Balkan Vorurteile versus Realität

Der Balkan bewegt, zerbröselt deine Vorurteile, zeigt dir die vom Westen verkannte Realität. Aber zuerst zurück nach Italien, la bella Italia will sich nicht so einfach verlassen lassen.

Abruzzen

Die Abruzzen, in unseren Vorurteilen, ein paar Hügel zwischen Rom und Ancona entpuppen sich als solide Berge mit felsigen, schneebedeckten Gipfeln. 270 km; dafür stehen uns 5 Tage Zeit zur Verfügung um nach Ancona zu kommen.

Ort wollen wir die Fähre nach Split nehmen.

Also alles locker. In dauerndem rauf und runter suchen wir uns den Weg nach Nordosten, geniale Pässchen wechseln sich ab mit kleinen Dörfchen und Tälern. Wildes Zelten, morgens Frost auf dem Zelt und tagsüber Sonnenschein lassen uns geschmeidig durch die Berge reisen.

 

Hätte ich die Taube erschlagen sollen?

Verletzt lag sie mitten auf der Strasse und schaute mir in die Augen.

Ich frage mich dies seit Wochen mehrmals jeden Tag. Die überfahrenen noch lebenden Tiere welche ich während meiner Radreisen am Strassenrand angetroffen habe, habe ich aufgehört zu zählen.

Auf dieser Reise scheint alles noch heftiger.

Etwa 1000 Biber (ja, 1000) auf 100 km in Italien, unzählige Dachse, Vögel, Katzen und Hunde, und unzählige Menschen (die Kreuze am Strassenrand weisen darauf hin) werden als Kollateralschäden von uns Menschen einfach so hingenommen.

Es interessiert uns Autofahrer nicht wer am Rande unserer wichtigen Mission zu Grunde geht, während wir einfach so, weil UNSERE Fahrt so wichtig ist töten, oder Halbtote am Rande liegen lassen. Zu wichtig ist unsere Fahrt, wohin auch immer…..

Das Leben am Rande, am Strassenrand mit dem Rad zeigt dir wie es wirklich abgeht……

Die Trauer jedoch wenn die eigene Katze vergiftet wird, der eigene Hund an Altersschwäche stirbt, steht in einem starken Kontrast zu den aus Egoismus mittels Auto, getöteten Tieren auf der Strasse. Wenn interessiert es schon wie viele Tiere er auf der Strasse tötet?

 

Merke:

Am Strassenrand findest du maximal alle paar 100 Meter einen verrotteten Kadaver, und alle paar Kilometer ein Kreuz.

 

Eine Einladung zum Kaffee dort ein Schwätzchen hier, überall treffen wir auf hilfsbereite Menschen.

 

Kroatien, die Küste

Ab Split fahren wir gegen unseren Plan, der dalmatischen Küste entlang. Die faszinierenden Kontraste zwischen Bergen und tiefblauem Meer bewegen uns und lassen uns, mit Leichtigkeit in die Kurbeln treten.

 

Dubrovnik verzaubert uns mit seiner genialen Stadtmauer und faszinierenden Altstadt. Viele kleine Gässchen führen zur hohen Stadtmauer hinauf. Im Zentrum die Hauptstraße.

Wieder passen wir unsere Route an, statt über Montenegro nach Albanien zu fahren, beschliessen wir über Montenegro nach Serbien, Kosovo und weiter wieder über Serbien nach Sofia der Hauptstadt Bulgariens zu kommen.

 

Montenegro etwas Schweiz

Wir versinken emotional in den Bergen und Schluchten, durchstreifen die sanften Hochebenen um wieder abzutauchen in ein Tal voller schroffer Felswände. An unserer Seite ragen immer wieder Berge hoch, ihre Gipfel weiss glänzend, noch immer mit viel Schnee bedeckt. Der Durmitor Nationalpark, ein Leckerbissen. Dörfer gepflegt und sauber.

Überall erleben wir Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. OK, die Berge rauf zu fahren, kann dir niemand abnehmen. Die Freude auf dem Pass auch nicht 😉

Wenn das Benzin des Kochers ausgeht, nehmen wir den Holzofen, Nächte mit Frost, Tags warm und einladend für kurz/kurz.

 

 

Serbien, Kosovo und wieder Serbien

In Serbien gehts weiter durch raue Schluchten, felsigen Stauseen. Im Kosovo gibts endlich den lang ersehnten Kebab.

Rund 4 Stunden in Schweiss gebadet und kurbelnd, haben wir gebraucht um die Passhöhe auf 1400 MüM den Übergang nach Bulgarien zu erreichen. Kurve um Kurve, Serpentine um Serpentine schlängeln wir uns den Berg hoch bis sich vor uns ein riesiger blaugrün in der Sonne glitzernder See ausbreitet. Noch ein paar Höhenmeter und eine wilde, schnelle Fahrt  führt uns runter nach Bulgarien, wo wir nach 70 km in einer kleinen Stadt nächtigen.

Kurz nach der Abfahrt hatte Guido den zweiten Plattfuß.

Gut entdeckten wir das Loch im Reifen als wir neben einer Tankstelle standen.

 

Bulgarien

Sofia empfängt uns mit Sonnenschein, wenig Verkehr auf den Strassen, vor allem umsichtige LKW und Autofahrer beeindrucken einmal mehr.

Ein Hostel, viel Kultur, feines Essen und – ein Pausentag.

Bulgarein zählt 6 Mio Einwohner. Davon leben 1.6 Mio in Sofia. Das Land ist teilweise völlig frei von Häusern, so viel Platz, so viel Luft zum atmen und kein Lärm. Ein Auto alle paar Minuten.

Hier findest du weitere Fotos und ein Video oder zwei 😉

 

Wie weiter?

Vor uns liegt ein Leckerbissen. Zerst ein Schwank gegen Norden um dann wieder die Berge Bulgariens in Richtung Süden zu überqueren.

Was wir besichtigen wollen, erzählen wenn wir dort gewesen sind. Lass dich überraschen und verfolge uns auf Facebook

Natürlich freuen wir uns auch über Kommentare und Anregungen.

Herzlich Guido und Rita


9 Comments

  • Ulrich Faust

    27. März 2017

    Lieber Guido, liebe Rita,vielen herzlichen Dank für eure Berichte und Bilder! Seid behütet auf all euren Wegen! Freue mich auf weitere „Folgen“!

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    • Guido

      4. April 2017

      Hallo Ulrich. Danke für die Guten wünsche und der Freude an unseren Bildern und Geschichten. LG Guido und Rita

      Reply
  • Marco

    27. März 2017

    Hallo ihr beiden,

    wirklich schöne Bilder und eine tolle Zusammenfassung. Schön das ihr euch immer mal von der Strecke meldet.

    Weiterhin alles Gute und bleibt gesund.

    Viele Grüße
    Marco

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    • Guido

      4. April 2017

      Hallo Marco. Herzlichen Dank für deine Zeilen. Ich freue mich dass dir unser Beiträge gefallen. Alles gute an Familie und dir. LG Guido

      Reply
  • Hans Jürgen

    26. März 2017

    Wie recht du hast Guido mit deinen Anmerkungen zu den Kadavern, Leichen und noch lebenden Tieren am Straßenrand. Der alltägliche nicht registrierte Wahnsinn. Aber weiter – die Zeit drängt, koste es was es wolle bei der Fahrt. Das gleiche was du bemerkst, ist mir bei meinen Radreisen auch immer wieder aufgefallen. Aber wen interessiert es?
    Hans Jürgen
    http://www.rikscha-tours.com

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    • Guido

      26. März 2017

      Hallo Hans Jürgen
      Ja, schnell weiter, egal wie es am Rand ausschaut. Die Geschichte widerspiegelt die Art wie wir zusammen umgehen, mit dem Fremden, dem umbholfenen usw.
      Auf der Strasse wird sichtbar ob jemand seine Liebe zur Natur, uum Leben ernst nimmt…..
      Alles gute wünsch ich dir
      Guido

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  • Frederick Schmidt

    26. März 2017

    Hallo Rita und Guido, Danke herzlich führ die feinen schmankerln der Erlebnisse und die wunderschönen bilder, wir folgen euren Geografi und Geschichte Unterricht mit Spannung hier aus Schweden, bitte so weitermachen und uns diese Augen Ohren und eure Gaumenfreuden weiter zu vermitteln.
    Viel Spass und viel Glück, aufpassen und weitermachen!!
    Lycka till aus Falkenberg gruß
    Eva-Lena und Fred

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  • Anndreas Hausy

    26. März 2017

    Hallo Rita und Guido, ich habe im letzten Jahr schon eure Radreise nach Nordeuropa über den Newsletter verfolgt. Das hat mich wirklich fasziniert. Euer momentanes Vorhaben ist ja noch um einiges anspruchsvoller. Ich finde es toll, dass ihr das sogenannte „normale Leben“ für eine lange Zeit aufgebt und euch in ein Abenteuer stürzt. Eure Reise inspiriert mich, und ich wünsche euch alles Gute für eure weitere Strecke. Bin schon sehr gespannt auf weitere Berichte und Bilder.
    Grüße aus Süddeutschland
    Andreas

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    • Guido

      26. März 2017

      Hallo Andreas, herzlichen Dank für deine Zeilen, sind es doch auch diese welche uns motivieren unsere Erlebnisse zu teilen! Ja, das „normale“ Leben….
      Wir merken, dass unsere Körper uns jetzt noch die Möglichkeit geben das zu tun was wir gerade tun. Und das wollen wir noch nutzen. Jetzt nach einem Jahr sind wir sehr glücklich den Sprung zu diesen Erlebnissen getan zu haben. Die Chance kommt nicht oft im Leben und irgendwann ist es vorbei.
      Alles Gute wünschen wir dir
      Guido und Rita

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