Mikroabenteuer. Im Winter zu Fuss durchs Emmental

Kaffeeduft steigt in unsere Nase. Dampfende Tassen gefüllt mit dem von uns geliebten braunen Gebräu halten wir eng umschlossen in unseren Händen. Unsere kalten Hände saugen die Wärme buchstäblich aus der heissen Tasse. Unser Atem produziert kleine sich kringelnde Dampfwölckchen in der kalten Nachtluft.

„Wir schlürfen und wir schauen in die Weite.“

Neben mir, in Gedanken versunken sitzt Rita, meine Frau. Nach einer herausfordernden Zeit für Sie haben wir wieder Zeit gefunden gemeinsam ein paar Tage in der Natur zu verbringen. Wie sehr uns das gefehlt hat, haben wir während der letzten Tage gemerkt.

Bern vom Bantigerturm aus gesehen

Über uns beginnt sich der Himmel dunkel zu färben, am Horizont entsteht ein Feuerwerk an roten Farben. Die ersten Sterne strahlen um die Wette. In der Ferne strahlen die Alpen im letzten Sonnenstrahl.

Sonnenuntergang

 

„Aus dem dunklen Wald hinter uns ruft ein Kauz. Ein junger Fuchs bellt durch die Nacht“

Ruhe breitet sich aus über der Lueg im Emmental. Die Wanderer und Tagesausflügler sind längst verschwunden. Zu kalt und zu dunkel ist der Berg. Irgendwo bellt ein Hund, ein zweiter schliesst sich ihm an.

Seit zwei Tagen sind wir unterwegs in der Region Bern gestartet und in Richtung Olten zu Fuss unterwegs. Wir haben uns spontan entschieden nach der Weihnachtsfeier zu Fuss über die Emmentaler Hügel nach Hause zu wandern.


In Gedanken versunken tauchen in mir Bilder auf aus dem Jahre 2003. Auch zur Weihnachtszeit, während der Adventszeit war ich während sechs Wochen quer durch die Schweiz pilgernd unterwegs. Damals war ich ohne Geld gestartet und die Meiste Zeit zu Fuss unterwegs.

2003 Weihnachtszeit: 6 Wochen auf Pilgerreise durch die Schweiz

 

2005 Weihnachtszeit: 6 Wochen auf Pilgerreise durch die Schweiz

Um mir meine Essen zu besorgen musste ich Menschen darum fragen, betteln. Die Gastfreundschaft, welche ich während dieser Zeit in der Schweiz erleben durfte, ist nur schwer zu beschreiben.

Die Ingredienzien zu unserem Microabenteuer sind folgende:

Ein Ultraleichtzelt von Six Moon Design, welches wir von unserem Freund Marc Fischer zum nutzen erhalten haben, einen Holzkocher (wiegt knapp 90g, Picogrill), Liegematte und Schlafsack, Verpflegung und beste Stimmung. Weiter unten findest du eine Liste für dein erstes Abenteuer.

Meine nach wie vor nicht schmerzfreie Leiste ist der Wandertempo limitierende Faktor. Wir haben beschlossen rund 25 bis 30 km pro Tag zu wandern. Die gesamte Strecke beträgt rund 75 Km.

„Wir sparen uns das Bahnticket von der Weihnachtsfeier nach Hause,“
hatte ich gesagt.

Rita hat spontan, vor allem begeistert „ja“ gerufen.

 

Die Höhenwegen des Emmentals, immer schön mit Sicht auf die Jurahöhen sind unser Ziel. Gelegentlich müssen wir kleine Täler durchqueren um gegenüber wieder auf die Hügelkette aufzusteigen. Hier die gewanderte Strecke mit Schlafplätzen.

 

Feuerstelle mit Schlafplatz

Nachts im dunklen Wald

Die eisige Nachluft wird erhellt von unserem kleinen Feuer in unserem Holzfeuerkocher. Den Chromstahlkocher habe ich anlässlich meines frühzeitig abgebrochen Trail – Wander – Challange vor gut einer Woche zum ersten mal genutzt. Ich bin begeistert. Ein Feuer brennt innerhalb von 1 bis 2 Minuten. Ein Liter Wasser kocht innerhalb von etwa 9 Minuten. Als Feuerholz dienen vor allem kleine Äste. Also solche welche man für grosse Feuer nicht nutzen kann. Sie liegen überall herum.

 

Auf dem Kocher könnten wir sogar grillieren oder uns eben auch an seiner Wärme erwärmen. Das Knistern der Flammen, die Sterne am Himmel lassen mich abschweifen. Lassen mich träume und in Gedanken versinken.

Ein warmes Feuer, Kaffee

Heimat

Wie sehr ich mich draussen zu Hause fühle kann ich nicht wirklich beschreiben. Es fühlt sich an, als würde sich in mir tiefe Entspannung breit machen, ein Gefühl von Heimat. Ich muss nichts tun, mich um nichts sorgen. Ich darf der sein der ich bin. In Gedanken steige ich zu Fuss über die „Lueg“, ein kleiner Pass welchen wir gestern überquert haben. Weite offene Hügelzüge, einige Wäder und überall wie hingeworfen sehen die wunderschönen Emmentaler Bauernhäuser.

In der Ferne zeichnen die Voralpen eine scharfe gezackte Linie in den Himmel. Dahinter erhebt sich das Dreigestirn aus Eiger Mönch und Jungfrau. Weiter im Osten ist der Pilatus, der Hausberg von Luzern zu erkennen. Davor wellt sich das Emmental sanft in Richtung Seeland und dem Schweizer Mittelland. Im Westen grenzt der Jura den Horizont mit dem weithin sichtbaren Weissenstein ab.

Sonnenuntergang auf der Lueg

 

Emmentaler Bauernhaus

Die Grossen Emmentaler Bauernhäuser mit ihren schönen Vorgärten liegen verstreut auf den Hügeln. Faszinierend sind auch die einzelnen Bäume auf Hügelspitzen, welche sich in den Himmel recken. Sie scheinen sich  mit dem weit entfernten Nachbarsbaum zu zu unterhalten. Manchmal fühle ich mich wie ein einsamer Baum auf einem Hügel. In letzter Zeit tauchen in meinem Umfeld andere Bäume auf. Sie stehen alleine auf einem Hügel, und recken mit Ihren Ästen in den Himmel.

„Was bist du für ein Baum. Wo stehst du? Was ist deine Aufgabe als Baum.“

rufen: “ Hallo Baum da trüben schau! Ich sehe dich! Schön, dass du da bist und dich zeigst. Erzähle mir doch wie du es geschafft hast all die Jahre auf deinem Hügel zu leben?

Mikroabenteuer:

Das Abenteuer vor der Haustüre wird heute auch Mikroabenteuer genannt. Auf Neuenglisch : Ouvernighter wenn du dazu noch eine oder zwei Nächte draussen verbringst Ob mit dem Rad zu Fuss oder dem Mountainbike unterwegs bist ist egal. Hauptsache du bist draussen.

Es spielt keine Rolle ob du eine mehrmonatige Weltreise unternimmst, oder mal zwei Tage in der Umgebung eintauchst und diese auf neue Art zu entdecken beginnst. Um etwas zu erleben, um die Welt zu entdecken ist es nicht notwendig weit zu reisen. Jeden Tag, zu jeder Zeit kannst du ein Abenteuer vor der Haustür erleben Das gute daran: die Kosten sind extrem tief, es ist beinahe kostenlos, vorausgesetzt du bist bereit etwas Zeit für das Vorbereiten der Ausrüstung einzusetzen.

 

Geh einfach rauss! Folge den nächsten Bachlauf bis zu seiner Quelle, zünde ein Feuer an! Such dir jemanden mit dem du eine Nacht draussen im Zelt oder Bivksack verbringen kannst.

Ausrüstung für ein Microabenteuer mit Übernachtung?

Nebst deinen für das jeweilige Wetter angemessenen Kleidern und guten Schuhen benötigst du 11 Dinge.

  1. Topf
  2. Schlafsack
  3. Liegematte
  4. Blache als improvisiertes Zelt
  5. kleine Taschenlampe
  6. kleines Nothilfeset
  7. Wasser in Plastikflaschen
  8. Feuerzeug
  9. Rucksack
  10. Regenschutz
  11. Verpflegung, diese packst du am besten in kleine Plastikbeutel, ist jedoch nicht unbedingt nötig
    Als Verpflegung eignet sich Couscous, ein Boillonwürfel, Instantkaffe, etas Zucker, ev Kondensmilch oder Milchulver. Als Sauce für den Couscous kannst du ein Beutel Tomatensuppe oder ähnliches in das zu wärmende Wasser geben. Ich verspreche dir, dass du noch nie so feine und schmackhaftes Couscous gegessen hast.
    Alternativ eignen sich auch Haferflocken. Diese kannst salzig oder zum Frühstück süss zubereiten (Zucker und Kondensmilch)
    Schokolade, Nüsse, Feigen usw.
Nachts allein im Wald

Abenteuer kosten sehr wenig bis nichts, ist die notwenige Ausrüstung doch meisten bereits zu hause irgendwo im Keller am verstauben. Anderes kann mann sich billig selber basten. Z.B kannst du einen Alkoholkocher aus einer Alugetränkebüchse innerhalb von 30 Minuten selber herstellen. Einen genialen Holzofenkocher „Hobokocher“ stellst du innerhalb von max 2 Stunden aus zwei Konservendosen her.

Später, wenn der Spass definitiv erwacht ist, wirst du deine Ausrüstung optimieren und anpassen wollen. Im Netz gibt es tausende Seiten welche Anregungen für das herstellen von Ausrüstung erläutern. Einfach Googeln und des Stichwort eingeben. Z.B „Holzkocher do it yourself“.

Ich selber habe vor Jahren genau so begonnen. Ich habe im Keller zusammengesucht was herumlag und bin losgezogen. Mit den Jahren habe ich die Ausrüstung optimiert.

Hast du Fragen?

Möchtest du gerne ein Microabenteuer erleben, du brauchst jedoch noch etwas Support oder Informationen dazu, wie du am besten vorgehen musst? Melde dich per Mail, Schreibe einen Kommentar ich antworte sobald möglich.

Gerne unterstütze ich dich auf deinem Weg.


4 Comments

  • Christo Foerster

    20. Juli 2017

    Großartige Aktion. Vielen Dank fürs Teilen Eurer Erlebnisse! Ich bin selbst begeisterter Mikroabenteurer und gerade dabei, das Thema mit dem Mikroabenteuerprojekt „Raus und machen” in Deutschland noch populärer zu machen (http://www.christofoerster.com/rausundmachen). Ich lebe in Hamburg, da sind die Berge leider weit weg. Aber das wirklich Tolle an der Idee der Mikroabenteuer ist ja, dass du immer wieder nach Möglichkeiten suchen musst. Deshalb bin ich im Mai in Hamburg in den Nachtzug gestiegen, am nächsten Tag von Innsbruck auf die Serles gewandert, habe eine Nacht bei heftigem Schneetreiben im Biwak verbracht, dann ging’s mit dem Nachtzug wieder zurück. War grandios! 🙂 Es gibt mittlerweile übrigens auch eine deutschsprachige Facebookgruppe , in der sich Gleichgesinnte austauschen können: https://www.facebook.com/groups/mikroabenteuer Besten Gruß aus dem Norden und vielleicht ja mal auf bald da draußen!

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    • Guido

      20. Juli 2017

      Danke für die motivierenden Worte Christo. Ja, mal schnell eine Nacht raus ist richtig cool! Wir lieben das. Es geht definitiv nicht um die Dauer, viel mehr geht es darum es zu tun! Alles gute bei deinem Projekt! Melde mich bei der FB seite gleich an.
      LG Guido

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  • Sandra Kaiser

    28. Januar 2017

    Total coole Idee..! War es nachts nicht sehr kalt im Schlafsack? War ein wärmendes Inlay nötig oder ein Bivybag drüber..?

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    • Guido

      28. Januar 2017

      Hallo Sandra, schön von dir zu lesen. Nein es war kein Inlay nötig. Ich trug gefütterte Hosen und Jacke, Rita auch 🙂
      Diese Woche gehts wieder vier Tage auf Tour. Vorbereitung 😉
      LG Guido

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