Der Start zum 100k del Sahara wäre in zwei Tagen wenn…..

die Unruhen in Libyen nicht wären: und was hat das mit mir zu tun? Ganz viel, aber zuerst mal zurück.

Vor zwei Monaten:
Oft widerfährt mir folgendes wenn ich von der Arbeit ab Olten nach Aarau laufe. Die Strecke beträgt ca 18.5 k und beinhaltet 200 hm. Nach dem verlassen des Zuges in Olten starte ich meine Garmin 305 und muss jeweils 2 Minuten warten bis er seine Satelliten gefunden hat.
Normalerweise starte ich in ruhigem Trab, lasse den Arbeitstag Schritt um Schritt hinter und folge der Aare. Die ersten zwei Kilometer sind asphaltiert und eher unangenehm zu laufen. Bald verlasse ich die Stadt und gelange auf befestigte Fusswege um ein paar hundert Meter weiter auf einen Trail zu gelangen welcher bis acht Kilometer vor Aarau der Aare entlang führt.
Oft nach etwa drei Kilometern fühle ich mich unendlich schwach, habe das Gefühl gehen zu müssen und niemals nach Aarau zu gelangen. Manchmal folgt ein kleiner Schwindel oder dieses Schwächegefühl. Um dem entgegen zu wirken habe ich mir angewöhnt vorgängig eine Banane oder etwas Süsses zu esse. Nützt nichts…..
Vor zwei Jahren habe ich an dieser Stelle einen Homerun abgebrochen weil ich dachte dass es nicht mehr weiter geht. Es ist jedoch anders. Es geht weiter! Ein paar hundert Meter weiter lässt die Schwäche nach. Drei Kilometer später fühle ich mich komplett frisch um am Ende des Aaretrail auf den Hügeltrail abzubiegen und mir noch die 200 hm reinzuziehen.
Das Verrückte ist, dass ich anlässlich der Schwäche jedes Mal das Gefühl habe den Lauf abbrechen zu müssen, mich jedoch weigere es zu tun um ein paar Minuten später wieder voller Energie zu sein.

Was hat das mit meinem wüsten Trip zu tun? Ich denke viel. Schwäche, Müdigkeit, Sinnfragen usw werden sich aus meinem Unbewussten erheben, versuchen mir die ganze Sinnlosigkeit dises Laufes zu erklären und verständlich zu machen, gerade weil sich mein Körper und ich uns dannzumal in einem sagen wir mal so, sich in einem noch selten oder nie da gewesenen Zustand befinden werden.

Und genau da will ich dies Erfahrung der sich auflösenden Müdicgkeit nutzen. Weiter gehen, auch wenn sich alles dagegen sträubt.

Zu diesem Thema passt ein bei FB aufgeworfene Aussage. Das Leben ist eine Achterbahn stand da geschrieben. Dieser Satz bewegt mich, und mir wurde klar, dass das Leben keine Achterbahn ist. Das Leben „ist“. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Was wir als Achterbahn bezeichnen ist unser Bezug zu den Emotionen die während dem  Erfahren des Lebens aufsteigen: „diese Emotion mag ich, dies mag ich sehr, diese Emotion hasse ich, diese will ich nicht fühlen usw. usf.“
Wenn aus unserer Sicht zu viele oder zu starke von uns ungeliebte Emotionen in unser Bewusstsein treten welche wir als nicht angenehm betrachten, tendieren wir dazu diese abzuspalten, zu verdrängen. Irgendwann werden wir krank, zuerst seelisch, irgendwann körperlich.

Gibt es eine Lösung? Ich denke ja. So einfach das klingt, so herausfordernd ist es sich dem zu stellen. Im wesentlichen geht es darum, dass wir unsere Emotionen nicht abspalten, uns jedoch auch nicht mit ihnen identifizieren und darin versinken oder verlieren. Es geht darum diese mit zugewantem Herzen zu fühlen. Zu fühlen was der Ursprung dieser Emotion ist. Warum diese Emotion sich so anfühlt wie sie ist. Erst dann kann im Aussen der nächste Lebensverändernde Schritt im Leben unternommen werden.

Alle Emotionen haben ihren Ursprung aus Erfahrungen in unserem Leben, wollen gefühlt werden und erfahren dass sie von uns persönlich so geliebt sind wie sie sind. Wozu das alles? Nun, je tiefer wir uns mit unseren Emotionen beschäftigen, desto mehr wissen wir über sie, ihre Wünsche und Bedürfnisse.
Dies kann unser Leben, unseren Bezug zum Leben radikal verändern.

Ertste Woche März 11 / diese Woche:

Die Absage zum 100k del sahara vor drei Tagen kam nicht unerwartet. Sie hat mich dennoch erschüttert. Was haben meine Emotionen damit zu tun. Was kann ich begreifen.

Bald habe ich realisiert dass ich entscheide ob ich lange flennen will oder ich mich entscheide diese Woche neu zu gestalten. Dies habe ich unternommen.

Gestern durfte ich mit drei FB Freunden von Laufen im Basler Jura nach Olten laufen (49km und 2300hm). Was für ein Tag, was für Trails, was für Emotionen. Noch immer tief bewegt sitze ich vor meiner Tastatur.

 

Chaltbrunnetal bei Laufen
Chaltbrunnetal bei Laufen
Unterhalb Passwang

 

Fernsicht fühl mich zu Hause
Dem Grat entlang gis hinter dem Horizont gehts weiter
Kurz vor dem Belchen
Sunsetrunning

 

Sunset

 

Auf dem Belchen: Sicht nach Westen
Nächsten Samstag, 12. März 11 starte ich am Rheinburgenlauf, einem 110 km Lauf mit Thomas Eller, Steffen Koller und weiteren 15 FB Freunden. Wenn das kein Abenteuer wird…..

Das Gute an der Absage des Laufes in Tunesien ist, dass ich nun mit Menschen unterwegs sein werde. Mit Menschen die mir für Tunesien die Daumen gedrückt haben, mit denen ich nun gemeinsam etwas Anderes herausforderndes erleben darf. Da ich mich mit Freundschaften, mit Näher eher schwer tue, habe ich mir zum Ziel gesetzt mit Menschen in Beziehung zu gehen und Freundschaften zu pflegend Damit freue ich mich doppelt auf das gemeinsame Laufen.


3 Comments

  • Jochen

    7. März 2011

    Hallo Guido,

    nach wie vor bedauere ich die Absage deines ganz speziellen Jahreshöhepunktes, dem 100k del Sahara. Ich selbst habe eine solche Enttäuschung nach monatelanger Vorbereitung auf ein solches Laufevent (zum Glück) noch nicht erfahren müssen, von daher kann ich nur sehr schwer nachfühlen wie es in dir drin wirklich aussieht. Dass du aber in ein Loch fallen könntest, das kann ich mir nur zu gut vorstellen. Von daher war es ein sehr großes Bedürfnis für mich und überhaupt keine Frage kurzfristig und spontan zu dem von Niels organisierten Frustbewälingungstrailday mit frinds zu kommen. Ich habe es sehr sehr genossen gemeinsam mit Ricarda, Niels und dir durch und über das schöne Schweizer Jura Gebirge laufen zu dürfen. Sehr gerne bin ich auch das nächste mal wieder dabei, ihr seid für mich inzwischen mehr als "nur" ein paar FB Bekannte, ihr seid Freunde, echte und reale Freunde!!! Guido, ich wünsche dir, Niels und natürlich auch all den anderen viel Spaß, viele tolle Eindrücke und ein erfolgreiches finish beim 110k Rheinburgenlauf.

    In diesem Sine, keep on running!

    Viele Grüße
    Jochen

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  • Guido

    7. März 2011

    Hallo Mich
    Mir gehts ähnlich. Kaum sehe ich dass du einen Bericht geschrieben hast schaue ich nach und freue mich über den Weg den ihr zwei bestreitet. Danke auch für deinen Komentar. Er zeigt mir, dass Menschen an meiner Auseinandersetzung mit dem Leben interssiert sind, und wie du dich auch an den Bildern deiner Heimat erfreust.
    Abenteuer sind auch hier möglich. Das erfahre ich die letzten Jahre immer deutlicher.
    Liebe Grüsse
    Guido

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  • wecycling

    7. März 2011

    Lieber Guido

    Vielen lieben Dank für all deine treuen Einträge in unserem Blog. Nach jeder Veröffentlichung eines Beitrages warte ich nun schon auf deinen Kommentar – so schnell gewöhnt man sich an etwas.
    Ich finde es toll, was du aus der Absage des Sahara-Laufs gemacht hast. Die Bilder sind super und durch mein Herz jagt eine Brise Heimweh.
    Sei herzlich gedrückt.
    Mich

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