Sieg um jeden Preis? Der Preis ist heiss!

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Spine Race führt über den Pennine Way

Anfang 2015 nahm ich zum dritten Mal am Spine Race teil. Erschöpft und emotional leer habe ich nach knapp 200 Kilomeer während der dritten Nacht das Rennen abgebrochen.

Der Entscheid viel mir nicht sehr schwer. Alles fühlte sich leer an. Kein Grund war mehr da um weiter zu gehen. Ich hätte mich bei schweren Verhältnissen voraussichtlich nicht einmal selber retten können.

 

 

Nach 200km auf dem Penine Way

Ein paar Wochen später, als ich wieder zu laufen begann, fühlte Schmerzen am ganzen unteren Körper. Selbst wenn ich auf meiner flachen fünf Kilometer Runde lief, schmerzten meine Füsse, die Leiste, der untere Rücken. Am Morgen wenn ich aufstand dauerte es eine gefühlte Ewigkeit bis die Schmerzen vergingen. Die Schmerzen waren schwer zu deuten, sie waren diffus, ich konnte nicht sagen woher sie kamen und vor allem weshalb ich sie hatte. Es war keine akute Entzündung.

Es zog, es biss und es stach. Es war einfach alles, nur nicht schmerzfrei.

Gut, dachte ich und schraubte die Wochenkilometer von knapp 30 auf 10 bis 15 Kilometer pro Woche runter. Das sollte reichen. Doch dann holte ich mir um Ostern herum noch einen schweren Misstritt mit Bänderzerrung und einige Wochen später zusätzlich am anderen Bein einen Muskelfaserriss in der Wade. Autsch! Nun war ich vollends überzeugt dass die Laufwelt sich gegen mich verschworen hatte!

Das durfte nicht sein! Was sollte ich tun?

Ich hatte mich zum Ironman Zürich angemeldet, war im  Gigathlon Firmen – Team als Rennradfahrer dabei und hatte einen Startplatz am Ultra Trail Mont Blanc bekommen. Alles war bestens.

Ich musste schleunigst über die Bücher.

Also googlte ich mich durch unzählig Blogs zu meinen Symptomen, las und studierte medizinische Artikel und Erfahrungsberichte von Leistungsportlern und Hobbyathleten.  Ich stiess dabei auf Erfahrungen erfolgreicher Trail Athleten welche nach intensiven Jahren einen grossen sportlichen Einbruch erlitten und teilweise weit über ein Jahr lang benötigten um sich davon zu erholen.

Alle erzählten von diffusen Schmerzsymptomen, Müdigkeit, vor allem aber davon, dass Laufen nicht mehr wirklich möglich war. Genau so, oder zumindest ähnlich fühlte ich mich. Scheisse!

Das war nicht mein Plan. Ich wollte unbedingt den Ultra Trail du Mont Blanc, auch UTMB genannt, (hier der Bericht vom 2013) ein zweites mal laufen. So konnte ich der Welt da draussen beweisen, dass ich es wirklich drauf habe, das Traillaufen.

War ich nun selber in diese Übermüdungsfalle geraten? War mein persönlicher Grand Slam im Jahr davor zu viel für mich und meinen Körper gewesen? Wäre das eine Erklärung?

Mein Körper signalisierte mir mittels Schmerzen dass ich nicht laufen soll. Rennrad fahren und Schwimmen konnte ich problemlos.

Laufen war schlicht nicht möglich.

Ich, der immer allen predigt, dass sie  auf die Signale ihres Körper achten sollen. Auch sollten sie gegebenenfalls ein Rennen stoppen! Die Gesundheit hat Vorrang. Was hatte ich übersehen? Wo hatte ich nicht aufgepasst? Diese Fragen und das verstörende Gefühl gescheitert zu sein liessen mich wieder einmal in die Abgründe meines Innenlebens schauen.

Ignoranz und  Überheblichkeit sind zwei Eigenarten welche ich zutiefst ablehne. Selbst darin gefangen haben mich diese Eigenarten direkt in die Falle laufen lassen.

Jetzt hatte es mich erwischt!

Nebst dem Frust erfüllten mich Gefühle von Scham und Peinlickeit gegenüber all meinen Bekannten und Freunden.

Es nützte nichts ein neuer Plan musste her:

Mir war bald klar, dass ich am Gigathlon gut teilnehmen konnte. Der Ironman sollte in den Disziplinen Schwimmen und Radfahren auch keine grossen Probleme darstellen. Laufen, wie sollte ich diese 42,2 Kilometer hinter mich bringen? Wenn das Laufen nicht mehr ging, konnte ich einfach zu wandern. Ich war mir sicher, dass ich in den ersten zwei Disziplinen eine Gute Zeit erreichen konnte, so dass ein Finish ungefährdet möglich sein sollte. Ich beschloss am Ironman teilzunehmen.

Scheiss auf eine „Bestzeit“. zu lange hatte ich mich darum gedrückt mich anzumelden. Zu lange hatte ich davon geträumt einmal an einem Ironman teilzunehmen.

Der Ultra Trail Mont Blanc sagte ich ab.

Zuwenig Laufkilometer und keine Bergtrainings passten nicht zu einem Start am UTMB.

Ich beschloss meine Lauffreunde während dem UTMB entlang der Strecke anzufeuern und einige davon auch in Chamonix zu treffen. Die Anreise sollte mit dem Rad erfolgen.

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Zieleinlauf Team 2015

Tatsächlich war es mir möglich, im Gigathlon Team eine für mich gute Zeit zu fahren und  dabei ein schönes Teamerlebnis zu feiern.

 

 

 

 

Den Ironman konnte ich nach 13h45 beenden. Meine Laufzeit betrug sagenhafte 5h58″. Ich wanderte rund 30 Kilometer. Endlich am Ziel.

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Begleitet durch Marc Fischer
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Zieleinlauf am Ironman Zürich

Das Jahr sollte für mich sportlich noch einiges bereithalten. Ab Mitte Juli wollte ich innerhalb von einer Wocher von Aarau aus über die schönsten Pässe der Westalpen nach Nizza fahren um dort meine Frau zu treffen. Gemeinsam wollten wir dann innerhalb von 10 Tagen über andere Pässe wieder zurück in die Schweiz fahren.

Es kam anders!IMG_4862

Am Tag vor meiner Abreise konnte ich am Morgen nicht mehr aufstehen. Ambulanz, Einwesiung ins Spital, das ganze Programm.

Drei Stunden später stand ich ausgecheckt wieder vor dem Spital. Ein Muskel war verhärtet und drückte auf einen Nerv in der Leiste. Ich brauchte dringenst meinen Physiotherapeuten. Dieser half mir, so dass ich innerhalb von drei Tage wieder auf die Beine kam. Der Weg zur Toilette dauerte 40 Minuten. Ich lag drei Tage im Wohnzimmer auf der Massageliege unfähig mich irgendwie ohne quälende Schmerzen zu bewegen. Nach vier Tagen konnte ich wieder gehen und sofort merkte ich dass ich auch schmerzfrei Radfahren konnte 🙂

Als Alternative zu meinem ursprünglichen Plan wollte ich nun mit Rita im Zug nach Nizza fahren und dann gemeinsam auf dem Rennrad zurück fahren.

Und wieder kam es anders!

Rita hatte am Tag vor der Abreise einen Velounfall mit Gehirnerschütterung und starken Prellungen. So lag sie ziemlich angeschlagen und voller Schmerzen zwei Tage im Spital. Nix mit Radreise und Pässe für sie. Und ich, was sollte ich tun? Ich hatte eine anspruchsvolle Zeit in meinem Job verbracht, war müde vom Arbeiten und musste dringend raus in die Natur.

Rita und ich vereinbarten, dass ich alleine nach Avignon nach Südfrankreich reise um dann in einer Woche über die Westalpen wieder zurück in die Schweiz zu fahren. So verbrachte ich 7 Tage alleine auf dem Rad. Habe dabei die schönsten Pässe der Westalpen befahren. Die Schmerzen in der Leiste liessen langsam nach. Noch immer war laufen nicht möglich. Was für ein Scheiss….

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Ende August reiste ich mit dem Rad zum UTMB nach Chamonix und genoss dort die Treffen mit meinen Lauffreunden. Matthias Schwank ein Lauffreund aus der Schweiz traf ich an den letzten Verpflegungsposten, nie werde ich den Ausdruck in seinem Gesicht vergessen.

Sein Gesichtsausdruck sagte: „Ich bin fertig!“
Sein Herz sagte: „ich will weiter!“

So freute ich mich darüber Matthias an jedem Posten abzuklatschen und in seine glühenden Augen zu schauen.

Ende September musste und wollte ich noch einmal auf Tour. Genoss die Fahrt mit dem Rad über die Italienischen Alpen von Lugano zum Gardasee und von dort über Meran zurück in die Schweiz. Ich hatte mir noch ein kleines Abenteuer geschenkt

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Trotzdem, dass ich regelmässig auf dem Rad sass, sendete mein Körper neue Signale. Der Bewegungsmangel aufgrund der drastisch gesenkten Laufkilometer und mein bleibendes Bedürfnis mindestens die gleiche Anzahl Kalorien pro Tag in mir hinein zu schaufeln wie wenn ich 80Kilometer pro Woche Laufe machte sich schwer an meiner Taille bemerkbar.

IMG_5298Ich nahm massiv an Gewicht zu und ich hatte keinen Plan!

Im Laufe des Oktobers wurde mir langsam das Ausmass meines gesamten Zustandes klar. Ich war geheilt, das Fieber Trail – Wettkämpfe zu bestreiten war weg, einfach weg! Ich fühlte kein Ziehen, keinen Wunsch und keine keine Lust mehr an irgend einem Wettkampf teilzunehmen. Ich konnte suchen so viel ich wollte es gab kein Traillauffieber mehr, nix! Die Schmerzen waren quasi verschwunden und ich hatte massiv an Gewicht zugelegt.

Unterdessen drängte es in Ritas und meinem Leben nach einer zu fällenden Entscheidung.

Eine Entscheidung die unser gesamtes Leben auf den Kopf stellen sollte. Lange Stunden diskutierten wir über die zu erwartenden Vorteile und Nachteile. Unsere Ängste, vor allem meine Angst ohne Arbeit und Geld da zu stehen füllten die Diskussionen ganzer Abende.

Dazu kam, dass ich im Job immer mehr das Gefühl hatte, dass meine Kompetenzen immer weniger gefragt waren. Ich soll funktionieren und Aufträge abarbeiten. Meine Kreativität und meine Werte welche mir in der Arbeitswelt wichtig waren schienen keine Bedeutung mehr zu haben. Mein Anliegen naturschonend zu bauen schien sich nicht mehr mit den Bedürfnissen meines Arbeitgebers zu decken.

Obwohl ich seit Januar 2015 noch vier Tage pro Woche arbeitete, fühlte ich mich müde und ausgelaugt. Ich überliess die Macht meinen Emotionen. Sie übernahmen das Kommando. Mein Zorn welcher sich aufgrund meiner Machtlosigkeit entwickelte entlud sich bei den falschen Menschen. Das gefiel mir gar nicht. Das war nicht der Zustand in welchem ich mich wohl fühlte. Da war zu wenig von meinem Ich im Spiel.

Ich war ferngesteuert und ich brauchte eine Pause mit open End!

Der Entscheid drängte sich förmlich auf. Ich musste auf die Bremse treten. Mein Körper meldete akute Symptome. Unterdessen war ich soweit, dass ich täglich hoffte die nächsten Monate irgendwie zu übeleben.

So konnte das nicht weiter gehen. Irgendwo in einem Blogartikel oder einer Zeitung las ich, dass vor allem sensible und engagierte Mitarbeiter bei Stressjobs an ihre Grenzen kommen. Diese Erkenntnis war nicht wirklich neu. Was sollte ich tun?

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Am Mystery Trail- WE

Ich bin extrem sensibel und introvertiert.

Ich schätze meinen Arbeitgeber sehr. Deshalb war es mir ein Anliegen meine Pause vom Job sauber zu planen und möglichst wenig „Schaden“ für meinen Arbeitgeber anzurichten. Anfang Dezember 2015 kündigte ich meine Stelle. Der 30. April 2016 wird mein letzter Arbeitstag in meiner jetzigen Anstellung sein.

Folgende Erkenntnis kommt jetzt, elf Monate nach dem die ersten Symptome auftauchten. Ich hatte immer Signale von meinem Körper. Dadurch dass ich den Symptomen folgte blieb ich die letzten vier Jahre immer vor grossen Verletzungen verschont.

Dennoch hatte ich etwas übersehen.

Die subtilen sanften Signale beachtete ich nicht, ich wollte sie nicht fühlen, ich wollten um jeden Preis, na ja fast jeden Preis meinen persönlichen Grand Slam (hier der Bericht) erreichen. Die vielen Wettkämpfe in den Jahren 2013 sowie 2014 und vor allem das Laufen langer Distanzen zerrte an meinem Körper. Wie hätte er sich erholen können bei all dem was ich ihm abverlangte.

Der Körper forderte 2015 seinen Tribut und zwar radikal.

Rückblickend sehe ich auch, dass mich der Tod meines Vaters im März 2015 mehr bewegt hat als angenommen. Vor allem bewegte sich in der Tiefe vieles. Im stressigen Arbeitsalltag war es mir nicht möglich dies wahr zu nehmen. Schade!

Es war am Tag vor seinem Übergang, als ich ihn das letzte Mal im Spitalbett ansah und von ihm Abschied nahm und ich dabei dachte:

„War das das Leben welches du leben wolltest?“

Folgende Frage sollte nach seinem Tod zu meinem Mantra werden: „Ist das das Leben welches ich leben will?“

Was war mein Erbe, was durfte und konnte ich an Gutem übernehmen. Was war weniger gut oder sogar schlecht. Was war das Anliegen meines Vaters. Obwohl ich schon vor Jahren quasi mein ganzes Leben aufgeräumt habe kamen all diese Gedanken und dazu gehörenden Gefühle die letzten Tage wieder hoch in mein Bewusstsein. Die nächste Zeit gibt es einiges zu tun.

Ich vertrete die Haltung und glaube zutiefst daran, dass Leidenschaft ein Ausdruck von Liebe ist. Ich habe während der letzten fünfzehn Jahre alles gegeben wozu ich körperlich, emotional, mental und materiell fähig war. Die Wirkung meines Lebensstils auf meine Zukunft war für mich nicht absehbar. Ich freue mich über das Resultat und nehme es liebend gern an. Das nächste Abenteuer steht vor der Tür.

Auf zu neuen Ufern!IMG_4593

Wenn du bis hierher gelesen hast freut mich das sehr! Dann bist auch du ein Mensch, der sich durch seine Emotionen bewegen lässt schön das es dich gibt!

Ich freue mich über einen Kommentar eine Anregung von dir.

 

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Ich wünsch dir ein gutes Jahr 2016.

Guido


23 Comments

  • Grenzenlos

    21. Januar 2016

    Hallo Guido,
    angenehm ehrliche Sätze, welche Du geschrieben hast. Hut ab!
    Für das nächste Abenteuer wünsche ich eine weit geöffnete Tür. Mögen neue Erfahrungen, kleine und größere Abenteuer, Ruhephasen und auch besinnliche Tage die Begleiter sein.
    Ich selbst, werde bald 61. Von Tour zu Tour, wird mir immer stärker bewusst, dass auch in der abenteuerlichen Langsamkeit und Einfachheit ein großer Segen versteckt sein kann.
    Freue mich auf die nächsten Berichte!
    LG, Wi grenzenlos

    Reply
    • Guido

      21. Januar 2016

      Hallo Wilfried
      Danke für die Anerkennung. In Worten zu beschreiben was in mir abgeht ist eine meiner grössten Herausforerungen und gleichzeitig etwas was ich gerne tue.
      Deine Berichte begeistern. Habe mich vorhin grad eine halbe Stunde darin verloren. 🙂
      Ich wünsche euch alles gute bei euren weiteren Abenteuern. Egal ob zu Fuss oder Rad ich liebe beides. Wobei zu Fuss noch direkter ist als Radfahren…
      LG, guido

      Reply
  • Anger

    3. Januar 2016

    Hallo Guido,
    Mir fiel etwas wichtiges auf, was Dir vielleicht in ein paar Wochen auffällt- Aus Deinen offenen Worten:
    So konnte ich der Welt da draussen beweisen, dass ich es wirklich drauf habe, das Traillaufen.
    Wo hatte ich nicht aufgepasst?
    Was ich sehe:
    Du musst niemanden etwas beweisen.
    Vielleicht ein Ansatz.
    Good look
    Uwe Anger

    Reply
    • Guido

      5. Januar 2016

      Hallo Uwe
      Dir ist richtig aufgefallen, dass in mir ein Anteil da ist der allen beweisen will, dass er es drauf hat. Dass er fähig ist riesige Leistungen zu erbringen, egal wo. Im Beruf, im Sport in der Liebe, überall.

      Dies obwohl ich nichts zu beweisen habe….

      Damit wird sichtbar wie schwierig es ist nur seinem Körper zu folgen, den subtilen Signalen gehör zu schenken, wenn ich Prägungen und ungesunden Wertvorstellungen die Macht übergebe.

      Deshalb meine Anregung: Prüfe die Bedürfnisse deines Körpers. Er weiss was er kann und was zu tun er fähig ist. Wenn sich ungesunde Anteile einmischen wird’s auf Dauer problematisch.

      Good look
      guido

      Reply
  • Tanja

    3. Januar 2016

    Hey Guido,
    wir kennen uns noch nicht persönlich, sind uns aber bestimmt schon mal über den Weg gelaufen. ;o)
    Euren Hardcore-Ausstieg finde ich mutig und er scheint wohl überlegt und machbar.

    All die Gründe und Erlebnisse und Empfindungen dafür, die Du als einer der wenigen so schön offen schilderst, kommen mir bekannt vor.
    Seit ein paar Jahren arbeite ich für mich an der Softvariante des Aus-…na, sagen wir lieber Umstiegs, weil ich für so einen Totalausstieg nicht den Mut und die Kraft habe.
    Äußerungen nach Jahren im Job vom Chef, wie z. B. „halt Dich da raus, das geht Dich nichts an“, wo sonst mein Urteil gefragt war, oder „Wenn Du es nicht machst, macht es ein anderer!“ weil es temporär trotz Überstunden nicht zu schaffen war, sind so Schlüsselsätze, die sich einbrennen und nachdenklich darüber machen, für wen und was man sein „Feuerholz“ verbrennt.
    Ich hatte zusätzlich jahrelang noch einen Nebenjob in der Lohnbuchhaltung und habe noch nebenbei die Finanzen meines Vereins geführt.
    Das Leben bestand nur noch aus Arbeit (für andere) und wofür? Geld? Anerkennung? Karriere?
    Bis tief in die Nacht am Schreibtisch?
    Für Freunde war keine Zeit,
    Und dann sterben Menschen, Freunde, meine Großeltern innerhalb sehr kurzer Zeit und ich wusste nicht, wie man damit umgeht.
    Sie waren plötzlich weg und die Gefühle waren so unterschiedlich und unkalkulierbar schmerzhaft und auch kalt.
    Krankheiten lauern und selbst bekommt man einen Warnschuss und man denkt „Wofür?“ Was tust Du überhaupt? Lebst du noch?
    Laune im Keller, öffentlich lächelnd, Zuhause agressiv oder totmüde konnte es so nicht weiter gehen.
    The show must go on???
    NEIN!
    Ein Job in Vollzeit reicht doch völlig!
    Den Nebenjob habe ich vor 7 Jahren schweren Herzens aufgegeben.
    Für den Vollzeitjob habe ich vor 2 Jahren von anstatt 40h auf 38h pro Woche verhandelt, was ich hätte viel ehr tun sollen.
    Die Finanzen des Vereins habe ich vor 6 Jahren gegen einen anderen nicht so arbeitszeitintensiven aber verantwortungsvolleren Posten getauscht, den ich in knapp 2 Monaten nun abgeben werde.
    So habe ich mich kontinuierlich frei geschaufelt über die letzten 7 Jahre, damit ich endlich mehr für mich und meinen Mann tun kann und leben kann und zwar zufriedener mit mehr Zeit für das, was wir uns wünschen.
    Vielleicht bist Du einfach schon viel weiter im Leben und weitere Veränderungen und Anpassungen werden/müssen folgen, damit es für uns lebenswert bleibt.
    Auf zu neuen Ufern!
    Haben wir den Mut, zu leben! :o)
    Ich wünsche Euch beiden auf dem neuen Weg alles Gute und vor allem Gesundheit ohne Existenzängste und Gesellschaftsdruck!
    Die Kraft zum Laufen kommt wieder, da bin ich mir ganz sicher!! Dein Körper wird Dir sagen, wann es soweit ist und wie weit es gehen/laufen kann!
    Liebe Grüße Tanja

    Reply
    • Guido

      5. Januar 2016

      Hallo Tanja deine ehrlichen und offenen Worte zu deinen Erfahrungen berühren mich sehr. Sie unseren Ängsten zu stellen, auf sie zu zu gehen ist etwas vom Herausforderndsten überhaupt. Der Reichtum den man danach erlebt, kann nur schwer beschrieben werden. Wie du dich aus deinen Abhängigkeiten befreist fasziniert. Gerade deshalb weil du genau deinen Weg dafür gehst. Ich wünsch dir dabei alles erdenklich gute. Melde dich gelegentlich. Ich bin gespannt wie es dir ergeht.
      Für deine guten Wünsch auf unserem Weg danke ich dir auch vielmals.
      Ganz liebe Grüsse
      Guido

      Reply
  • Rainer Wölkerling

    3. Januar 2016

    Lieber Guido, danke für diesen Beitrag, der einen Blick in Dein Innerstes öffnet, wie es für uns Männer doch eigentlich untypisch ist. Müssen wir doch, leider auch heute noch, immer die Starken sein und dürfen keine Schwäche zeigen. Testosteron soweit das Auge reicht. Ich finde, Du bist mit Deinem Artikel ein Leitbild für den modernen Mann aber vor allem bist Du eine knallrote, warnende und deutlich blinkende Ampel dafür, dass wir nur ein Leben haben und das Leben LEBEN MÜSSEN, anstatt es hinter uns zu bringen! Ich wünsche Dir viel Erfolg in Deinem Leben, lebe es und habe Lebensglück! Viele Grüße vom Rainer, der leider auch mehr hinter sich bringt, denn sein Leben lebt…

    Reply
    • Guido

      3. Januar 2016

      hallo Rainer herzlichen Dank für deine Worte! Sie gehen mir nahe und bewegen mich. Sie treffen den Punkt wofür ich schreibe und was ich den Menschen als Anregung gerne mitgebe.

      Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und wie man dieses beschreiten will und tut verändert sofort die Welt. thx an alle.

      Reply
  • Jens

    2. Januar 2016

    Ein wenig sprachlos, aber vielmehr nachdenklich nach diesem eindrücklichen Bericht und den tollen Kommentaren. „Alles auf dem Weg…“ – durch Höhen und Tiefen aber immer weiter und nach vorne.
    Alles Gute Dir, mir und uns allen auf diesem Weg… (Der uns hoffentlich in Kontakt bleiben lässt und schon bald wieder mal zu persönlichen Gesprächen zusammenführen wird!)

    Reply
    • Guido

      3. Januar 2016

      Schöne Worte Jens, Danke! Wir haben ja schon einiges beredet 🙂
      Ich frage mich manchmal wie bereit ich bin den „Sturm des Lebens“ zu erleben, zu fühlen und zu „geniessen“. Die manchmal langweiligen Sonnenscheintage 😉 sind ja eigentlich easy to handle. Weil das so ist, stellen wir uns vielleicht auch so unmögliche hirnrissige Aufgaben wie diejenige durch eine verdammte heisse und eigentlich tödlich Wüste zu laufen 🙂
      Cu soon Man

      Reply
  • Frederick Schmidt

    2. Januar 2016

    Lieber Guido, danke für das feine geschreibe, ich erkenne viele Sachen die du durchgemacht hast sehr leicht von meiner eigenen Seite. Für mich wahr 2010 bis 2013 eine solche Periode 2013 sagte mein Körper stopp. An diesem Jahr sprang ich 34 trailrennen alle so zwischen 30 und 60 km, das Jahr zuvor Matoxh, Trans Rockies, Scandinavien Ultra mm, mm. Ich weiß das wenn man heiß ist dann hört man nicht nach innen, sondern pflegt nur den Ego. Meine neuen Abenteuer sind jetzt von anderer Art, weg vom Rummel und Media Sturm und statt dessen rein in die Natur leise alleine oder zwei drei, und genießen! Ich glaube auch ich habe genug gegen andere Rennen bestritten, jetzt werde ich meinen eigenen Bad Ass Laufkalender zusammenstellen, und da gibst keine abgaben, keine Plakette kein funktions-leiberl und keine verpflegungsstationen außer mein eigenes Camp!
    Gruß aus Falkenberg
    Fred

    Reply
    • Guido

      3. Januar 2016

      Lieber Frederick
      Deine Zeilen zeigen dass wir nich alleine sind. Es gibt viele die sich viel zumuten, sensibel sind. Dafür scheint es in der heutigen Welt wenig Platz zu geben. Wie du deinen Weg gefunden und umgesetzt hast bewundere ich sehr! ich denke seit unserem Gespräch in Wengen immer wieder an dich und darüber nach wie du das machst! glg guido

      Reply
  • nici

    2. Januar 2016

    danke für deine Worte Guido….vieles kommt mir so bekannt vor, LG nicole

    Reply
    • Guido

      3. Januar 2016

      Gern geschehen Nicole 🙂
      Alles Gute wünsch ich dir! lg guido

      Reply
  • Raphael Dür

    2. Januar 2016

    Lieber Guido
    Sehr bewegende Worte, vorallem, da du mir ja in einer „ähnlichen“ Situation geholfen hast (denke noch des Öfteren daran). Ich wünsche dir und Rita eine gute Zeit und hoffe, du findest zu dir und deiner Gesundheit zurück.
    LG Raphael

    Reply
    • Guido

      3. Januar 2016

      Lieber Raphael. Herzlichen Dank für deine Zeilen. Ich freue mich sehr dass unser Gespräch von vor ein paar Jahren noch nachwirkt. Man hat definitiv nie ausgelernt. mir geht es zur Zeit bestens. Bald beginne ich wieder zu laufen. Ich will in 4 Monaten für die Reise zum Nordkapp bereit sein 🙂 LG guido

      Reply
  • Jens

    2. Januar 2016

    Ich würde gerne was ‚Schlaues‘ dazu schreiben. Aber es kommt mir nix raus… vielleicht auch, weil es schon rund ist. 🙂 Drum nur ein ‚Danke fürs teilhaben lassen‘, und ein ‚Gut gut!‘ als Zeichen höchster Anerkennung und des Respekts. 😉

    Reply
  • Christoph

    2. Januar 2016

    Ein ehrlicher, interessanter Eintrag. Ich finde darin vieles wieder, was mich selbst bewegt, ein paar Fehler, die ich selbst gemacht habe – oder gerade noch mache, aber auch die Begeisterung für den Sport, die Natur und das Abenteuer. Vielen Dank fürs teilhaben lassen und alles Gute bei den künftigen Plänen. Ich bewundere euren Mut und die Zuversicht zu diesem konsequenten Schritt!

    Reply
    • Guido

      2. Januar 2016

      Hallo Christoph Danke für deine offenen Worte und die Guten Wünsche! Ich bin wirklich überzeugt, dass wir uns nur denn weiter entwickeln wenn wir immer wieder wagen etwas zu tun was wir noch nie getan haben. Im besten fall Proaktiv andernfalls wird das Leben entsprechende Massnahmen treffen. Unser Unbewusstes steuert uns zum grössten Teil. Insofern machen wir keine Fehler. Wir stolpern durch das leben und versuchen es zu verstehen 🙂 lg guido

      Reply
  • Fred Toplak

    2. Januar 2016

    Lieber Guido,
    ich wünsche dir ein Zeit mit ungeplanten und emotionalen Momenten. Es ist mir eine Freude nach unserem “ kleinen“ Treffen in Chamonix zu lesen, dass du einen neuen Weg, einen neuen Ansatz mit ipen End für dich, für euch gefunden hast und ich wünsche das dieser nit Freude begleitet wird. Auch wenn wir beide wissen, dass man sich Freude auch irgendwie “ verdienen“ muss ?.
    Es gibt einige Parallelen mit unterschiedlichen Zeitfenstern in unserem Leben. Ich bin da wo du schon warst und du gehst gerade drauf zu wo ich schon Erfahrungen sammeln durfte. Das macht uns alle so einzigartig. Einzigartug dumm und schlau, gut und böse, hoffnungsvoll und .. individuell.
    Ich stehe gerade vor großen Veränderungen, ohne zu wissen ob sie wirklich kommen. Dazu musste ich mich einlassen, was ich nach langem hin und her dann getan habe. Nun kann ich befreit nach vorne gehen, denn jedes Ergebnis ist mir recht. Ein neues Gefühl für mich, der sonst gerne klare Ziele verfolgte, wo das kleinste das tägliche überleben war.
    Wir werden uns so hoffe ich austauschen und wenn du die Berge des Ruhrgebiets erkunden möchtest, so steht euch unser Haus als Basis offen. Ich freue mich auf die Zeit die da kommt. LG Fred

    Reply
    • Guido

      2. Januar 2016

      Lieber Fred
      Ja, unser Treffen ich Chamonix war viel zu kurz. Scheint immer so zu sein bei solchen Anlässen. Für Gespräche brauchts einfach mehr Zeit und Musse. Ich hatte geahnt, dass du schon ähnliche gemacht hast. Ich wünsche dir für deine Veränderungen dass sie sich so entwickeln wie du es dir wünschst. Ich wünsch dir auch alles gute bei der Umsetzung deiner Laufziele!
      Ich hoffe dass wir uns bald sehen. Ich habe das Gefühl, dass Ritas und meine Fahrt durch D nicht geradeaus sein wird, eher so ein wirrer Zick-Zack Kurs. von oben gesehen wir. Vom Radsattel aus gesehen geradeaus. Herzlichen Dank für die Einladung. Ich mache einen Punkt auf die Deutschlandkarte! Liebe Grüsse
      Guido

      Reply
  • Tete

    2. Januar 2016

    Danke und schön das es einen guten und ehrlichen Bericht gibt, auch von den evtl. nicht so schönen aber wichtigeren Seiten des Laufens und des Sports. Welches ja ein Großteil unseres Lebens ist. Ich kann vieles verstehen und nachvollziehen. Pass weiterhin gut auf dich und deine liebsten auf. Ich drücke dir alles erdenkliche damit du deine Stärke behältst. Du/Ihr packt das da bin ich sicher.

    Reply
    • Guido

      2. Januar 2016

      Hallo Tete. es freut mich dass der Bericht bewegt und dass vieles verstehen kannst. Es gibt Zeiten da nützt es nichts wenn wir nicht darüber reden und uns damit eigentlich einen gefallen tun. Dennoch jedes mal bevor ich auf „Freigeben“ drücke fühle ich diese Angst, und diese „Unsicherheit“… Denke auch für die guten Wünsche!

      Reply

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