Das Buzludzha UFO, Hunde & ein wilder Ritt nach Istanbul

Noch liegen knapp 600 km bis Istanbul vor uns, unser Blick leicht verzweifelnd, ist nach links hinauf zum 1430 Meter hohen Berg gerichtet. Der Puls knallt nach oben. Ein Jugoslawischer Schäferhund lümmelt drei Meter von der Strasse an der Sonne.
Wie ein Phallussymbol sticht das Monument von Buzludzha in die Höhe. Aus über 40 km haben wir diesen spektakulären Bau zum ersten Mal gesehen. Uns trennen 40 km und rund 1700 Höhenmeter zu unserm Ziel.

Die Sonne brennt von Süden in unsere Sicht. Vier Stunden später stehen wir auf dem Buzludzha und staunen ob der riesigen UFO Konstruktion von Buzludzha

Buzludzha UFO

Ein Denkmal für den Kommunismus Bulgariens, erbaut auf einem Berg. Faszinierend ist dessen Architektur. Wie viele Dankmäler auf der Erde hat auch dieses einen blutigen, menschenverachtenden Hintergrund; – leider.

 

Seit Tagen quält uns ein Virus, hartnäckig lässt er uns bellend husten und unsere Bronchien pfeifen wie eine Orgel in einer Kathedrale. Leicht keuchend umrunden wir diese Riesenkonstruktion.

Während der 80er Jahre haben 6000 Arbeiter daran gewirkt.

Bevor wir jedoch den Fuß des Berges erreichten, genossen wir 220 km durch das hügelige, vor allem liebliche Hinterland Bulgariens fahren zu dürfen.

Wenig Verkehr, rücksichtsvolle Autofahrer und freundliche, hilfsbereite Menschen begleiten uns auf unserer Fahrt durch Bulgarien. Hier siehst du welche Route wir gewählt haben.

Den letzten beissen die Hunde:

Natürlich lernten wir auch die Hunde Bulgariens kennen. Eigentlich geht es bei den Hunden darum Intervalltraining für Radreisende zu initiieren.

Und so geht’s:

Unverhofft springen die Hunde aus zwei bis drei Meter Distanz auf uns zu und rennen kläffend, mit hochgezogenen Lefzen volle Power, hinter uns nach. Schnell gilt es sich zu orientieren und entsprechende Massnahmen einzuleiten.
Jedenfalls erschrecken wir jedes Mal und geben alles in den Trainigseinheiten ……

Wir kennen nun folgende Intervall – Training – Kicks:

  • Double Rehpinscher, 3 Meter Sprint
  • Double Germann Shepart, 300m longdistanz breath-breacker
  • Single WAUWAU, 50 Meter fear maker
  • Single Mountainshepart bike atack, no way out.  Spriiiiiiint!

No pics, just fear

 

Rasant verläuft die Abfahrt, wild campieren irgendwo im Wald. Am übernächsten Tag stehen wir vor der Grenze zur Türkei. Rund 20 Minuten dauerte die Abfertigung am Zoll danach konnten wir weiter in Richtung Edirne. Ich bin ziemlich angeschlagen, die Nase läuft und ich huste wie ein Dromedar.

Nun stehen lange 250 km bis Istanbul, vollgepackt mit 2400 Höhenmetern. Der Wetterbericht verspricht leichten Wind von vorne links. Das mag ich gar nicht.

Istanbul

Eine endlos scheinende Fahrt mit vielen Steigungen führt uns in Richtung Stadt. Bald wechselt die Fahrbahn auf drei, irgendwann auf fünf Spuren und wir Zwei sind Mitten drin.

Die Situation ist mit den Zuständen, wie ich sie vor 14 Jahren erlebt hatte, nicht zu vergleichen. Heute verfügt die Strasse über einen Seitenstreifen, die fünf Spuren sind bei drei Spuren getrennt, nur gelegentlich kann man auf die innere dritte Spur ein- und ausfahren.

Die 30 km Einfahrt in die Stadt Istanbul wären nicht so spektakulär, wären da nicht die 7 Hügel auf denen Istanbul erbaut wurde. 200 steile Höhenmeter stellen sich uns plötzlich in den Weg, das Tempo sinkt schlagartig auf 5km/h, es folgt eine berauschende Abfahrt um uns gleich wieder auf einen 100 Hm Aufstieg zu werfen. In diesem Rhythmus wechselt sich die Fahrt ab bis kurz vor der Hagia Sophia und der blauen Moschee.

Hammergeil!

Ich bin diese Strecke schon zum zweiten Mal und ab der Ausfahrt „Airport“ zum dritten Mal mit dem Velo gefahren und immer wieder überwältigt.

„Obwohl mitten im Verkehr,
diese Fahrt ist ein riesen Erlebnis.
Ein „must have“ unter Radreisenden.“

Rita und ich kränkeln schon zwei Wochen vor uns her. Husten, schreiende Bronchien und eine triefende Nase lassen uns Nachts wenig schlafen. Die kalte und trockene Luft trägt das Ihrige dazu bei uns Energie zu entziehen.

Relax

Weil wir in Istanbul das usbekische Visa einholen wollen, kommen uns die 6 Tage bis zur Ausstellung des Visa entgegen. Wir nutzen die Zeit uns zu erholen, Rita gönnt sich einen Hamambesuch. Die Stadt hat enorm viel zu bieten mit ihrem Kulturmix und all den baulichen Werken. Ebenfalls lassen wir uns die Vielfalt und den Genuss der türkischen Küche nicht entgehen.

Und natürlich unerlässlich: unsere Velos einem kleinen Service zu unterziehen. Dabei staune ich, dass die von mir montierten Campagnolo C9 Ketten nach 3000km noch in bestem Zustand sind. Normalerweise sind meine Ketten nach 2500km „tod“!
Ebenfalls müssen die, von den vielen tausend Höhenmetern runter gewetzten Bremsbeläge ausgewechselt werden. Diese haben jetzt rund 10 – 13’000 km ihren Dienst getan.

 

Wir treffen auch den Bruder meine Schwagers, der in Istanbul lebt und arbeitet. Faszinieret hören wir seinen Geschichten, seinen Erlebnissen als türkisches Kind mit Aufenthalten in Jugoslawien, Italien, der Schweiz und der Türkei zu.

Wir besuchen ihn auf seiner Arbeit, in einem zum Teppichgeschäft ausgebauten Haus. Dieses steht auf einer Zisterne aus dem 5. Jahrhundert. Wahnsinn! Damals sassen wir, auf der Nordseite der Alpen noch in Hütten, kannten keine Hygiene, usw. – und heute bilden wir uns ein, der Nabel der Welt zu sein……

 

Morgen holen wir unser Usbekistan Visa. Hoffentlich ist es bereit! Dann geht’s am Samstag weiter in Richtung Zentralanatolien.

Wir sind entspannt, unsere Gesichtszüge klären sich, Guido besucht den Barbier von Istanbul. Etwas Sightseeing hier, neue Sehbrille für Rita kaufen und Besuch des Radreise-Shops von Istanbul auf der asiatischen Seite gehören unter anderem zu unserem Programm.

Innerhalb einer Woche sollte unser Usbekistan Visa bereit sein. Die Expresszahlung von 30  Dollars hat nicht gefruchtet. Also warten wir weitere drei Tage.
Da unsere Bronchtitis noch nicht ganz ausgeheilt ist, tun uns die 8 Tage Istanbul sicher gut.

Hier noch der Link zu unserer Statistikseite. In der Spalte ganz rechts findest du auch immer einen Tageskommentar.

 


4 Comments

  • Elisabeth Gisler

    10. April 2017

    Bin einfach froh, dass Ihr weiterhin ohne Unfall oder sonst negativen Zwischenfällen weiterreisen könnt. Inzwischen seid Ihr sicher wieder in Topform. Abgesehen von der Erkältung. Doch das sind doch kleine Zwischenfälle wenn sie auch viel Energie kosten. Doch Eure positive und abenteuerliche Einstellung macht einen tiefen Eindruck auf mich. denke viel an Euch.
    Elisabeth

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    • Guido

      10. April 2017

      Liebe Elisabeth! Du fährst spürbar mit uns mit, danke für dein Mitfiebern! Ja, zwischenzeitlich sind wir wieder in Form und heute Morgen haben wir nach 3 Anläufen bei der Usbekischen Botschaft unser Touristen-Visa erhalten. Super, jetzt gehts Morgen weiter Richtung Göreme. Ein paar 100km und ebenso ein paar 1000 Höhenmeter durch die schöne Türkei bis wir dann die Grenze zu Georgien passieren werden. Aber bis dahin dauert’s noch. Lass dich herzlich grüssen, schreibe dir noch eine E-mail an deine private Adresse. Bis wieder Rita und Guido

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  • Tim

    9. April 2017

    Sehr kurzweilig geschrieben eine gute Fahrt weiterhin!

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    • Guido

      9. April 2017

      Hallo Tim
      Danke, freut uns!

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