Schmerzende Knie und das Radfahrer Monument

13.03.16, Zügeltag

Umzugskartons, ein paar Möbelstücke, 9 Velos. Man stelle sich das mal vor – 9 Velos! Alle stehen fein säuberlich aufgereiht in unserem Reiheneinfamilienhaus und warten auf den Umzugstag. Dann ziehen wir in eine 2.5 Zimmerwohnung. “Reduktion auf das Wesentliche” ist unser Mantra.

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Ich nehme mehr als 100 Dinge mit in die neue Wohnung. Viel mehr als ich wirklich benötige.

Welche paar Dinge würdest Du mit auf die Insel mitnehmen?

Rita und ich erleben eine intensive Zeit.

Es gibt Tage da treten Menschen in deine Welt, die dir durch ihr Handeln zutiefst bewusst machen, wie richtig deine Entscheidung war. Andere Menschen tauchen auf, die in eine ähnliche Richtung gehen wie du dich neuerdings auch entschieden hast zu gehen. Sie reichen dir die Hand. Äussern sich so, dass du erkennen kannst, “du bist nicht allein mit deinen Werten und Zielen”. Ich erkenne, was ich zuvor nicht erkannte, ich habe Beziehungen bei denen mehr als nur Kollegialität dahinter ist.

Es gibt die Freunde, welche dir immer erhalten bleiben, dich in deinem Tun bestätigen. Sie sind es die kritische Fragen stellen ohne dir den Raum zu nehmen, deinen eigenen Weg zu gehen. Welch grossartiges Geschenk!

 

 

25.03.16, Karfreitg

Nach einem schnittigen Umzug sind wir in unserer neuen 2.5 Zimmerwohnung eingerichtet. Bei meinem inneren Chaos liebe ich die äussere, reduzierte Ordnung. Unser Mantra “Reduktion auf das Minimum” – knapp geschafft.
Chaos bei Ausgebuext

Wenig Möbel lassen viel Raum. Raum den ich dringendst benötige um meinen vielen Gedanken Platz zu geben sich in Worte zu legen, so dass diese ihren Weg aufs Papier erhalten. Wie sehr mir dieser Raum gefehlt hat, merke ich wenn ich einen Morgen lang im Stuhl sitze und an meinem Blog arbeite.

26.03.16, Ostersamstag

Die Packliste liegt ausgedruckt auf dem Fussboden. Um uns herum alles Notwendige für die Reise. Wir verfrachten Einiges mehr für die zweite Testfahrt, als für die erste Tour. Rita instruiert mich ziemlich deutlich: “Es darf ja auch etwas komfortabel sein, so unterwegs mit Übernachtung im Zelt!”

Noch einmal überarbeite ich die Strecke auf Google Maps und Basecamp. Die letzte Streckenversion zeigt von Valance bis nach Genf, inklusive der geplanten Überfahrt des Mont Ventoux, rund 750km und 12’000 Höhenmeter. Sollten wir danach noch Popeye’s Power haben, werden wir die Strecke, Genf – Olten auch noch pedalen.


Die Räder erhielten ihren ersten Service. Ich habe ein paar Anpassungen gemacht und die Idee, unser Zelt in Rita’s Gepäck abzutreten. Dies nachdem sie anlässlich der
letzten Testfahrt während dem Aufstieg ins Valle Centovalli in einen Bergsprint startete und ich mich plötzlich abgeschlagen mit grossem Rückstand auf Rita den Berg hinauf quälte.

Eine fatale Idee wie sich diese Tage noch zeigen wird.

 

27.03.2016, Ostersonntag, 50km/133hm

Olten, 08h40 der ICE nach Genf erzittert leicht und fährt los. Die Fahrt durch das Seeland verbringen wir mit Staunen darüber wo wir während der letzten 10 Jahre zu Fuss und mit dem Rad überall in den Jurahöhen herum gekommen sind. Wahnsinn!

 

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In Genf steigen wir in den TGV, Richtung Nizza. Innerhalb von 2.5 Stunden sind wir in Valance. Raus aus dem Zug, rauf aufs Velo und los. Noch wackelnd und unsicher steuern wir mit den vollgepackten Rädern aus dem TGV- Bahnhof von Valance und verlassen uns auf den von mir entwickelten Track, der uns umgehend in eine Seitenstrasse führt. Wenn das nur gut kommt?

Das GPS ist ein handygrosses Gerät auf dem ich alle Karten elektronisch abspeichern kann. Mit Hilfe eines Programms (Basecamp und den gekauften Strassenkarten Europas) hatte ich die Strecke geplant. Auf der Karte kann eingestellt werden ob man Autobahnen, Forstwege und dergleichen vermeiden will.

Der gewählten Seitenstrasse folge ich gespannt, dicht an meinem Hinterrad klebend, folgt Rita, überglücklich meinen Windschatten auszunutzen. Sie verlässt sich beim Navigieren fast zu 100% auf mich. Fast, dazu später mehr…..

Ich staune über die Wegführung. Wir bleiben auf Nebenstrassen bis und auch nach dem  Stadtzentrum von Valence. Genial! Bald schon pedalieren wir entlang der Rhone, Richtung Süden. Historische Steinbrücken, malerische Dörfer, Frühlingswiesen und wenig Autos. Das Wetter meint es gut mit uns. Rita kurbelt.

Der Plan für heute ist etwa 60km zu fahren und dabei etwas weiter südlich das Rhonetal westlich in Richtung Ardèche-Schlucht zu verlassen. Auf Google Maps habe ich einen Campingplatz direkt an unserer Strecke eruiert. Am frühen Abend haben wir unsere Bleibe für die erste Nacht schon erreicht. Sämtliche Mobil-Home sind vermietet, wir sind die Einzigen die ihr Zeltlager aufschlagen. Dies wird auch die ganze Woche so bleiben.

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28.03.16, Ostermontag, Ardèche Schlucht, 101km /1700 hm

Ende 80er Jahre verbrachte ich ein paar Tage in dieser Schlucht. Ich hatte viel über ihre Schönheit gelesen und wollte diese 30 km lange Schlucht unbedingt erkunden. Während diesen Tagen waren wir mit dem Auto auf Tour und fuhren dem Grat entlang vom Schluchteingang bis zum Ausgang. Dabei stellte ich mir vor diesen Grat mit dem Velo zu befahren. Niemand ausser mir war von dieser Idee begeistert.  

Ein Ausflug im Kanu musste sein. Zusammen mit meinem Bruder Harry und Freund Heinz paddelten wir durch die wilden Wasser der Adèche. Links und rechts ragen imposante Felswände mehrere hundert Meter, senkrecht in den blauen Himmel.

 

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Mehr als 25 Jahre später, stehe ich mit meiner Frau und unseren vollgepackten Velos vor dem Steinbogen bei Vallon Pond d’ Arc, immer wieder staunend und berührt über die Schönheiten der Natur.
Zuvor sind wir nach einem 20km langen Aufstieg über einen kleinen Pass auf ca. 830 MüM durch ein liebliches Tal hinunter geflogen. Bewegt verdrücke ich eine Träne im Augenwinkel. Braucht grad keiner zu sehen.

 

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Vor uns ragen mehrere steile hundert Höhenmeter Aufstieg zum Grat der Schlucht auf. Wie sehr die romantische Vorstellung von Radfahren, entlang einer Schlucht sich von der Realität unterscheidet, durften wir auf den ersten Metern erfahren. Keine paar Meter schon schoss der Schweiss aus allen Poren. Wir keuchen und kurbeln. Mit Mühe und Not schaffen wir es nach ca. 20 Minuten Sichtkontakt ein wanderndes Paar zu überholen. Unser Tempo nähert sich markant an den Punkt bei dem das Velo instabil wird und du einfach seitlich umkippst und liegen bleibst wie in hilfloser Käfer auf dem Rücken. In einer Harnadelkurve legen wir eine Pause ein, die Wanderer überholen uns!

 

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Nach einer gefühlten Unendlichkeit erreichen wir den Grat. Ab diesem Zeitpunkt erlebten wir reines Flowfahren. Leichte Anstiege, sanftes Gleiten und nicht allzu viel Verkehr. Rita kurbelt.

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Nach einer weiten Linkskurve erblickte ich DEN mystischen Berg, der Berg aller Berge für uns Ciclisty. Er gilt als eines der Grössten, wenn nicht das grösste Monument der Tour de France, der “Mont Ventoux”.

 

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Wenn du das Ziel siehst bist du lang noch nicht dort!


Dieser Berg stand schon im Sommer 2015 auf unserem Reise-Plan. Leider wurde Rita kurz vor der
 Abreise, aufgrund eines Velounfalls mit Schädelhirntrauma daran gehindert in den Süden zu fahren. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Einsam steht der Mont Ventoux am Horizont, die Schnee bedeckte Spitze glänzt zart rosa im fahlen Sonnenschein. Darunter, bis in die Waldzone ist das weltberühmte Geröll, die Steinwüste erkennbar. Die Zone bei der du immer mit viel Wind rechnen musst. Endlich sind wir da. Noch eine Tagesreise bis Bédoin, das Velo-meka des Mont Ventoux.

An einer Abzweigung sehen wir ein Schild “Camping Municipale”. Wir biegen ein.

 

29.03.16,  Ardèche – Bédoin am Fusse des Mont Ventoux, 72km/355hm

Croissants, Kaffee und kalte Füsse in Orange. Wir haben das Rhonetal in einem Schwung durchquert. Danach sind wir auf einem ehemaligen Bahndamm unterwegs. Dieser wurde zu unserer Freude zu einem Veloweg umgebaut. Keine Autos, bester Asphalt, Freude pur!

Es rollt genau so wie ich es mir vorgestellt habe. Im Juli als ich alleine zum Mont Ventoux unterwegs war, fuhr ich ohne GPS. Die Folge war, dass ich vor allem auf zweitklassigen Strassen unterwegs war. Mit dem GPS und Europakarte ist es heute genial zu fahren.

 

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Rita meint, dass ihr linkes Knie etwas schmerzt und sie eine Pause benötigt. Unverzüglich liegen wir ein paar Meter von der Strasse entfernt in einer Wiese und geniessen bei herrlichem Sonnenschein unser Mittagessen. Was kann es anderes geben als die vom Vorabend, übrig gebliebene Portion Carboloader munden zu lassen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Bédoin. Es ist frühlingshaft warm. Gut 50 Wohnmobile sind vor dem Camping Municipale abgestellt. Rennradfahrer kurbeln durch das legendäre Dörfchen wie Moddels auf dem Laufsteg. Die Stimmung ist aufgeregt, die Radfahrer zeigen ihre glattrasierten Waden und die bereits braunen und muskulösen Oberschenkel. Es ist, als würde in den nächsten Stunden ein bedeutender Rad – Bergsprint stattfinden. Geil!

Am Liebsten würde ich losfahren und mich am Mont Ventoux auf die Probe stellen. Nix da!

Morgen wollen wir gemeinsam hoch. Die Bergspitze sehen wir aus sicherer Entfernung in der Sonne glänzen.

 

30.03.16, Mont Ventoux, 46km/1600hm

07h45 Abfahrt. Bald haben wir Bédoin und die restlichen paar Dörfchen hinter uns gelassen und suchen in der 10% Rampe unseren Rhythmus. Die Betonung liegt auf SUCHEN! 24 kernige Kilometer im Nonstop-Aufstieg. Rita kurbelt.

 

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Was tue ich hier!? Kurve um Kurve geht’s aufwärts. Unendlich scheinen sich die Serpentinen in die Länge zu ziehen. Glücklicherweise liegt unser Gepäck im Zelt. 18 Kilometer und 3 Stunden später, mit ein paar Trinkpausen, verlassen wir die Waldzone. Rita kurbelt.

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Noch sechs Kilometer bis zum Gipfel. Gegenwind! Kalt, kalt und scharf fährt mir die Biese durch und die Kleider. Ich beginne zu zittern. Hunger, meine Beine scheinen nicht mehr weiter zu wollen. Mir fällt ein, dass ich bis hierhin nichts gegessen habe. Einzig das Zuckergetränk aus der Wasserflasche hat mir Energie geliefert. Rita kurbelt an mir vorbei. Laut rufe ich: “I bruche nes Gel!”

 

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Locker greift Rita in ihre Rahmentasche und zaubert eine Gelpacket heraus. Umgehend wandert deren Inhalt in meinen Mund. Mit Wasser nachspülen und weiter. Der Wind wird stärker. Jetzt bläst er auch von der Seite. Der Berg liegt im Nebel, der Schweiss auf der Stirn ist eisig kalt. Rita kurbelt.

Ein paar Fotostops, die letzten Kurven, der kalte Wind, die Freude gleich oben zu sein, die letzten Körner fluten die Beine. Endlich, wir sind zusammen auf dem weltberühmten Gipfel! Nebel umwabert den Gipfel, ein eisiger Wind zerrt an unseren Kleidern und ein paar vor Kälte zitternde Rennradfahrer mit strahlenden Gesichtern knipsen Nebelbilder. Scheiss auf den Nebel, alles ist gut. Yssssss!

Rauf aufs Rad und 24 km Downhill! 500m vor Bédoin fühle ich ich meine langsam auftauenden Füsse wieder.

 

31.03.16, Mont Brun les Bains, 59km/1000hm

Lässig biege ich rechts in eine Einbahnstrasse, 10 Meter runter und links rein in die Schluchtstrasse. Geradewegs so schnell, dass Rita mir garantiert folgen kann. Folgen KANN, meine ich.

Ein paar Kurbelumdrehungen weiter schaue ich zurück, Rita befindet sich 100 Meter hinter mir. “Was soll das?” frage ich mich. Ich fahre doch langsam und zurückhaltend genau so schnell, dass Rita mir jederzeit folgen kann. Wenn sie denn WOLLTE. So meine Meinung…..

Die Rechnung habe ich ohne Rita gemacht. Sie vertraut meinen Navigationskünsten zu FAST 100%. NICHT zu 100%. Wieder einmal hat Sie das Gefühl, dass ich nicht den richtigen Weg gewählt habe, denke ich!

Ich fühle mich nicht ernst genommen. Ich ärgere mich vor allem darüber, dass ich meinen Rhythmus aufgrund ihrer Fahrweise reduzieren muss. Meine Emotionen gehen hoch. Rita’s Emotionen gehen hoch.

 

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Wir fahren, wir schweigen. Bald biegen wir auf halber Höhe einer steilen Wand in ein wunderschönes, tiefes Tal. Die Strasse ist in den Fels gebaut. Tunnels, kleine Galerien und Überhänge begleiten uns auf dem leichten Anstieg. Rita kurbelt und meint: “Mein linkes Knie schmerzt”.

 

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Salt ist das Zentrum der Lavendelproduktion Frankreichs. Die Felder sind bereits jetzt in einen leicht violetten Ton gefärbt. Mit leicht verzerrten Gesichtszügen kämpft sich Rita den Hügel in das Städtchen hinauf. Ich mache mir Sorgen. Vor der Apotheke stoppen wir und kaufen Ibuprofen Tabletten. Mit den Schmerzmitteln wollen wir die akute Entzündung in Rita’s linkem Knie eindämmen.

Der Campingplatz von Salt liegt völlig verlassen da. Das Wasser ist noch immer aus Frostschutzgründen abgestellt.  Durchs Umland vom Mont Ventoux fahren wir Richtung Norden. Friedvolle Dörfer, am Berg klebend begleiten uns. Rita kurbelt. Das linke Knie schmerzt.
Ein Tal noch und “Mont Brun les Bains” ist erreicht. Unterdessen weht uns, der starke von schräg vorne kommende Wind rein in den Camping Municipal.

 

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01.04.16, Mont Brun les Bains, Pausentag

Rita’s Knie schmerzt auch im Ruhezustand. Pausentag. Ich suche auf der Landkarte nach einem Eisenbahnanschluss. Auf keinen Fall darf die Sehnenentzündung chronisch werden. Die knapp vier Wochen, bis zu unserer Abreise in den Norden, braucht es zur Heilung.
Wir verbringen einen ruhigen Tag in Brun les Bains, einem kleinen Kurort auf der Nordseite des Mont Ventoux. Rita wird am nächsten Tag nur das Zelt transportieren. Ich packe den Rest auf mein Velo.

 

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02.04.16, Orange, 66km /303hm

7h00, Tagwache – Irgend etwas weckt mich, meine Hand fährt nach links zu Rita’s Liegematte. Sie ist leer. Ich krieche aus dem Schlafsack. Mit verklebten Augen luge ich aus einem Zeltschlitz – meine noch müden Augen erkennen Fieselregen. Tiefe Wolken haben sich um den Mont Ventoux gewickelt.

 

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Noch ist der Tag nicht ganz erwacht. Rita hat Kaffee gekocht. Das heisse Getränk weckt meine Geister. Leicht frustriert über die verfrühte Rückfahrt baue ich das Zelt ab und bereite die Räder für die Weiterfahrt nach Orange vor. Kurz nach acht Uhr fahren wir los. Die Wolken haben sich etwas angehoben. Der Fieselregen hat nachgelassen. Alles wird gut.
Kaum sind wir auf der ersten Nebenstrasse fühle ich es wieder. Dieses Gefühl, da zu sein wo ich gerne bin: mit einfachen Mitteln unterwegs den Erdball erforschend.

 

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Um nach Orange zu gelangen, fahren wir am nördlichen Fuss vom Mont Ventoux entlang, einem Wasserlauf folgend. 300 Höhenmeter Aufstieg gefolgt von einer langen Talfahrt 30km ebene Strecke und wir erreichen Orange. Das war’s!

07.04.16, Erkenntnisse

  • Du nimmst dich immer mit. Das wissen wir ja schon 😉
  • Eine FB Freundin hat mich die letzten Tage gefragt, was ich mit dieser Aussage konkret meine?

Meine Antwort:
Ich nehme mich als Mensch mit allen meinen Anteilen immer mit. Manchmal überlasse ich aus Unachtsamkeit den Anteilen das Ruder. Diese meinen Alles zu wissen und nur ihre Meinung durchsetzen. Diese wissen nicht worum es im Leben wirklich geht.”

Dies immer wieder zu erleben, erlebe ich oft als „Drama“.

Deine Frage zeigt grad auf den Punkt: Wenn ich den Anfang zu fassen bekomme, bevor ich meinem mentalen Anteil das Ruder in die Hand gebe könnte ich einiges verändern.

  • Wenn du das Ziel siehst bist du noch lange noch nicht dort.
    Seit Jahrzehnten fasziniert mich dieser Satz. So auch beim Aufstieg auf das Stilfserjoch im 2009. Die letzten Serpentinen erschienen unendlich. Oder die letzten Tage beim Aufstieg auf den Mont Ventoux. Sehr eindrücklich war der Anblick des mystischen Berges. Genau zum Zeitpunkt als wir ziemlich schwitzend aus einer Kurve der Ardèche Schlucht fahrend, plötzlich den weissen Riesen, weit hinter der Ebene des Rhonetals aufsteigen sahen. Spontan äusserte Rita: “ Der ist aber noch weit weg”. Und ich entgegnete: “Morgen Mittag sind wir oben”. 
  • Mit Gepäck geht alles langsamer.
    Ist doch logisch. Die Erfahrung der Langsamkeit. Die Aufgrund des höheren Luftwiderstandes und des Gewichtes mehr notwendigen Muskelkraft ist immer wieder faszinierend. Der Geist ist gewohnt mit dem Rennrad zu fahren und plötzlich geht, auf dem vollgepackten Tourenrad alles nur noch “langsam”.IMG_5477
  • Schmerzen können deinen Plan vernichten.
    Wir planten für die Tour 11 Tage ein. Es wurden deren Sieben. Schade! Nachdem Rita seit ihrem Unfall im Sommer 2015 nur sehr wenig Radfahren konnte, erfährt ihr Körper mit dem zusätzlichen Gepäck doch eine deutliche Mehrbelastung. Kommt dazu, dass ich selber immer etwas pushe und mein Ziel meistens höher stecke als es mein Körper, vor allem aber der Körper von Rita zulässt.
    Was ist nun die Erkenntnis und Lösung aus dem Dilemma. Wir haben dies schon anlässlich unserer Hochzeitsreise auf dem Rad praktiziert: Logisch!? Jedenfalls werde wir für die grosse Reise so packen, dass ich das meiste Gewicht transportiere. Das führt dazu, dass ich Abends ganz sicher müde bin. Am Berg fahre ich nicht mehr schneller als Rita, da ich eindeutig mehr Gewicht hinaufschleppe.

    – Ich bin der Sattelschlepper
    – Rita ist der Ferrari.Jedenfalls werde wir für die grosse Reise so packen, dass ich das meiste Gewicht transportiere. Das führt dazu, dass ich Abends ganz sicher müde bin. Am Berg fahre ich nicht mehr schneller als Rita, da ich eindeutig mehr Gewicht hinaufschleppe.
    Logisch!? Jedenfalls werde wir für die grosse Reise so packen, dass ich das meiste Gewicht transportiere. Das führt dazu, dass ich Abends ganz sicher müde bin. Am Berg fahre ich nicht mehr schneller als Rita, da ich eindeutig mehr Gewicht hinaufschleppe.
    Rita nimmt so wenig Gepäck wie möglich. So kann sie sich gut einfahren und die Gelenke, Bänder und Muskeln können sich an die an die Bewegungen gewöhnen. Natürlich kann ich bei Bedarf Gepäck abgeben.
  • Kleines Küchenmesser in die Tasche.
    Kleine Dinge sind immer hilfreich. Neben dem Schweizer Taschenmesser nehmen wir ein kleines Küchenmesser mit. Dieses ist handlich, scharf und ideal zum schnippseln.
  • Oel und Essig ins Gepäck.
    Für die Outdoorküche unerlässlich. So ist sicher gestellt, dass Guido nicht nur Nudeln kocht.
  • Neue dicke Liegematte für Rita. Der Rücken ist nicht mehr ganz jung.
    Die eher dünne Liegematte von Therm a Rest bereitet Rita Rückenschmerzen. Mir auch :-). Anyway, nach einigen Gesprächen mit Radreisefreunden und Studium von Berichten habe ich eine dickere Liegematte bestellt, eine Exped AG SynMat UL 7 M. Die Matte verfügt über einen genialen Wärmedämmwert, ist extrem leicht und klein verpackbar. Ich selber werde vorerst die Liegmatten nutzen, die bei uns im Keller liegen.

Die verbleibenden drei Wochen bis zu Abreise stehen vor uns. Nochmals Abschied nehmen, ein paar Feste feiern, gesund werden und erneutes Packen steht an. Es wird ernst.

Du als Leser und ferner Begleiter unserer Reise bist uns wichtig! Wir freuen uns über jeden Kommentar, Anregung, jedes Mail und jede Kontaktaufnahme.

Hier schon ein fettes Dankeschön dafür!

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Mach dein Ding

Beste Grüsse
guido und Rita


4 Comments

  • James

    18. Dezember 2016

    Hallo Guido&Rita!

    Ich habe viele eurer Berichte nachgelesen. Ihr habt einen wunderbaren Schreibstil und inspiriert uns für zukünftige Abenteuer. Danke!!!

    Reply
    • Guido

      19. Dezember 2016

      Hallo James
      Herzlichen Dank für deine Zeilen. Wir freuen uns wenn dir unser Schreibstiel gefällt und dich für deine Abenteuer inspirieren. wir wünschen dir viel Spass dabei und hoffen von diesen zu lesen. Beste Grüsse Rita und Guido

      Reply
  • Mich

    10. April 2016

    Ui, ui, ui, mit Knie ist nicht zu spassen! Ganz wichtig: kleine Gänge, kein Druck, in den ersten Wochen keine größeren (lange und steile) Anstiege! Wir freuen uns auf nächsten Freitag! Drücke euch. Mich

    Reply
    • Guido

      11. April 2016

      Ja stimmt Mich! Mich haben Knieschmerzen mal 3/4 Jahr gequält.
      Jedenfalls fahre ich nun mit Gepäck und Rita quasi gepäckfrei 😉 LG bis F.

      Reply

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