Wissen um das Besser und sind wir wirklich die herausragenden Nationen auf dieser Erde?

Gelebte Gastfreundschaft

WISSEN wir hier im Westen WIRKLICH was GUT, was SCHLECHT ist? Vor allem was GUT oder SCHLECHT ist für ANDERE?“

Gerade wenn du lange auf der Rad sitzt und kontinuierlich kurbelst, hat dein Wesen viel Zeit, Gesundes, lebensbejahendes vom Ungesundem und lebensnegierendem zu differenzieren. Dein Geist klärt, ordnet neu und öffnet dein Wesen für das was echt ist, für das was du aus der Ferne oder bei Kurzreisen in ein fremdes Land nicht erkennen kannst. Dann hat dein Wesen zu wenig Zeit dies zu erkennen, vor allem zu integrieren.

Emotionen:

Dabei werden Emotionen frei, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Schmerz, Wut und auch Zorn. Was können wir tun? Wir entscheiden uns, dass wir allen davon erzählen wie wir die besuchten Länder und die Menschen erleben, wie wir mit all den Emotionen umgehen und was die Reise mit uns macht.

 

„Merke:

Man kann die Einsichten nicht mental erfassen. Es funktioniert nur durch integrierende Er – fahrung.“

 

Seit Mai 2016 sind wir nun auf Reisen und haben dabei weit über 20 Länder besucht und dabei rund 20’000km zurückgelegt.

 

„Merke:

Es sind nicht die Zahlen welche wichtig sind. Sie geben nur eine Idee wider über Raume und Zeit.“


Es sind ausschliesslich die Erfahrungen, die Begegnungen, die emotionalen Prozesse welche dich bewegen, welche dem ganzen einen Sinn geben. Vorausgesetzt, die ganze Reise hat einen Sinn……

In meinen Augen hat selbst eine solche Reise keinen grösseren Sinn. Sie hat eher einen kleineren Sinn als die tägliche Arbeit von Menschen, welche sich um ihre Familie in einer verrückten Welt darum bemühen, sie zu ernähren und am Leben zu erhalten.

 

„Eher handelt es sich bei einer solchen Fahrt um einen weiteren “hilflosen”  Versuch das eigene Wesen, die Funktionsweise des eigenen Geistes zu erfassen um Klarheit über das Wesen des Lebens zu erhalten.“

 

Tagebucheinträge:

Nun sind wir da, in Esfahan. Wie sehr ich mich darauf gefreut habe wieder in diese Stadt zu reisen, mit dem Rad natürlich vor allem mit Rita, kann ich nicht beschrieben.

Diese faszinierende Stadt mit ihren Brücken und dem großen Square erinnert an tausend und eine Nacht.
Im Mittelalter befand sich in Esfahan eine große Medizinische Universität wo bereits Operationen am Hirn durchgeführt wurden. Mir wird bewusst, dass in Europa damals die Hygiene und das Wissen um die Medizin an einem Tiefpunkt stand.

Die Fahrt auf der Seidenstraße und dieses faszinierende Land Iran verändert unsere Sicht auf das Leben radikal.


Rund 7000 km liegen hinter uns, unzählige Pässe, Landschaften, Täler, Berge, Wasser, Schluchten, unzählige Begegnungen, welche unser Wesen berührten, unzählige Orte mit ihrem ureigenen Ausdruck hinterlassen eine Spur in unserer Seele, unauslöschlich, sanft aber beständig eingeritzt durch unser tägliches Kurbeln.


Immer öfters erleben wir diese Augenblicke, die Augenblicke wenn du das Gefühl hast, dass die Landschaft durch dich hindurch fließt und du einfach Zuschauer bist. Das einzige was du tun musst ist zu kurbeln.
Mit dieser Aktion beginnt sich alles zu bewegen, Düfte, Geräusche laufende Bilder fließen durch mich hindurch.
Bin ich es der träumt oder ist alles ein schöner Traum. Ist das die Realität welche wir gemeinhin als das bezeichnen was wir tun?

Ich liebe es in dieser Zwischenwelt zu verweilen, die Welt wo innen und außen eins wird.

 

08.06.17

Wir liegen herum wie tote Fliegen. Wir essen uns voll, füllen die Energiespeicher mit den feinen kulinarischen Genüssen. Wir stellen die Unterlagen für die Visaverlängerung zusammen. Dafür benötigen wir, für Rita ein Foto mit einem Kopf-Tuch. Also raus an die Sonne und ab zu einem Fotografen. Ein paar Kopien unserer Pässe und des Iranvisa sind auch abzugeben.

 

09.06.17

Wir besuchen den Squere und die Brücken von Esfahan, spazieren durch die Stadt und geniessen das Flair des Fremden, die Gerüche, Düfte von Jasmin und Geräusche, die Bewegungen der Menschen, den Ausdruck der Frauen mit ihren wunderschönen, strahlenden Augen welche uns Einblicke in ihr Wesen erlauben.

Wiederum bin ich bewegt vom Ausdruck der Architektur, der Gestaltung, der innewohnenden Emotionen der Gebäude.

 

10.06.17

Fahrt zur Migration um 6:30Uhr: Visaverlängerung. Elf Stationen müssen wir durchlaufen, elf verschiedene Menschen bearbeiten unseren Antrag bis die Verlängerung steht. Davon noch 3 Kilometer zur Bank um die 12 € einzuzahlen. Dann wieder zurück zur nächsten Station. 11:30Uhr – unser Pässe können nicht herausgegeben werden, der Chef ist grad weg und kann nicht visieren …..
Drei Stunden später haben wir die Verlängerung in der Hand….
Unsere Geduld wurde aufs Äusserste strapaziert – die Nerven liegen blank……

 

Wie weiter?

Am Dienstag fahren wir weiter nach Yazd. Nach ein paar Tagen in Yazd werden wir mit dem Bus nach Rasht im Nordwesten vom Iran fahren. Damit können wir mehr Zeit in den Städten im Süden Irans verbringen und wir umgehen eine lange Fahrt auf den grössten und vielbefahrenen Autobahnen Irans.

Weshalb fahren wir “zurück” in den Norden?

Da wir voraussichtlich das Turkmenisten Visa nicht erhalten werden, haben wir beschlossen über Baku, Azerbeijan nach Zentralasien zu reisen. In Baku wollen wir die Fähre nach Aktau in Kasachstan nehmen und von dort nach Usbekisten einreisen. Die Strecken durch die Wüste Kasachstans und Usbekistans werden wir teilweise mit dem Zug bewältigen.

OK, das ist der Plan. Die Wirklichkeit wird zeigen wie “es” wirklich läuft.

Wenn unsere Reise und unsere Berichte dir gefallen, oder du Infos, Bemerkungen dazu hast, freuen wir uns immer über Kommentare, sind es doch diese, welche uns zeigen, dass unsere Berichte gelesen werden, Emotionen ausgelöst werden und wir so zusätzlich motiviert werden weiter zu machen.

Danke dafür!

Routenplanung:

Hier siehst du die original RoutenplanungDie Roten Punkte auf den Karten zeigen wo wir wirklich sind.

Statisitik:

Dies findest du hier.

Reparaturen

Dies findest du hier.

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10 Comments

  • Gisler Elisabeth

    23. Juni 2017

    Hallo Ihr zwei so Ferne
    Finde die Reflektionen sehr spannend. Ihr erlebt nun die langsamere Welt. Die weit grösser ist als diese riesigen urbanen Flecken, die das Geschehen sog bestimmen und auch immer wieder gewissermassen dafür bestraft werden. Eben mit diesen Terroraktionen. Menschen leben, überleben und der Sinn der Sache ist es zuzuschauen um sicher zu sein, dass es wirklich so ist. Ich habe wohl schon früher erwähnt, dass ich Euch um die Erfahrungen einerseits beneide, andererseits super finde, dass ich so wenigstens mit Fotos und Berichten teilnehmen kann. Und doch scheint unsere urbane Welt verlockend zu sein. Sie bietet auch ihre sehr positiven Seiten und da passiert das gleiche umgekehrt. Es sieht aus der Ferne alles so glänzend aus. Da möchte man hin.
    Ich wünsche Euch auf Eurer Reise weiterhin viel Glück und weder Unfälle noch sonstige Schwierigkeiten. Weiterhin viele schöne Begegnungen und Erfahrungen. Alles Liebe Elisabeth

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    • Guido

      30. Juni 2017

      Liebe Elisabeth!
      Danke für deine Zeilen. Ich liebe deine Weitsichtigkeit und dein Nachvollziehen der Zusammenhänge auf diesem Erdball.

      Das Bereisen der „Stan-Länder“ kann ich dir wärmstens empfehlen, solange sie noch nicht vom Tourismus überrollt werden. Ich bin überzeugt auch dein Herz, als Weltenbürgerin und Viel-Gereiste, würde weitere unvergessliche Spuren erfahren.
      Ich freue mich auf einen LIVE-Austausch per WhatsApp. Die Begegnungen und der Austausch mit all den Menschen sind für mich oft überwältigend.
      Lass dich herzlich grüssen und bis wieder Rita& Guido

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  • Seraina

    13. Juni 2017

    Liebe Rita, lieber Guido
    Einfach unglaublich toll, dass ihr euch die Zeit nehmt, die Welt mit dem Fahrrad und in engem Kontakt zur Bevölkerung zu bereisen!! So schön zu hören, wie herzlich ihr von den „Locals“ empfangen werdet!
    Sonnnige Grüsse aus der Schweiz – und bis ich wieder selber in der grossen Welt unterwegs bin, schliesse ich mich eben auch den blinden Passagieren an 😛

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    • Guido

      15. Juni 2017

      Hallo Saraina
      Herzlichen Dank für die schönen Worte. Wir genießen die Zeit unterwegs zu sein, Menschen zu begegnen und die Erde zu erkunden. Dies befriedigt uns ungemein. Wir freuen uns natürlich wenn du als blinder Passagier mitfährst.
      Hoffentlich geht es auch für dich bald wieder los. Herzliche Grüße
      Guido und Rita

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  • Jutta

    12. Juni 2017

    So, dann werde ich mal über Aserbaidschan bzw. Baku erzählen. Wir waren im letzten Jahr im Zuge einer Studienreise im Land unterwegs. Vorher waren wir in Armenien und Georgien. Baku ist eine Stadt, von der wir zuvor nichts wussten und von der wir nichts erwarteten und die uns total überrascht hat. Pulsierend, modern, traditionell, mit einer Architektur, die uns den Atem stocken ließ. Besucht unbedingt das Heydar Aliyev Center (wir waren nicht drinnen), gebaut von Zaha Hadid. Ich war derart überwältigt, vor diesem Gebäude zu stehen, einfach phantastisch. Die Altstadt ist UNESCO-Welterbe und wenn ihr euch durch die Gassen treiben lasst, geht ruhig mal irgendwo rein, in die Hinterhöfe oder Restaurants. Es gibt überraschende Einblicke und manchmal sind die Innenhöfe mit großen Bäumen oder schönen Pflanzen begrünt, man kann dort verweilen und etwas essen und trinken. Bei Nacht am Bulvar, der Strandpromenade, sieht man die toll beleuchtete Stadt, unter anderem die drei Feuertürme, den Fernsehturm und andere Gebäude. Man sieht hier halt, dass Öl gefördert wird und viel Geld vorhanden ist, die Gebäude sind zum Teil wirklich spektakulär. Die Einkaufsmeile ist mit vielen Brunnen bestückt (Fontänenplatz), wo Kinder spielen, Rosen blühen und alles sehr propper ist. Wer Shopping mag (ich nicht und ihr vermutlich genau so wenig) ist hier gut aufgehoben, aber ein Besuch lohnt schon, auch wenn man nichts einkauft. Hier kann man auch überall etwas zu essen kaufen. Auch hier ist abends alles beleuchtet, was wirklich sehr schön anzusehen ist.

    Die Leute in Azerbaidschan sind – wie ihr ja überall in anderen Ländern auch schon erfahren habt – sehr interessiert und freundlich. Ein Mann in einem Kiosk, wo wir zwei süße Stückchen kauften, schenkte uns noch Brot und Cola und freute sich, dass wir aus Deutschland bei ihm einkauften.

    Außerhalb von Baku wird Öl gefördert, wir haben Schlammvulkane besucht (in der Nähe der Felsenzeichnungen), die wirklich spektakulär waren, haben Felszeichnungen bestaunt (Gobustan) und Gasflammen bewundert (Yanar Dag und Feuertempel Ataschgah), die ständig brennen, weil halt brennbares Gas an die Erdoberfläche tritt, dass entzündet wurde oder sich entzündete. Wir haben Erdöllachen mitten in der Pampa gesehen, wo das Öl einfach so zu Tage tritt. Ziemlich schräg, aber auch ziemlich interessant.

    Landschaftlich war es auch erstaunlich grün und wunderschön auf dem Weg von Georgien nach Baku. Hätte ich mir alles so nicht vorgestellt und dieses Land hat meinen Mann und mich am meisten überrascht. Ihr werdet bestimmt staunen!

    Yazd, das ihr bald besuchen werdet, wird euch auch umhauen, die Türme des Schweigens haben eine Atmosphäre, die ist einfach unbeschreiblich. Wir waren oben, als die Sonne unterging und ich kann heute noch nicht sagen, was da auf uns alle nieder ging. Es war irgendwie unheimlich, diese Schwingungen dort oben. Und das haben alle aus der Gruppe so empfunden, geradezu magisch, obwohl ich eigentlich nicht so der esoterische Typ bin. Aber das da oben hat mich nachhaltig erschüttert, im positiven Sinne, ich kann es nicht anders beschreiben.

    Ihr habt ja schon über die Gastfreundschaft geschrieben und darüber, dass das, was wir als die unumstößliche Wahrheit betrachten, ins Wanken gerät, wenn man reist und Herzlichkeit, Interesse, Güte, Neugierde und Gastfreundschaft von Wildfremden erfährt. Vor allem Iran hat uns überwältigt mit diesen wunderbaren Menschen, die nichts mit dem Regime zu tun haben, die uns beschenkten mit ihrem Wesen, mit Brot, Süßigkeiten, Einladungen zum Picknick. Wir wurden begleitet von Menschen, die neugierig waren auf uns, auf unsere Art zu leben, mit einer Höflichkeit und Würde wurden wir empfangen, dass wir uns zum Teil schämten für das, was damals in den Medien berichtet wurde (das war die Zeit, als Bush kurz davor stand, dort einen Krieg anzuzetteln). Sogar amerikanische Touristen wurden äußerst herzlich behandelt, so dass sie es selber kaum glauben konnten. Das war der feine Iraner, der sehr wohl unterscheiden konnte zwischen dem, was Regierungen tun und dem, was Menschen tun. Es war einmalig, eine wunderschöne Reise zu kulturellen Stätten, die uns für immer in der Erinnerung begleiten werden, aber das Highlight waren die Begegnungen mit der iranischen Bevölkerung. Persepolis ist natürlich ein Wahnsinn, aber auch die Städte wie Isfahan, wo ihr gerade weilt, das bereits gefeierte Yazd oder das wunderbare Shiraz waren so unglaublich, ich bekomme gerade wieder total Lust, noch einmal dort hin zu reisen.

    In Usbekistan waren wir übrigens auch schon – aber alle Touren haben wir immer mit einer Gruppe im Zuge von Studienreisen gemacht, nicht so abenteuerlich und bewundernswert wir ihr. Ich finde das so herrlich und erstaunlich, was ihr alles auf die Beine resp. die Räder stellt, ich kann nur staunen, was ihr leistet.

    Weiterhin eine unfallfreie, wunderbare Reise, die ich von nun an – wie bereits angedroht – als blinder Passagier auf dem Gepäckträger mitfahren werde. Falls ihr mal schwer treten müsst, wisst ihr, wer schuld ist. 🙂

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    • Guido

      13. Juni 2017

      Salam Jutta!
      Nach deinen gelesenen Zeilen, sind Guido und ich noch neugieriger geworden auf Aserbaidschan als wir vorher schon waren. Danke für deine Infos und Erfahrungen, die du mit uns geteilt hast. Deine Hinweise und Tipps nehmen wir gerne entgegen und freuen uns heute schon auf all das was uns in Yazd und Baku berühren und bewegen lässt.
      Du wirst wieder von uns lesen. Eine warme Brise und Gewürzdüfte aus dem Bazar von Esfahan – ein kl. „Fernwehpflaster“!
      Herzlich Guido & Rita

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  • Harald

    12. Juni 2017

    stiller Mitleser hier – wir wünschen Euch noch weiterhin gute Fahrt und alles Gute

    Harald

    Reply
    • Guido

      12. Juni 2017

      Hallo Harald danke für deine Zeilen. Schön zu lesen dass es stille Mitleser gibt. Beste Grüsse
      Guido und Rita

      Reply
  • Dirk

    12. Juni 2017

    Moin,

    wir wünschen Euch weiter eine gute Reise. Deine Ansichten, lieber Guido, teile ich.
    Liebe Grüsse senden
    Frauke und Dirk

    Reply
    • Guido

      12. Juni 2017

      Hallo Dirk und Frauke!
      Danke für die Zeilen 🙂 !
      Wir wünschen dir alles gute und einen guten Aufenthalt im Norden.
      Herzlich Guido und Rita

      Reply

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