leidenschaft löst reaktionen aus

am start des marathon des sables

mein letzter post hat einige reaktionen ausgelöst.
von verschiedenen lesern wurde mir mitgeteilt, dass mein post nebst angenehmen, freudvollen, motivierenden gedanken auch zwiespältige gedanken ausgelöst haben und
dass sie mir diese nicht vorenthalten möchten. die offenheit dieser menschen sich mir zu zumuten hat mich sehr berührt und gefreut!

folgende oder ähnliche gedanken sind bei lesern meines blogs entstanden:
„der soulrunner ist ein egoist –
da muss etwas falsch sein wenn der soulrunner ein solches leben führt.

da muss eine schattenseite sein;
das was der soulrunner tut ist rücksichtslos;
der soulrunner ist ein angeber.“diese aussagen lassen mich nicht unberührt, gerade auch deshalb weil mir menschen wichtig sind, wesentlich wichtiger als all das was ich tue. das was ich tue ist „nur“ ausdruck meiner sprudelnden energie.

winter 2002/03, pilgerreise 6 wochen ohne geld

 

winter 2002/03 pilgerreise/ nachtlager 6 wochen ohne geld

 

heute beim laufen wurde mir klar, dass ich mich wie ein kleiner vulkan fühle. in diesem vulkan glüht die lava. sie will nach aussen, verschliesse ich den vulkan wird der druck grösser und grösser bis der kleine vulkan explodiert, die lava ihren eigenen unkontrollierbaren weg nach aussen sucht und damit auf ihrem weg ins tal alles zerstört und verbrennt was ihr in den weg kommt.

einen deckel auf den berg setzen ist der versuch, mich so zu verhalten wie die gesellschaft denkt, dass ich mich zu verhalten habe. man hat sich an regeln zu halten die sinnlos sind, man muss nett sein, man muss gute miene zum bösen spiel machen, man soll immer glücklich sein, mann soll lachen, man soll nicht depressiv sein, man soll konform sein, man soll keine kannten haben, man soll angepasst sein. wer kennt all diese sätze, sehnt sich nach selbstausdruck und lebt doch ein konformes angepasstes leben?
vor ein paar wochen hat sich ein bekannter von mir das leben genommen. wie viel energie muss in diesem menschen aufgestaut gewesen sein um dies zu tun, frage ich mich immer wieder. weshalb fand diese energie nur den weg der selbstzerstörung? niemand weiss es, die antwort könnte nur er, mein bekannter geben.

für frieden und versöhnung nach osten 2003/2004, ziel indien

ich kenne mich soweit gut, weiss, dass wenn mein vulkankegel verstopft ist, ich zur selbstzerstörung neige. ich habe mich jedoch entschlossen meinen vulkan leben zu lassen, ihn zu unterstützen seine energie nicht menschen- oder lebensnegierend auszudrücken.  ich weiss, dass ich im verhältnis zum durchschnitt über ein grosse menge an energie verfüge, leidenschaftliche, heisse, eine archaisch wilde energie. jahre habe ich irrtümlich versucht, dieser wildheit herr zu werden, so zu sein, dass ich „passe“; – es ging nicht. die energie suchte und sucht sich ihren weg sich auszudrücken, keine chance sie zu halten.

istanbul hagia sophia

es gibt menschen, bei denen erzeugt meine energie, meine präsenz angst, andere lieben sie, sie fühlen sich in meiner nähe wohl, sicher und geschützt.  andere fürchten sich davor und laufen weg, wieder andere wollen mitspielen, bleiben stehen und sprudeln mit. etwas vom schönsten was ich erleben darf. das ist gut so,  genau so erlebe ich es in meinem leben.

für frieden und versöhnung nach osten, ziel indien irgendwo im iran

zurück zur wahrnehmung meines blogbeitrages durch meine bekannten.
ja, ich bin ein egoist, wie meiner wahnehmung nach alle menschen auf der erde. ich stehe dazu, dass das was ich tue durch mich entschieden wurde und wird. niemand zwingt mich dazu etwas zu tun. hier in der westlichen welt sind wir alle frei das zu tun was wir tun wollen; jeder tut es. aus konformität – (ich will der gesellschaft, meiner familie, meiner frau oder meinem mann gefallen). oder ich drücke das aus, was sich durch mich und mit mir der welt zeigen oder offenbaren will. beides ist reiner egoismus, zu unterscheiden ist lediglich der lebensbejahende und der lebensnegierende egoismus.

freiheit ist ein relativer begriff. ich habe ein bewusstsein bekommen, die fähigkeit zu reflektieren und daraus handlungen abzuleiten. jeder mensch entscheidet und handelt aus dieser fähigkeit heraus. mein geist kann überall hin ist komplett frei in seiner bewegungsfähigkeit. mein körper, den ich hier im erdenleben habe, den kann ich nicht im selben tempo wie meinen geist bewegen, insofern bin ich in meinem körper genau so gefangen wie die meisten menschen auch. viel mehr beschäftigt mich die frage ob ich mein leben durch normen und gesellschaftliche konzepte steuern lasse und mir deshalb viele türen und möglichkeiten verschlossen bleiben. – Ich eben gefangen bin im geflecht der normen, erwartungen und nie erfüllbaren gesellschaftlichen zwängen.

didgeridookonzert

grundsätzlich bin ich der meinung, dass viel mehr möglich ist, als es unser verstand für möglich hält. seit ich klein war, ich denke schon als junge von sechs jahren, habe ich mich wenig um die meinung anderer gekümmert und das gesagt und getan was mich faszinierte. dies wurde dadurch unterstützt, dass ich, als ich zur schule ging nur französisch sprach, in einer welt von deutschsprachigen und somit auch niemanden verstand. mein sprachlicher ausdruck war, das zu tun und zu zeigen was ich konnte.

didgeridookonzerte 2000 bis 2006

der preis den ich bezahlte, war und ist immer noch der selbe. ich fühle die einsamkeit des menschen welcher sich nicht in der gruppe bewegt. dieses gefühl des „allein-sein“ beim „nicht-dabei-sein“. dieses tiefe gefühl der einsamkeit, des nicht dazu zu gehören war und ist, nach wie vor eines des schwierigsten gefühls, welches ich erlebe und zwischenzeitlich zu lieben gelernt habe, immer wieder neu.

seit ich sehr lange distanzen laufe, treffe ich immer wieder auf menschen, die mir ähnlich sind. mit denen ich mich auf der selben ebene austauschen kann, und wir verstehen, weshalb wir das tun was wir tun.
das wort „rücksichtslosigkeit“ im kontext meiner art zu leben, verstehe ich als ein gesellschaftlich genutztes wort um menschen in der konformität zu halten. „du bist rücksichtslos, weil du nicht das tust, was ich von dir erwarte“. so funktioniert’s von dem moment wo ich als Mensch auf die welt komme. diese haltung beschneidet meine kreativität, meinen persönlichen ausdruck und meine art mit der welt in kontakt zu kommen.
ein leben als spirituell suchender, als didgeridoobauer und -spieler, 2000 bis 2006

rücksichtslosigkeit ist für mich, wenn wir mit all dem sinnlosen müll, den wir einkaufen unsere viel zu grossen wohnungen füllen. rücksichtslosigkeit ist für mich, wenn ich jemanden daran hindere in freiheit zu leben. rücksichtslosigkeit nenne ich, wenn ich das leben einer oder mehrer personen dazu missbrauche, mir ein besseres leben zu gönnen (kapitalismus, bankenwesen, usw).
rücksichtslosigkeit herscht in meiner welt dann, wenn meine erwartungen die grundbedürfnisse und gesunden lebensbejahenden bedürfnisse meines gegenübers beschneiden.
da gehen die meinugen vieler mitmenschen einen anderen weg. sie leben in der überzeugeung, dass andere sich ihren bedürfnissen und ihren glaubenssätzen zu beugen haben. so stärken sie ihre macht über andere.

spinerace 2014 mit Thomas Ehmke

liebe, lebensbejaendes leben nimmt niemandem etwas weg, es ist leidenschaft pur. jeden tag strauchle ich mit diesem bewusstsein durch meinen lebensalltag, trete regelmässig auf und somit in die felder anderer. das ist nicht ok und tut mir immer wieder leid. genau so wie ich es nicht mag, wenn andere, ohne mein einverständnis, in meine welt eindringen. dann spreche ich es drei mal an und aus. wer mich dann, immer noch nicht ernst nimmt ist draussen.

angeben, angeben ist ein wort das bei mir schamgefühle auslöst. angeben ist etwas schlechtes, nicht gutes, etwas wofür man sich schämen muss. ist es angeberei wenn ich meine einzigartigkeit und meine erfolge der welt mitteile? ist es falsche bescheidenheit wenn ich meine erfolge im geheimen halte und so meiner mit- und umwelt nicht zeige, was alles möglich ist auf der welt. und somit nicht zum sichtbaren wegbereiter für andere werde? ich weiss es nicht. gerne teile ich heute meine persönlichen erfolge und die damit verbundene freude der welt mit.

tor des geants im ziel

 


2 Comments

  • Remo

    29. Januar 2015

    Lieber Guido, ich verstehe Deine Worte und bin beeindruckt, wie konsequent Du Deinen Weg gehen kannst.
    Wenn es nur solche Menschen geben würde, welche aus ihren eigenen Ressourcen leben und dann von dem Überfluss etwas in die Gemeinschaft geben, dann hätten wir sehr viele Probleme gelöst auf dieser Erde…
    Und ich weiss, dass Du das Wichtigste bereits auch schon gespürt hast; allein sein ist grundsätzlich nichts trauriges sondern etwas erhebendes, es bedeutet nämlich "all-eins-sein" bzw. mit allem und allen verbunden sein. Natürlich nur fühlbar, wenn die Einsicht der grundsätzlichen Trennung aller physischen Lebewesen als notwendiger Umstand des menschlichen Erlebens akzeptiert ist. Dann aber, lassen sich die gemeinsamen Herkünfte energetischen Ursprungs erschliessen und diese Ein-Sicht ist unvergleichbar grösser als jegliche menschliche Emotion! Oder anders ausgedrückt; der Weg des suchenden Individualisten führt zum grössten gemeinsamen Vielfache und der Weg des Kollektiv-Suchenden zum kleinsten gemeinsamen Teiler… Und dies ist nicht wertend gemeint! Die Frage ist doch lediglich diese; "Bin ich Mensch der eine geistige Erfahrung macht auf dieser Welt oder bin ich Geist der eine menschliche Erfahrung machen will?!"
    Die Antwort entscheidet über die eigene Anschauung aller Lebensthemen welche wir als Menschen zu erledigen haben und da es logischerweise im polaren System der Menscheit diese beiden Pole immer geben wird, werden wir auch immer darüber diskutieren was nun richtig und falsch ist 🙂
    Wenn ich jetzt auch werten soll, was ja als MENSCH unverzichtbar und unumgehbar ist, dann empfinde ich Deine Anwesenheit als sehr bereichernd und ich wünsche Dir noch viele Einsichten, Erlebnisse, Erfahrungen, Niederlagen und Siege, Hochgefühle und Trauer. Es sind diese polaren Erfahrungen, weshalb wir hier sind! Ist aber nur meine Meinung, meine Wahrheit, keinesfalls als ganze Wahrheit zu verstehen… 🙂
    Ich wünsche Dir also von Herzen das unzerstörbare Urvertrauen in Dein eigenes Bewusst-Sein, um ein Teil des Ganzen sein zu können und für Dein physisches Wesen gute Gesundheit. Ich werde Deine Läufe gerne weiter mitverfolgen und bei Gelegnheit etwas mitschweben auf Deiner Schulter… Ich wünsche Dir nur das Beste für all Deine Vorhaben 🙂
    Liebe Grüsse
    Remo

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  • Tom

    20. Dezember 2014

    Hey Guido, bleib so wie du bist. Ich mag dich!
    Ich hoffe, wir verbringen noch die ein oder andere Stunde irgendwo zusammen auf dem Trail!
    Liebe Grüße Tom

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