Bikepacking Marokko, mit dem Crosser über den Atlas zu den Dünen

Nach der Nordkappfahrt im Sommer 16 und einem 1000 km Kurztrip nach Deutschland und Frankreich kann ich meine Beine noch immer nicht still halten. Was liegt also näher, als noch einmal für knapp drei Wochen aufs Rad zu steigen. Wohin soll es gehen? Hier ist es kalt und eher nass. Ich möchte eher trockenes und nicht zu kalte Tage auf dem Rad verbringen. Etwas Abenteuerfeeling darf es natürlich auch geben. Aber wohin ist die Frage.

12.11.16 Olten

Alles ist gepackt und bereit zur Abreise. Es ist Samstag, am Mittwoch habe ich spontan einen Flug nach Marakesch gebucht.

 

Wie schon für die Fahrt nach Deutschland reise ich mit Leichtgepäck, im Bikpackingstil Dabei werden die Packtaschen direckt an das Rad montiert und nich wie üblich an Gepäckträgern aufgehängt.
Dennoch ein kleiner Kocher Schlafsack, Liegematte und Bivaksack müssen mit. Als Rad nehme ich meinen Alu Cross Renner von Rose mit (leicht, schnell und weit sind seine coolen Attribute). Mit diesem kann ich locker Schotterpisten und auch etwas rauere Strassen befahren. Die Strecke kannst du hier anschauen.

Im Flughafen Basel Mülhause backe ich mein Rad schwitzend und leicht fluchend in die am Flughafen gekaufte Kartonbox. Nach zweimaligem öffnen der bereits zugeklebten Box ist auch das nicht im Fluggepäck verstaute Sackmesser und Werkzeug mit Ductape ans Rad geklebt und verpackt. Am Fahrrad habe ich auch ein paar meiner Gepäckstücke befestigt. Der Rest findet in meinem Handgepäck platz, ein kleiner 15 Liter Rucksack von OMM. Beim Check in fragt mich die nette Dame ob ich die Luft an den Reifen abgelassen habe. Ohne rot zu werden und freundlich lächelnd höre ich mich „ja“ sagen.

Ein kurzer Flug. Am neu gebauten Flughafen von Marakesch steht jemand bereit, welcher mich und meine Kartonbox abholt. Mein langjähriger Freund Joao (er lebt seit Jahren in Marokko) hat mir die Einreise vereinfacht und ein Zimmer organisiert. Meine Kartonbox wird bis zu meinem Rückflug aufbewahrt.

 

Kaum in meinem Zimmer und später auf den Strassen von Marakesch bin ich von den Gerüchen, dem exotischen Flair den Geräuschen und der Musik überwältigt. Afrika hat mich wieder!

„yeaaaaaaaa!!!!“

In Marakesch / Marroko herrscht Ausnahmezustand. Ban Ki – moon der Präsident der UNO weilt hier. Die nächsten Tage findet die COPP22 (Weltklimakonferenz) statt. Alle Brücken sind bewacht überall steht Polizei herum. Dennoch ist alles cool und friedlich.

13.11.16 Marrakesch

Endlich geht es los! Zuerst quere ich die Medina um dann durch schale Gassen den Weg aus der Stadt zu suchen. Ich fahre gegen Norden auf der wenig befahrenen Hauptstrasse in Richtung Casablanca. Mein erstes Ziel.

Bald finde ich meinen Rythmus, der Atem geht ruhig, der Schweiss fliesst und ich bin zufrieden, verbringe einen Tag voller visueller und emotionaler Erlebnisse. Abends beschliesse ich etwa 200m von der Strasse entfernt bei einem nicht fertig gestellten Haus zu biwakieren. Kein Zelt also…..

14.11.16 / 02h15

Ein feuchter Windhauch streicht über meine eiskalte Nase welche aus dem kleinen Guckloch meines gut verschlossenen Schlafsacks schaut. Ein Schatten streicht über den vollen Mond. Dieses Geräusch und das Lichtspiel auf meinen geschlossenen Liedern reizt mich. Ich versuche meine verklebten Augen zu öffnen und aus besagtem Loch zu lugen. Ich erkennen einen Schatten, nein dass muss ein Hund sein! Nein zwei, nein es sind deren drei welche um mich herum stehen und schnuffeln.
Ein kehliger angsterfüllter Laut verlässt meine Kehle.

In versuche wie von einer wilden Wespe gestochen aufzustehen, versuche verzweifelt meinen Schlafsackreisverschluss zu öffnen und aus meiner Schlaftüte zu kriechen.
Die Hunde rennen weg um sich umgehend wieder umzudrehen und zu kläffen. Ich greife meine Stirnlampe und leuchte in die Ferne. Drei goldene Augenpaare leuchten mir entgegen, ein Riesenlärm und ich stehe mit nackten Füssen vor meinem Schlafsack. Eine Dachlatte mit rostigem Nagel in der einen Hand und in der anderen einen Stein…..
Da steigt mein Spruch : „gehe da hin, wo deine größte Angst ist.“ in das nächste level.

Mit Schlafen wird’s nichts mehr. Innerhalb von 15 Minuten habe ich mein Gerödel eingepackt. Mit der Stirnlampe leuchte ich mir das Rad schiebend den Weg auf die Strasse. Aus dem Gebüsch hallt Hundegebell.
Ich fahre los, beruhige mich langsam, mein Tempo ist hoch. 20 Kilometer weiter halte ich an einer Tankstelle. Dort darf ich im Garten eines geschlossenen Restaurants schlafen. Irgend wann wird mir klar, dass die Hunde wohl mehr Angst vor mir hatten als ich vor ihnen.

 

 

Ein paar Stunden später, völlig übermüdet weckt mich die wärmende Sonne und ich mach mich auf den Weg.

 

Gemütlich fahre ich die restlichen achtzig Kilometer nach Casablanca wo ich in einem Hostel übernachte. Eine kurze Stadtbesichtigung mit einer Reisenden welche ich im Hostel kennen lerne lässt den Nachmittag schnell vergehen.

Am Strassenrand werde ich von Strassenarbeitern zum Couscous essen eingeladen.
Du sitzt am Boden isst mit den Fingern, alle sind zufrieden. Ein Augenblick voller Intensität.

 

Am nächsten Morgen besuch ich Rick’s Kaffee, das legendäre Kaffe aus dem Film Casablanca mit Humfrey Bogart. Leider wurde der Film vollumfänglich in den USA gedreht…….

15.11.16

Irgendwo lädt mich meine GPS dazu ein rechts auf eine Schotterpiste einzubiegen. Was nun folgt sind grandiose einsam Kilometer im mittleren Atlas. Quasi kein Verkehr, wunderschöne Pisten schlängeln sich durch eine sich in allen Rot – und Brauntönen zeigende Landschaft.

Kein Shop weit und breit. Ich verfüge über etwa 1.5 Liter Wasser und eine Büchse Thunfisch. Vergiss nie mehr Esswaren einzupacken als du denkst an diesem Tag zu benötigen.

 

Kurz vor Sonnenuntergang hilft mir ein junger Marockaner einen Schlafplatz zu finden. Trotzdem verbringe ich eine unruhige Nacht und wechsle Abends um zehn Uhr, wieder unter der zu Hilfe name des Jungen Marockaners noch einmal meinen Schlafplatz in ein anderes leer stehendes Haus.

16.11.16

Zwei Tage voller Bewegung, Schotter, Berge, viele Berge. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit stürzt auf knappe 16km/h ….
Ich treffe Menschen voller Herzlichkeit.

Die täglichen Hundesprints wirken wie ein Fahrtspiel, motivieren maximale Leistung abzurufen. Vor allem wenn du dabei noch einen Berg hochfahren musst.

18.11.16

Gestern Donnerstag fuhr ich „nur“ 35 km und machte in Khenifra, einer hübschen kleinen Stadt im mittleren Atlas halt. Regeneration war dringend nötig. Also schlenderte ich durch den Markt und ass alles was ich wollte, trank Kaffe und ass noch mehr.


Heute war eine Passfahrt angesagt. Passhöhe 2000 MüM. Dort treffe ich zwei Schweizer im Wohnmobil. Ich bekomme O-Saft und Schokolade ????

Einmal mehr bin ich von der an mir vorbeiziehenden Landschaft geradezu überwältigt. Am Horizont das bereits mit Schnee bedeckte Atlasgebirge. Vor mir erstrecken sich unendlich scheinende Geraden, über weite Hochebenen, sich verlierend hinter sanften Wellen, um am Horizont wieder aufzutauchen und in der Unendlichkeit des sich mit der Erde küssenden Himmels zu verschwinden.

Nun hänge ich in eine kleinen Stadt in einem Hotel mit kalten Zimmern. Hier hat niemand eine Heizung. Wie sehr wir uns gewohnt sind jederzeit eine warme Wohnung zu haben wird mir hier einmal mehr bewusst.

19.11.16 Samstag

Nach 100 Kilometer treffe ich Peter Ruthe. Er ist sehr erfahrener Weltradler und schon Jahrzehnte immer wieder mit dem Rad in Marocko unterwegs. Wir quatschen 10 Minuten am Strassenrand und beschliessen uns am Abend auf einem Zeltplatz zu treffen. Weiter gehts südwärts durch den Atlas. Immer wieder bleibt mir ob der überwältigenden Natur der Atem stehen. Ich fahre durch eine Schlucht im Stile des Grand Canyon und mitten drin steht unser Hotel.

Mir wird bewusst, dass ich die ersten Tage unter einem Kulturschock litt. Dies obwohl ich reisegewohnt bin und schon viele vom Islam geprägte Länder per Rad besucht habe. Nun fühle ich mich seit zwei Tagen wieder wohl, wieder motiviert und begeistert.
Rita meine Frau fehlt mir.

20.11.16 Sonntag in Marrocko

Peter und ich beschliessen ein paar Tage zusammen zu fahren. WIr sind beide unterwegs nach Merzouga. Hier befindet sich eine etwa 30 mal 20 Kilometer grosse Düne.
Hier fand der Start des Marathon des Sables vor drei Jahren statt. Bilder aus dem Rennen tauchen vor meinen Augen auf, Bilder voller Faszination, Ruhe und Schlichtheit.

Mensch besuche die Erde auf dem Fahrrad, zu Fuss wenn das nicht geht schwimm oder dann auf dem Motorrad oder Auto! Es gibt si viel zu lernen und zu begreifen. Das schnelle Reisen mit dem Flugzeug, Taxi und der Aufenthalt in für Einheimische abgesperrten Hotelanlagen verhindert diese intensive Erfahrung.

20.11.16 Marrokko

Steinwüste,
Weite
Berge
Stille
Singend Kette
Gegenwind
Raum im Geist
Traum wird wahr
Bin glücklich.

22.11.16 Merzouga

Gooooood Moooorning Maaarrooookkoooo
Mein Arbeitsplatz ruft ….


wie sieht deiner aus?

23.11.16 Marrokko

Berge in der Ferne
Steinwüste
Oasen
Wind, viel Gegenwind
Menschen die nach Wasser fragen
In N’Kob etwas die beine hochhalten.
Viele Fliegen ??????
kühle trockene 7 grad
eine absteige, ihr wollt es nicht wissen
gutes frühstück

   

24.11.16

Heute waren’s rund 70km
Davon knapp 40 auf rauem Asphalt mit solidem Gegenwind
Danach seidenfeine neue Strasse.
Der Camping, 3km vom Zentrum entfernt, hat definitiv nicht begeistert.
Ein süsser Minzentee, ein Hotelzimmer (innenliegendes Zimmer im Zentrum).
Hier in Marroko kehrt Abends um ca. 10h00 Stille ein. Ich schlafe wie ein Stein.

25.11.16 Ouarzazate, Marrokko

Als ich am Morgen losfahren will stelle ich fest, dass mein Hinterradreifen platt ist. Ok, ich setze einen neuen Schlauch ein. An Tankstelle wird gepumpt. Auch vorne.

Jetzt in Ouazazate erschrickt mich ein lauter Knall und mein Vorderreifen platzt ….
Am nächsten Tag finde ich Ersatz! Geil!

27.11.16 Ouarzazate,

Seit 16 Tagen auf Tour in einem faszinierenden Land voller Überraschungen, Farben und Kulturen.
In Ouarzazate treffe ich meinen Freund João Leitão! Er lebt hier seit knapp 10 Jahren und zeigt mir die Stadt wie sie wirklich ist.
Später treffen wir auf Beatrice und Guillaume aus F welche mit ihrem Oekobus bald auf Afrikatour starten….

Neuer Plan für mich.

Ich bleibe hier und fahre mit Joao in fünf Tagen, am nächsten Mittwoch mit dem Auto nach Marrakesch. Less km more Culture…

01.12.16

In Marakesch erhalte ich meine Kartonschachtel, packe mein Rad hinein und ab zum Flugplatz. Pünktlich lande ich in Basel. In Gedanken immer noch in Marocko. Sobald möglich werde ich wieder hinreisen. Diesmal hoffentlich noch länger.


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