Winterschlaf? Noch 70 Tage . Wie weiter?

Vor mir liegen Reiseführer, Packlisten, Karten und die Reparaturbestätigung für mein Reiserad, das Papalagi und viele Zettel mit unerledigten Pendenzen wie:

  • Papalagi reparieren und für Reise bereitstellen
  • Speichen kaufen
  • Visa organisieren
  • Adressänderungen
  • Ausrüstung optimieren
  • usw. usw.

Das Gleiche findet auf Ritas Schreibtisch statt, nur mit anderen Inhalten 😉

Apropos Fahrrad:

Mein Papalagi, steht seit zwei Monaten beim Radmechaniker zur Behebung diverser Schäden wegen mangelhaftem Material. Rita hat ihr auf Garantie in stand gestelltes Bike vor einem Monat wieder abholen dürfen. Unsere Räder waren Anfang Jahr neu.

Mit dem Papalagi Reiserad von MTB Cycletech haben wir gemäss Werbung „Das Schweizer Weltreiserad“ schlechthin gekauft. Wir haben im Wissen, dass wir anspruchsvolle Strassen und Gebiete befahren werden nur bestes Material in einem spezialisierten Outdoorgeschäft in Aarau erworben.

„Ein Glück sahen wir unsere diesjährige Reise als Testfahrt für Material und Mensch an. Wären wir extrem abseits von Radgeschäften mit gutem Sortiment unterwegs gewesen, hätten wir aufgrund diverser Garantiefällen und Beratungsfehlern echt Probleme bekommen.“ 

Deshalb ist die Freude an unserem Papalagi, den Garantieleistungen und der Beratung eher durchzogen.

Merke: „Auf langen Radreisen zersetzt sich die gesamte Ausrüstung in einem unglaublich schnellen Tempo.“

Unterwegs haben wir nebst nachfolgenden Herausforderungen zwei mal einen platten Reifen bei meinem Rad gehabt. Wir haben je vier Ketten benötigt. Für die neue Fahrt müssen wir die verschlissenen Ritzel ersetzen und die Kurbelblätter müssen gewendet wenden, da auch hier die Zähne auf der einen Seite abgewetzt sind.

Antrieb mit Rohloff und Kettenspanner

Wir haben je ein Paar Bremsbeläge ausgewechselt und einmal einen Ölwechsel bei der Rohloffschaltung machen müssen. Dazu kamen verschiedene Anpassungsarbeiten an den Bremseinstellungen, Reinigung und Pflege des Antriebes nach jeweils rund 800km sowie den Ersatz einer Gepäckträgerschraube.

 

Bemängelt, respektive als Garantiefall angezeigt haben Rita und ich folgendes:

  • Speichenmontage am Hinterrad.
    Wir fuhren mit eher leichtem Gepäck, Rita mit nur zwei leichten Taschen plus Rolltasche gefüllt mit Schuhen und Regenschutz. Zu 95% befuhren wir sehr gute Strassen mit sehr wenig Schlaglöcher usw.:
    Ich 1 Speichenbruch, Rita 4 Speichenbrüche.
  • Sattel:
    Unsere Sättel wiesen beide nach weniger als 2’000 Kilometer seitlich Risse auf. Lösung: Garantie. Wir haben nun den Brookssattel B17 erworben.
  • Rohloff Schaltbox:
    Schaltgriff für Rohloff Schaltung vor der Reise

    Es stellte sich heraus, dass mein Schweiss vorne am Lenker bei der Schaltung in das Kabel fliesst , von da aus durch das Schaltkabel bis in der Schaltbox. Dort bildete sich ein Aluzerstörendes Gemisch aus Feuchtigkeit und Salzen. Die Folge der teure Alugriff für Rennlenker und die Schaltbox sind nach 12’000km an meinem Rad zerstört. Lösung: Am Rennlenker wird der original Drehgriff von Rohloff am rechten Lenkerende montiert. Analog Lenkerendschalter. Die Schaltbox wird erneuert.

  • „The Plug“ USB Stecker:
    Der USB Stecker für den Lenkerkopf hat nach rund 6000km den Geist aufgegeben (Der Strom für das Laden der elektronischen Geräte wird durch ein SON 28 Dynamo bereit gestellt).
    Ursache zu viel Schweiss fliesst über das edle Stück. Der Plug ist nicht Wasser/Schweissdicht. Er wurde widerwillig als Garantiefall ersetzt. Das Ding ist auf Hardcorereisen untauglich. Nun werde ich den Plug in eine Rahmentasche verstauen.
  • Kurbellager:
    Mein Kurbellager war nach 10’000km zerstört. Lösung Neues Lager auf Garantie wurde ersetzt.
  • Schalt und Bremskabel
    Div. Schalkabel und Bremskabel ersetzen da voller Salz und Rost von meinem Schweiss.

 

Ich hoffe dass ich vor Weihnachten mein Rad abholen kann. Ich muss selber noch einiges in Stand stellen:

  • Montage neuer Kurbelblätter / nur wenden
  • Neue Ketten montieren
  • Installation des The Plug (USB Charger) so dass er nicht mehr nass wird
  • Umbau Sättel
  • Anpassen Gepäcktaschen
  • Diverse Kleinarbeiten

Dann kann’s wieder los gehen.

Die Welt dreht sich schnell, politisch verläuft vieles nicht in die Richtung, in welche ich es mir wünschen würde. Das können wir nicht ändern. Wir können jedoch drei Dinge tun.

  • Dafür oder dagegen sein, wie sich die politische Lage entwickelt, dennoch schweigen und damit zur schweigenden Masse gehören.
  • Oder, nicht schweigen, Posts in den sozialen Medien posten und mit anderen reden und argumentieren, die eigene Situation jedoch nicht verändern.
  • Oder, sich um seine eigenen, beeinflussbaren Belange kümmern, schauen dass man ein gutes Leben hat und das tun was einen gut tut.

 

Auf Punkt drei konzentrieren wir uns!

Etwa 6 bis 7 Monate haben wir 2016 inklusive Trainingsfahrten auf dem Rad verbracht. Nach wie vor sind wir überwältigt:

  • Total haben wir in den letzten zwölf Monaten 19 Länder besucht und rund 13’000km sind wir gefahren. Wir standen am Nordkapp. Ein Traum welcher mich seit rund 45 Jahren begleitet hatte wurde Wirklichkeit. Wo unsere Route durchführte kannst du hier sehen.
Nordkapp
  • Ich bin noch einmal eine Woche mit dem Rad nach Deutschland und Frankreich gefahren um Freunde zu besuchen.

 

  • Im November war ich drei Wochen radfahrend in Marroko unterwegs. Den Bericht und Fotos dazu findest du hier.
  • Eigentlich wollte ich noch eine Woche zu Fuss durch die Schweiz wandern. Leider musste ich am zweiten Tag aufgrund von Schmerzen in der Leiste die Wanderung aufgeben.
Grosser Myten, bei Sonnenaufgang
Camp mit Feuerstelle am Fusse der Felswand des grossen Myten

Interessant ist, was ich während der einen Nacht erlebt habe:

Ich lag schlafend im Zelt weit abseits im Wald …..
es ist Nacht, zwei Leuchten leuchten im finstern Wald.
Ich: „Hallo!“
Eine Stimme: „Hallo, hier ist die Polizei. Jemand hat eine verdächtige Person gemeldet welche ein Feuer macht!“
Ja, was denn sonst, wenn’s kalt ist?
Wie geil ist das denn? Die Polis mussten sogar den Pfad hochwandern um den Übeltäter zu besuchen.

Was nun? Vor allem wohin wollen wir im Jahr 2017 fahren?

Diese Frage haben wir für uns schon 2005 beantwortet. Als ich damals mit dem Rad nach Indien fuhr habe ich die Reise wegen privaten Herausforderungen auf halbem Weg abgebrochen. Mein Wunsch, die asiatische Ostküste mit dem Rad zu erreichen habe ich nie vergessen und nie aufgegeben.

Dies soll nach der Nordkapp Tour die erste grosse Fahrt unserer geplanten Welterkundung werden.

Seit unserer Rückkehr im Oktober studieren Rita und ich die politische Lage im Osten, vor allem in der Türkei. Angst sei ein schlechter Ratgeber, sagt man. Dennoch wollen wir die Risiken gut abwägen, unsere Streckenwahl mit gesundem Menschenverstand planen ohne uns aus falsch verstandenem Ehrgeiz auf etwas verrücktes einzulassen.

Sollen wir? Oder sollen wir nicht?

Der Entscheid ist ist vor ein paar Tagen gefallen, wir reisen nach Osten über den Balkan, Türkei ev. Armenien, Asarbaitschan, Iran und Zentralasien um nach China zu gelangen. Auf die Gefahren und Risiken aufgrund politischer Veränderungen werden wir unterwegs agieren.

Türkei, Kayseri, 2004

 

Iran, Esfahan, 2004

 

Pakistan, Karakorum Highway. 2004

In Zentralasien werden wir entscheiden ob wir die Südroute über den Karakorum Highway nach Pakistan, Indien, Myanmar und weiter nach China fahren.
Oder, in Westchina direkt weiter in Richtung Osten, die Takla Makan Wüste nördlich umfahrend, weiter nach Südosten um an die Chinesische Ostküste gelangen.

Natürlich darf der legendäre Pamirhighway in Zentraasien auf unserer Route nicht fehlen. Diese Strecke wie auch der Karakorum Highway von China nach Pakistan führen über Passe bis weit über 4’700 Meter über Meer.

Hier die Karte mit der geplanten Strecke. Und hier die Karten der bereits gefahrenen Strecken.

 

70 Tage noch.

Anfang März geht der Winterschlaf von Ausgebüxt.com zu Ende. Es wird Zeit aufzuwachen und weiter zu ziehen, weiter unserem Traum zu folgen um zu neuen Erfahrungen und zu faszinierenden Begegnungen mit Menschen zu gelangen.

Unsere Herzen hüpfen bei dem Gedanken daran vor Freude. Unsere Augen werden glasig, wenn wir uns vorstellen auf dieser wunderschönen Erde zu reisen.

Wir freuen uns unendlich.

Und Du? Worauf freust Du dich unendlich?

Was begeistert dich so sehr, dass du bereit bist einiges hinter dich zu lassen und in unbekannte Gefilden aufzubrechen?

Herzlich Guido und Rita


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6 Comments

  • Olga und Michel

    26. Januar 2017

    Wow bald geht es los! Wir wünschen euch einen guten Start für eure nächste Tour! Vielleicht trifft man sich in Zentralasien. Wir wollen ca. im August im Pamir fahren!
    Beste Grüße,
    Olga und Michel

    Reply
    • Guido

      26. Januar 2017

      Ja noch 4 Wochen. 🙂
      wir werden voraussichtlich auch im August im Pamir unterwegs sein….
      In Zentralasien kann man sich fast nicht verpassen, sagt man. Alles gute.
      Beste Grüsse
      Guido und Rita

      Reply
  • Frederick Schmidt

    19. Dezember 2016

    Fantastisch liebe Rita und Guido, leider wohnen wir dieses mal nicht an der Strecke sonst ja sogleich wieder eingeladen zum übernachten!

    Reply
    • Guido

      19. Dezember 2016

      Hallo Frederick. Ja, es ist schade wohnst du nicht an der Strecke 🙂
      LG Rita und Guido

      Reply
  • Thomas

    19. Dezember 2016

    Hallo Rita und Guido ich hoffe der Blog über eure Tour wird mindestens so spannend wie der von den diesjährigen Touren. Ich lieben solche Reiseberichte. Wenn mein Kind mal groß ist, weder ich auch wieder ein paar touren unternehmen. Euch viel Glück auf euren Reisen.

    Reply
    • Guido

      19. Dezember 2016

      Hallo Thomas. Danke für das Lob. Dieser freut uns sehr. Vor allem freut mich dass es dich anregt auch mit deiner Tochter unterwegs zu sein. Wie ich dich kenne, zumindest auf FB erlebst du mit deiner Tochter auch schöne Abenteuer. Ich finds nur cool! LG Guido und Rita

      Reply

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