7 Tage noch, dann folgt ein kamikaze Leben

Sieben Tage vor der grossen Reise stehen an. Wir arbeiten unsere Packlisten auf und ab, wir optimieren und unsere 10 Taschen werden ein- und wieder augepackt. Unser Ziel, endlich wieder los zu ziehen rückt fühlbar näher.

Wie sehr uns die letzten 4 Monaten wieder in den Alltagstrott hineingezogen hat erkennen wir an den vielen Aufgaben und „Kleinigkeiten“ welche wir vor dem Start erledigen müssen. Meine Gedanken reisen ein paar Wochen zurück und bleiben an Erfahrungen hängen. Von diesen Erfahrungen und warum wir ein kamikaze Leben führen werden erzählen wir in diesem Beitrag

Alltagstrott

Die Digitalisierung der Welt führt dazu, dass wir ALLE wichtigen Adressäderungen einerseits elektronisch und andererseits per Einschreiben den entsprechenden Adressaten zustellten.

Nach einer Kontrolle, mussten wir wiederum ALLE Adressaten mindestens ein weiteres Mal per Mail, Telefon oder Einschreiben darauf aufmerksam machen, dass die Adresse trotz Einschreiben nicht gemäss unserem Schreiben angepasst wurde.

Der ganz normale Wahnsinn…..

Interessant für Rita und mich ist, dass wir, als wir ganz „normal“ unserer Arbeit nach gingen nicht so stark wahrgenommen haben wie sehr alle Menschen in das System Schweiz eingebunden sind.

Sich daraus zu lösen um einfach ein Jahr lang los zu ziehen kann erst nach einem höllischen Behördenlauf und vielen oft nicht funktionierenden Abmeldeprzederes erfolgen.

Hunde sind des Reiseradlers grösstes Übel

Hundespray und Hundepfeiffe

Ich habe seit jeher Angst vor Hunden. Ich weiss nicht warum genau, es ist einfach so. Wenn ich auf dem Rad sitzend einen Hund angriffig bellen höre, stellen sich mir alle Haare sekundenschnell raketenhaft auf und augenblicklich trete ich wild in die Pedale.

Für einen Hund ist dies natürlich die Einladung schlechthin mich zu jagen. Hat der Hund noch ein paar Hundefreunde zur Seite geht das ganze Rudel begeistert auf die Jagd.

Was nun? Auf Facebook erhalten wir wertvolle Informationen wie wir bei Hundeangriffen umgehen können. Mit Hundepfeife und Pfefferspray habe wir uns aufgerüstet.

Nun kann nichts mehr schief gehen 😉

Testfahrt:

Über die Hügel des Emmentals

Ein dreitägige Testfahrt führte uns über die Hügel des Emmentals nach Bern und über das Berner Mittelland wieder nach Olten zurück.

Folgende Erkenntnisse haben wir aus der kleinen Fahrt gezogen:
– Die Hundepfeiffe hat funktioniert 🙂
– Mein 18 Jahre alter Kocher, der MSR Dragonfly muss durch einen neuen ersetzt werden. Da der Dragonfly hervorragend zum Kochen geeignet ist und mit fast allen Brennstoffen dieser Welt zurechtkommt habe ich wiederum den gleichen erworben.
– Einige Feineinstellungen an unseren Velos sind zu tätigen (Lenkerneigung, Sattelstellung)
– Ritas neue Schuhe sind definitiv zu klein. Sie muss neue kaufen.

Heisser Kaffe vom Holzfeuer

– Da wir viel Zeit in eher kalten Gegenden verbringen werden habe ich nebst meinem leichten Yety VIB 250 Schlafsack einen zweiten leichten Schlafsack, den Cumulus Taiga 360 gekauft. Diese schiebe ich bei kalter Witterung ineinenander. Eisige Kälte im Schlafsack werde ich so nicht mehr erleben. Das Gewicht der beiden Schlafsäcke zusamen ist weit unter einem Kilogramm.
– Rita nutzt unseren warmen Yeti VIB 400 Schlafsack. Im Sommer nimmt sie einen der leichten Schlafsäcke.
– Unser Zelt, das Hilleberg Rogen funktioniert hervorragend. Es bietet weniger Raum als mein altes Hilleberg Namatji 2 gt, dafür wiegt es ca 1.7 kg weniger. Das Innenzelt kann alleine, ohne Heringe aufgebaut werden.

Noch sieben Tage:

– Die letzten Tage verbringen wir mit packen und aufräumen.
– Mit unseren Freunden vereinbaren wir ein letztes Treffen und essen Dinge welche wir lange nicht mehr bekommen werden.
– Die digitalen Karten sind herunter geladen und abgespeichert.
– Der Mac Book Air ist aktualisiert
– Die Steuererklärung ist ausgefüllt und bereit zur Abgabe. Tkx Bro!

Die Zahnschmerzen

Vor drei Jahren habe ich auf einem Zahn eine Keramikkrone aufsetzen lassen. Immer hatte ich einen leichten Druckschmerz. Die Schmerzen dringen beim Beissen immer elektrischer in meine Nervenbahnen bis ich beschliesse doch noch zum Zahnarz zu gehen. Ein Besuch in Zentralasines Zahnarzststuben scheint mir nach meinen Erfahrungen mit Zahnwurzelbehandlung im Jahr 2004 im tiefsten Pakisten als keine gute Idee. Ich muss zum Arzt! Jetzt!

Die Folge: Keramikkrone wird weggebohrt und damit eine minimini Luftblase freigelegt. Testblombe wieder aufbauen und eine Woche lang testen. Der Test scheint erfolgreich. Ich fühle keinen Schmerz mehr wenn ich beisse! Nun darf ich wieder zum Zahnazt um eine neue Krone herzustellen und einzupassen.

Dann wünsche ich mir Ruhe bis wir wieder in der Schweiz sind.

Packlisten und Pendenzen:

– Iran Visa ist bestellt, jedoch noch nicht zurück.
– Packen
– Wifi Router an Sunrise zurücksenden.
– Zahnrztbesuch

Wir haben unserer Gepäck ein weiteres mal optimiert. Genauere Angeben findet du auf der Radreisen Packliste.

Packliste

Meine Bikepacking Packliste ist auch aufgeschaltet. Bikepacking ist eine Weiterentwicklung vom Radreisen mit Gepäck. Dabei werden die Gepäcktaschen direkt, OHNE Gepäckträger am Rad befestigt. Je nach Reisegegend wird diese angepasst und optimiert.

Kartensammlung für die Reise nach Japan

Viele ahnen es und andere wissen es. Ich liebe es Karten zu studieren. Diese aktivieren meine Vorstellung einer Landschaft. Bilder entstehen in meinem Geist. Daraus entsteht der Wunsch diese Gegenden zu durchstreifen und zu erfahren.

„Ein feiner roter Strich auf der Karte,
viele Kurbelumdrehungen,
ein riesiges Abenteuer auf der Erde“

 

Kamikaze Leben

Gestern hat ein Freund zu uns gesagt: „Rita und Guido, ihr führt ein kamikaze Leben!“
Beim Gespräch danach wird allen bewusst wie vergänglich das Leben ist. Nicht weil wir wiederum aufbrechen um den grössten Festlandteil der Erde mit dem Rad fast ganz zu durchmessen sondern, weil mit diesem Akt dieses Wissen in unser Bewusstsein gespühlt wird

Lange diskutieren wir, Augen werden feucht. Die Vergänglichkeit des Lebens wird fühlbar.

Gemütlichkeit in unserer Villa, Das Hilleberg Rogen

Und, ja, Radfahren ist das gefährlichste was ich jemals unternommen habe. Obwohl du als Radfahrender alles tust um deine Sicherheit am Strassenrand sicher zu stellen, bist du den Fahrern mit grösseren Fahrzeugen welche bei einer Kollision sehrwahrscheinlich deinen Tod verursachen, selber jedoch nicht verletzten werden, ausgeliefert. Insofern ist es richtig, wir führen wie alle andere Radfahrer auch, ein kamikaze Leben 😉

Ein Toast auf alle Radreisenden!

Wäre es nicht sinnvoll als Autofahrer mehr Sorge zu den Lebewesen am Rande der Strasse zu tragen?

7 Tage noch ……..

Wie geht es dir, wenn du zu einem Abenteuer aufbrichst?


14 Comments

  • uwe eckstein

    27. März 2017

    hallo ihr zwei, mir ging es wie dir, aber nach bulgarien brauchst du keine angst vor hunden mehr zu haben. es gibt sie zwar noch in grosser zahl, jedoch immer freundlich und leider oft auch aengstllch, so dass sie einem als hund schon leid tun. nicht mal zu bellen trauen sie sich manchmal, ziehen den schwanz ein und stehlen sich davon. man ahnt nur warum sie hier so sind.
    also dann viel spass und spannung und bleibt fit und froehlich
    gruss uwe

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    • Guido

      4. April 2017

      Hallo Uwe, ja du hast Recht, das Verhalten der Hunde ändert sich. Bin gespannt wie sich die Wachhunde in Anatolien und weiter östlich verhalten. Meine Erfahrungen 2004 waren durchzogen. Vor allem die grossen Schutzhunde sind manchmal nicht lustig. Anyway. ich weiss dass die Angstreflexe bei Hundeangriffen meine eigenen sind.
      Dennoch gibt es definitv Hunde, vor allem in der Gruppe welchen ich ungern begegne, gefährlich oder nicht ist mir egal. 😉
      Gruss und alles Gute Guido und Rita

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  • Holli

    15. Februar 2017

    Hi Guido und Rita,
    viel Spaß auf eurer Tour. Vlt. treffen wir uns ja. Meine Reise beginnt am 20.02. in Thailand. Nach ca. 6Wochen will ich dann in den Iran fliegen um anschl. über Turkmenistan, Usbekistan ins Pamir zu radeln.
    Gruß, Holli

    Reply
    • Guido

      15. Februar 2017

      Hallo Holli! Danke für die guten Wünsche. Es kann gut sein dass wir uns treffen. Wir werden voraussichtlich im Mai in Iran sein, dort noch nach Esfahan und Shiraz und Teheran (Visa Run für Turkmen- und Usbekistan Visa….
      Iranvisa sollte diese Tage kommen ……
      Leider konnte ich deinen Namen nicht finden. Wenn du auf FB bist sende mir doch einen Nachricht oder Freundschaftsanfrage.
      Gruss Guido

      Reply
  • Sandra

    14. Februar 2017

    Hey ihr zwei Mutigen! Ich wünsche euch einen guten Start ins neue Abenteuer, tolle Erlebnisse und möglichst hilfsbereite und freundliche Menschen auf eurem Weg. Gerne werde ich eure spannende Reise digital mitverfolgen!

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    • Rita

      15. Februar 2017

      Hey, hey Sandra! Danke für deine guten Wünsche, die nehmen wir gerne mit in unsere positiven Gedanken. Bis wieder!!!!

      Reply
  • Volker

    14. Februar 2017

    Und wieder ziehe ich ganz tief den Hut vor euch, vor eurer Courage einfach aufzubrechen! Wenn ich eure letzten Zeilen aus der Zivilisation lese, frage ich mich wieder mal was Zivilisation so heißt. Im Grunde ist sie doch ein Gefängnis – und ich, wie fast alle Anderen auch, trau mich da noch nicht raus…..
    Ich wünsche euch viel Glück auf euren Wegen, schöne Erlebnisse allerorten und kommt vor allem heil wieder zurück. Euren Berichten werde ich sicher auflauern! Und „möge die Macht mit euch sein“! 😉 Herzliche Grüße, Volker

    Reply
    • Rita

      15. Februar 2017

      Hallo Volker! So wie ich dich lese, brichst auch du immer wieder auf, mal sind es grosse mal kleinere Projekte. Danke für deine guten Wünsche, die wir gerne mit auf die Reise nehmen. Freue mich ebenfalls wieder von dir zu lesen. Herzlich Rita&Guido

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  • Frederick Schmidt

    14. Februar 2017

    Unsere lieben freunde, nur noch 7 tage bis die japanischen flieger loslegen, zum gebrauch der alten sitte ist vor aufbruch ein glas Sake zu entleeren damit der Kamikaze flug erfolgreich wird. Wir sind im geiste voll dabei, wenn ich rote striche auf der karte sehe dann wirt planiert und durchgeführt!
    Hals und beinbruch an euch beiden Toj, Toj, Toj
    Eva-Lena und Fred

    Reply
    • Guido

      14. Februar 2017

      Liebe Eva-Lena und lieber Fred, herzlichen Dank für die guten Wünsche. Ja ein Glas Sekt wird getrunken! Bis bald wen wir gesund bleiben sehen wir uns ziemlich sicher! Herzliche Guido und Rita

      Reply
  • Jens

    14. Februar 2017

    Ihr 2

    Tönt nach der Essenz dessen, was Abschied, Aufbruch, Sorge und Neugier zu bieten haben ? Von Herzen alles Gute!

    Jens

    PS: bei uns ist es ist der ‚Sea to Summit SP1‘ geworden ?⛺️

    Reply
    • Guido

      14. Februar 2017

      Danke Jens, ja, es hat mit all dem was aufbruch auslöst zu tun. habs beim schreiben nicht bemerkt.

      Sea to Summit SP1 ist geil und ist auch eine alternative welche ich auf dem Radar hatte. Hätte auch das Teil werden können. Viel Spass damit!

      Reply
  • Karo

    14. Februar 2017

    Meine Lieben, von Herzen eine gute Reise. Ja, wenn man zu neuen Ufern aufbricht – fühlt man sich fast ein wenig, wie wenn man morgen zum ersten Mal in den Kindergarten darf oder muss…. Vom leisen Gefühl beschlichen, nicht genügen zu können, oder nur garstigen Menschen zu begegnen oder einfach nicht fit genug zu sein für dieses Wagnis. Einfach wieder wie ein kleines Kind, das sich zwar ganz aufgeregt freut – aber gleichzeitig auch bange ist…. Euch viel Mut und Freude – auf dass Ihr euch gemeinsam auf dem Weg macht – ich gratuliere euch zum ‚Mutigsein‘ und dass ihr es zusammen wagt. Viel Glück und den Mutigen wird die Welt offen sein. Herzlichst, Karo

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    • Guido

      14. Februar 2017

      Liebe Karo, herzlichen Dank für die lieben Worte. Es ist so wie du es beschreibst. Wie wieder in den Kindergarten, einiges scheint bekannt, das meiste unbekannt und fremd. Ganz herzliche Grüsse an dich! Guido und Rita

      Reply

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