Noch 70 Tage bis zur Abreise

Hier geht alles drunter und trüber

Wie sollen wir all DAS bis zur Abreise unter einen Hut bringen?

  • Packen und Wohnungsauflösung
  • Umzug in eine kleine Wohnung
  • Routenplanung
  • Der bald letzte Monat auf der Arbeit
  • Packlisten
  • Blog
  • Testfahrten
  • Beziehung (kleine Diashow)

Dies und eine heftige Grippe, die mich drei Tage mit Kopfschmerzen und triefender Nase ans Bett gebunden hatte, lässt uns unseren Alltag wie eine kunterbunte Mischung von Sonnenschein, Gewitter, Regen und Sturm erleben. Wenig bleibt wie es war, Vieles zerfällt – löst sich auf, das Wesentliche bleibt bestehen, die wirklichen Freunde werden sichtbar.

Wir sitzen am Tisch, das Chaos nicht nur vor unserem geistigen Auge.

Chaos bei Ausgebuext
Chaos in Ausgebuext’s Keller

Packen und Wohnungsauflösung

Während der letzten Wochen setzten wir uns intensiv mit Minimalismus auseinander. Mit Entsetzen stellten wie fest, wieviel wir während den 8 Jahren hier im Haus angesammelt haben.

Rucksäcke Ausgebuext

An einer Wand baumeln säuberlich, nebeneinander aufgereiht meine Trailrunning-Rucksäcke. Einer fürs Minimalrunning, einer fürs Posen, einer fürs kalte Wetter, einer fürs Spinerace, einer für Abenteuerrennen usw. Sie alle warten darauf endlich wieder durch die Trails gejagt zu werden.

Weiter hinten im Keller liegen ein paar Trecking-Rucksäcke. Dasselbe wiederholt sich mit den Laufschuhen, den Laufhosen, Laufjacken usw. Echt peinlich!

Seit der Zeit, in der ich wieder in einer Wohnung lebe, (ich hatte von 1993 bis 2006 in einem Wohnwagen gelebt) habe ich Dinge erworben, die ich niemals ausnutzen werde. Ich hatte sie gekauft mit der Idee, all dies zu benötigen. Sie gaben mir das Gefühl dazu zu gehören, mit diesen Ausrüstungsgegenständen am Körper, unterschied ich mich von der Allgemeinheit!?
Ich fühle Scham über all meine Verschwendung von so viel Material. Mir wird bewusst, wie sehr ich inspiriert durch Werbung sowie Kompensation, aufgrund von ungestilltem Lebenshunger und weiteren unbefriedigten Bedürfnissen, mich dazu verführt habe Dinge zu kaufen, die ich nie bis zum endgültigen Verschleiss brauchen werde.

Wir verschenken Möbel, bieten auf Ricardo und bringen etliche Kleider und Geräte in die Brockenstube. Bücher stapeln sich in einer Ecke. Elektroutensilien, die ich nie jemals auf- brauchen werde, lümmeln in einer Kartonkiste. Der reinste Wahnsinn!

Wir ordnen Kisten mit Veloersatzteilen. Schläuche, Schrauben, Kabel alles was das Herz begehrt hat sich über die Jahre angesammelt.

Eine Kiste voller Landkarten fällt mir aus den Händen. Die Karten liegen verstreut am Boden, ganz oben die weit über 20 Jahre alte Europakarte. Auf dieser habe ich minutiös alle, na ja viele Radreisen, die ich unternommen hatte eingetragen.

Ausgebuext Ueberblick über die Radreisen seit 90er Jahrer
Ueberblick: Ausschnitt Europa Radreisen seit 90er Jahrer

Sanft fährt meine Hand über die offene Karte. Sie fühlt die Berge, Täler, Seen und Flüsse, die sich darauf abzeichnen. Wie immer wenn ich Landkarten berühre und studiere, durchfährt mich die Sehnsucht diese Landschaft zu erkunden. Vor meinem geistigen Auge wird die Karte dreidimensional. Ich sehe die Hügel, die Pässe, die Wälder und die Täler, ich sehe Rita und mich wie wir auf unseren Velos durch diese Landschaft radeln. Ich sehe, wie wir mit der Natur eins sind.

Im Keller steht mein Carbonrenner mit herausgebrochenem Tretlager, mein Mountainbike mit viel zu wenig Kilometer, mein 25 Jahre altes Tourenrad mit ausgeschlagenen Lenkerkopf und totem Antrieb sowie das Rose Alu Crossrad, mein Speed Tourenrad. Daneben steht das neue Tourenrad von MTB Cycletech, ein Papalagi, es wird während der nächsten Jahre unser Arbeitsplatz sein.

Immer wieder habe ich den Besitz meiner vielen Räder damit gerechtfertigt, dass ich kein Auto besitze und fahre. Dennoch hier steht (liegt) echt viel Geld herum.

Ausgebüxt Reiserad Papalagi
Im Shop beim bestaunen unseres Reiserades Papalagi

Erste Trainingsfahrt

Ich brauche dringend etwas Abwechslung und eine Trainingsfahrt. Ich setze mich vor meinen Computer, ich habe eine Idee, ein paar Klicks, einige Diskussionen mit Rita und – ein paar Gedankengänge später haben wir unseren Plan. Wir hauen Anfang März ein paar Tage ab. Raus aufs Rad, rein ins Abenteuer.

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Die Fahrt soll uns am ersten Tag ab Bellinzona über den Ceneri Pass zu Luganersee  führen, welchen wir auf der Ostseite umfahren. Mittels einer Schleife in Richtung Süden über Italien wollen wir zum Lago die Orta gelangen. Richtung Norden gehts Talaufwärts nach Domodossola. Dort entscheiden wir, ob wir über den Simplonpass (Schnee und kalt) nach Brig gelangen wollen, oder oder ob wir über das Centovalli ins Tessin zurück fahren fahren wo wir entlang der faszinierenden Gothardstrasse nach Airolo strampeln.

4 Tage 3 Nächte. mit rund 280km ein paar 1’000 Höhenmeter. Ziel: Materialtest, Kleidertest für kältere Tage und endlich wieder mal richtig raus.

 

Umzug

Mitte März ziehen wir in eine 2.5  Zimmerwohnung. Unser Reihenhaus, das wir seit ein paar Jahren bewohnen wurde für uns viel zu gross. Eigentlich war es dies schon seit unserem Einzug. Damit hatte ich mir einen Traum erfüllt, dem Traum von genau diesem Haus und dieser Wohnform. Jetzt soll es eine Familie mit Kleinkindern beleben, dafür wurde es erbaut. Unser Haus ist vermietet und wird Ende März bezogen.

Routenplanung

Ich bin von Beruf Planer und Architekt und ich liebe Landkarten. Was liegt also näher als, dass ich stundenlang verschiedene Routen plane, verwerfe, neue erstelle, mich auf Google Map irgendwo im Pamir Gebirge von Tajikistan verliere, um in Südamerika mitten in der Atacama Wüste wieder aufzutauchen.

Unterwegs durch Norwegen mit Ausgebüxt
Unterwegs durch Norwegen mit „ausgebüxt“

Massenhaft habe ich Strecken auf Google „My Maps“ entworfen und in in Google Drive gespeichert. Viele führen zum Nordkapp und wieder zurück. Andere führen über die Seidenstrasse durch Tajikistan, Zentralasien und China bis nach Südkorea. Auf einer anderen Route führt die dünne, blaue Linie durch ganz Südamerika bis nach Ushuaia. Da will ich mal hin.

Die letzten Wochen auf der Arbeit

Beim Gedanke daran, dass es noch rund 70 Tage dauert bis ich meine Arbeitsstelle verlasse, um gegen Norden aufzubrechen, durchströmen mich viele Emotionen. Ein Gefühl von Absolutheit verbreitet sich in mir, ein Gefühl, dass DAS was nun geschieht, unausweichlich festgelegt ist. Die Entscheide sind gefallen. Ich beginne mich von meinem „alten“ Leben, von meiner Arbeit, von Freunden zu verabschieden.

„Wer weiss, vielleicht ist es das letzte Mal.“

An manchen Tagen habe ich ein schlechtes Gewissen, ein Gefühl als würde ich meine Arbeitskollegen alleine zurücklassen. An anderen Tagen ist mir klar, wie richtig und gut der Entscheid war, mir zu ermöglichen noch einmal aufzubrechen, um die Welt und die Natur immer wieder neu entdecken.

Folgende Frage beschäftigt mich, bei dem Gedanken an meine Freunde und Familie intensiver als sonst:

“ Was will ich diesen Menschen noch sagen, was sind meine letzten Worte vor dem Abgang? „

Packlisten

Packlisten, ich liebe Listen, sie bringen Struktur. Sie helfen mein inneres Chaos zu ordnen und sie helfen mir, aus einem Berg von Gepäck eine vernünftige Menge Material heraus zu filtern, damit wir halbwegs autonom auf dem Rad reisen können.

Wie eine solche Liste ausschaut, siehst du bei Packlisten. Hier findest du alles, was wir denken zu benötigen um Jahre unterwegs zu sein.

Wir planen für die erste Reise zum Nordkapp mit „nur“ zwei Seitentaschen hinten plus je einem wasserdichten Packsack, sowie Lenkertasche zu reisen. Der Grund, weshalb wir auf zwei Lowridertaschen verzichten ist der, dass die Vorderradtaschen einen sehr grossen Luftwiderstand entwickeln. Wir verzichten auf die Vorteile der ausgeglicheneren Balance der Räder, zugunsten von 3 bis 4 km/h höherer Durchschnittsgeschwindigkeit „more speed = more recoverytime“.

Für die interkontinentalen Fahrten werden wir je zwei Lowridertaschen montieren.

Blog

Geplant ist eigentlich seit Anfang Dezember 2015, dass ich jede Woche einen Artikel zu unserem Projekt veröffentliche. Betonung liegt auf „geplant“. Die letzten Wochen waren gefüllt mit Arbeit, der Vorbereitung des Umzugs, Bestimmung des Ausbaus der neuen Wohnung und nervösem umherlaufen, wilden Gedankengängen zu unserer Zukunft sowie einigen durchschwitzten Nächten.

Fünf begonnene Blogartikel sind abgespeichert. Sie enthalten ein paar wirre Zeilen. Wie sehr der Alltag meine Kreativität einschränkt, meine wilden Gedankengänge und Ideen zur Weltverbesserung stoppt, erlebe ich zur Zeit auf eine neue Art. Dieser Artikel flutscht wieder besser.

Ich will für dich schreiben, dich unterhalten, dich anregen dein Ding zu drehen und dir gelegentlich Tipps und Ideen zur Umsetzung deiner Träume geben. Dazu brauche ich Ruhe und inneren Raum in dem sich meine Gedanken frei entfalten können.

Beziehung

Gerade Paare erleben auf Radreisen intensive Zeiten. Während der Fahrt wird sichtbar wie und ob sie zusammen harmonieren, sich ergänzen oder ob zu wenig Gemeinsames besteht um zusammen unterwegs zu sein. Radfahren reinigt eine Beziehung.

Ich habe nie aufgegeben daran zu glauben, dass es einen Menschen auf dieser Erde gibt, der gerne mit mir zusammen auf Tour geht. Einen Menschen der meine Wildheit liebt und selber seine eigene Wildheit und Naturverbundenheit lebt.

Rita und ich sind beide wild, vertreten unsere Meinung, sind laut und lieben es auch zusammen zu lachen, zu schweigen und zu streiten. Wir streiten mit Leidenschaft bis das Feuer das Falsche, Unechte verbrennt und Klarheit entsteht. Wir lieben es zusammen auf dem Velo unterwegs zu sein und auch wandernd die Welt zu entdecken.

 

Beziehungsdynamik, sei der der du bist
Beziehungsdynamik, sei der der du bist

Was ist die Qualität unserer Beziehung, was macht es aus, dass zwei Menschen zusammen verrückt sein können? Als wir im Jahr 2009 heirateten und uns die Ring übergaben, haben wir uns gegenseitig folgendes versprochen:

Guido
„Mit diesem Ring will ich dich zu meiner Frau und bringe damit Wind unter die Flügel unserer Beziehung.
Ich verspreche dir, mich dir zu zumuten mit der Frucht meiner Passion, das Blut meines Seins, so wie das Beste und das Schlechteste in allen Welten meines Lebens.“

Rita
„Mit diesem Ring akzeptiere ich dein Begehren und bringe damit Wind unter die Flügel unserer Beziehung.
Ich verspreche dir, mich dir zu zumuten mit der Frucht meiner Passion, das Blut meines Seins, so wie das Beste und das Schlechteste in allen Welten meines Lebens.“

Dieses Versprechen hat weitreichende Folgen…….

Unser Kredo:

„Keine Kompromisse, nur Einsichten und Akzeptanz.“

Wir ringen jeden Tag mit uns selber und miteinander, um unsere Wahrheit, unsere Ziele, Ideen, Konventionen und Glaubenssätzen.

 

 

Noch 70 Tage bis zur Abreise

Es beschäftigen uns viele Themen. Aufbruchstimmung und Abschied nehmen. Wir verbringen viel Zeit mit Gesprächen über unsere Werte, Lebensziele und über den Tod. Aufgrund unseres Alters aber nicht nur deswegen, wir nie sicher sein können, unsere Eltern und Freunde wieder zu sehen.

Abschied nehmen wird zentral.

Wie erlebst Du solche Zeiten?
Was beschäftig dich wenn du aufbrichst, oder jemand aus deinem Freundeskreis verreist?

guido

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4 Comments

  • Frederick

    28. Februar 2016

    Hallo Guido und Rita, das Wirt ja dann spannend, freu mich schon riesig euch in Falkenberg begrüßen zu dürfen, na mach mal weiter mit deiner Planierung und Organisationen, bis bald!
    LG
    Fred

    Reply
    • Guido

      28. Februar 2016

      Hallo Frederick. Wir freuen uns auch sehr darauf dich in Falkenberg zu besuchen. Alle meine Taraks auf Google Maps Karten führen über Falkenberg S 🙂
      LG
      Guido und Rita

      Reply
  • Jens

    28. Februar 2016

    Hey Guido, hallo Rita,
    eigentlich ist dem kaum etwas hinzuzufügen, ausser… mach dir keine Gedanken darum, wie tiefgründig die Abschiedsworte auf der Arbeit oder sonstwo ausfallen sollen! Aus eigener Erfahrung (Auswandern) darf ich dir sagen, dass es zu einem der grössten Trugschlüsse gehört, dass dich jemand auf der Arbeit vermisst! 😉 Das will zwar keiner hören, ist aber so! Jeder denkt er ist unersetzbar; den Zahn wollte mir mein Chef in den 80ern – damals Softwareentwicklung- schon ziehen: „Toll, dass du da bist, aber wenn du weg bist, schicken wir jemand anderen…“.

    Von daher ist ein aufrichtiger Dank gut… wer mit euch fühlt, braucht keine Erklärungen. 🙂

    Gut gut
    Jens

    Reply
    • Guido

      28. Februar 2016

      Hey Jens
      Danke für die Anregung. Bei meiner Frage, was ich einem Freund oder Kollegen gerne noch mitteilen würde, steckt reiner Egoismus dahinter 😉 .
      Jedenfalls geht es nicht darum, ein Rückmeldung zu erwarten. Eher so die letzten Worte wie du schreibst aufrichtig ehrlich, gut. Die Frage ist so verstehen, dass nicht ausgesprochene Dinge idealerweise vor dem Abgang mitgeteilt werden.
      Cu soon 🙂
      guido

      Reply

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